Nach Anschlag

Antisemitische Taten in Hagen: Polizei sieht keine Häufung

Nach dem Anschlag eines Neonazis in Halle wird es am Freitag an der Synagoge in Hagen eine Mahnwache geben.

Nach dem Anschlag eines Neonazis in Halle wird es am Freitag an der Synagoge in Hagen eine Mahnwache geben.

Foto: Michael Koch / WP Michael Koch

Hagen.  Die Polizei in Hagen nimmt Stellung zu der Zahl der antisemitischen Straftaten. An der Synagoge wird indes um 18 Uhr eine Mahnwache stattfinden.

Nach dem rechtsradikalen Terror-Anschlag in Halle wird es am Freitagabend um 18 Uhr zu einer Mahnwache vor der Synagoge in der Potthofstraße kommen. Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit lädt dazu ein. Indes legt die Polizei Hagen Zahlen zu antisemitischen Straftaten in Hagen und der Region vor.

„Wir haben derzeit keinerlei Hinweise, dass sich die konkrete Gefahrenlage hier bei uns in Hagen nach der Tat in Halle verändert hat“, so Polizeisprecher Ralf Bode. Dennoch sei die Polizei wachsam und habe neben der Synagoge auch andere Objekte mit jüdischem Hintergrund – wie etwa jüdische Friedhöfe – verstärkt im Blick.

Polizei sieht keine Häufung in Hagen

In Hagen, so Bode, habe es in den vergangenen Jahre keine Häufung von antisemitischen Straftaten gegeben. „Seit 2014 hat unsere Staatsschutzabteilung 14 Taten registriert.“ Darunter seien aber keine massiven Deliktarten wie etwa Körperverletzung gewesen. Und es habe nicht immer ein rechtsradikaler Hintergrund eine Rolle gespielt, sondern auch der israelisch-palästinensische Konflikt.

Zuletzt hatte im Juni ein Fall aus Hohenlimburg für Aufsehen gesorgt – es ist bislang auch die einzig bekannt gewordene antisemitische Straftat im Hagener Stadtgebiet in diesem Jahr. An vier Geschäften in der Innenstadt waren Schaufenster zerkratzt worden – und in zwei Frontscheiben von Geschäften war dabei der Schriftzug „Jude“ eingeritzt worden. Die bisherigen Ermittlungen des Staatsschutzes, so Polizeisprecher Ralf Bode, hätten noch keine Hinweise auf mögliche Tatverdächtige ergeben. „Es scheint aber keinen Bezug zu den Bewohnern oder Geschäftsleuten in diesen Häusern gegeben zu haben.“

Der Staatsschutz sieht auch keinerlei Anzeichen für eine rechtsextreme Szene in Hagen: „Es mag Einzelpersonen geben, die rechtsextremem Gedankengut anhängen, aber keine Gruppe. Wir haben hier auch keine Gefährder, die wir ständig beobachten müssen.“

70 Taten im gesamten Zuständigkeitsbereich der Hagener Polizei

Nimmt man den erweiterten Zuständigkeitsbereich der Staatsschutzabteilung des Polizeipräsidiums Hagen (Hagen, Ennepe-Ruhr-Kreis, Märkischer Kreis, Olpe und Siegen-Wittgenstein) sind seit 2014 insgesamt 70 Taten mit antisemitischem Hintergrund registriert worden, davon sieben in diesem Jahr. Auch hier spielten sowohl offensichtliche rechtsradikale Motive, aber auch der israelisch-palästinensische Konflikt eine Rolle.

Schwere Straftaten, so Polizeisprecher Ralf Bode, seien aber auch hier nicht darunter gewesen. Die letzte massive Tat fand demnach im Oktober 2017 in Menden statt, wo ein Schaufenster an einem Geschäft mit dem Wort Jude beschmiert worden war – die Betreiberin ist wohl tatsächlich Jüdin.

Laut Staatsschutz gibt es auch in dem Zuständigkeitsbereich keine Erkenntnisse, dass es eine verfestigte rechtsextreme Szene geben könnte. Im Kreis Olpe sei aber die rechtsextreme Partei „Der 3. Weg“ recht aktiv. Die letzte massive Straftat mit rechtsradikalem Hintergrund sei die Brandstiftung in Altena auf ein Haus mit Flüchtlingen gewesen. Die Täter sind inzwischen zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden.

Das sagt Hagens Oberbürgermeister Schulz

Auch Hagens Oberbürgermeister Erik O. Schulz meldet sich zu Wort. In einem Schreiben an Hagay Feldheim, den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, verurteilt er den Anschlag auf die Synagoge in Halle scharf und bringt zugleich seine Verbundenheit mit den Menschen jüdischen Glaubens in der Volmestadt zum Ausdruck:

„Ich versichere Ihnen, dass ich mich auch weiterhin mit all meinem Engagement für eine Hagener Stadtgesellschaft einsetzen werde, in der für rechtsextremistische, fremdenfeindliche und antisemitische Kräfte niemals Platz sein darf. Um dies zu gewährleisten, müssen alle demokratischen Menschen in Hagen in großer Geschlossenheit Seite an Seite stehen. Sie wissen mich an Ihrer Seite.“

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