Fotoausstellung

Als die Hasper Hütte in Hagen den Takt des Lebens schlug

Die Fabrik Wittmann und Hasper Hütte haben den Stadtteil geprägt.

Die Fabrik Wittmann und Hasper Hütte haben den Stadtteil geprägt.

Foto: Stadtarchiv Hagen

Haspe.  Die Hasper Hütte gab einst 7000 Menschen Arbeit. Noch heute ist der Hagener Stadtteil von ihr geprägt, obwohl das Unternehmen längst unterging.

Es gab eine Zeit, da verstand man unter „Hasper Lichtern“ etwas ganz anders als die illuminierte Straßenshow, die vor einigen Wochen den westlichsten Hagener Stadtteil in ihren Bann zog. Bis 1972 war das Hasper Licht ein gelbbraunes, vom Stahlabstich der Hasper Hütte erleuchtetes Firmament. „Hasper Gold“, nannten es die Menschen.

Es war eine Zeit, die derzeit in einer Fotoausstellung im Alten Stadtbad, Berliner Straße 115, heraufbeschworen wird. 50 Aufnahmen aus dem riesigen Fundus des Stadtarchivs Hagen hat Stadtarchivar Andreas Korthals dafür zusammengetragen; viele illustrieren jene Ära, in der die Hasper Hütte, die in den 50er- und 60er-Jahren 7000 Menschen Arbeit gab, den Takt des Lebens schlug.

Wenn das flüssige Roheisen aus dem Hochofen floss und den Himmel zum Leuchten brachte, dann habe man manchmal nicht sagen können, welches Wetter gerade herrschte, so Hagens Stadtheimatpfleger Michael Eckhoff, der in Haspe aufwuchs: „Heute wird das von den älteren Haspern gern verklärt. Dieser ganze Dreck, diese Umweltverschmutzung, die das Hasper Gold bedeutete.“ Aber auch das viele Geld, das es hervorrief.

Typisches Selbstbewusstsein

Man schrieb das Jahr 1929, als die damals eigenständige 30.000-Einwohner-Stadt Haspe nach Hagen eingemeindet wurde. „90 Jahre Hagen bei Haspe“ lautet der Titel der Ausstellung, denn dies drückt mit gehöriger Ironie das für die Hasper typische Selbstbewusstsein aus. „Es gibt sehr wohl Mentalitätsunterschiede“, so Eckhoff. Haspe sei vor allem durch Arbeiter geprägt worden. Und die Rivalität mit den Hagenern habe sich u.a. in der Rivalität der beiden Fußballvereine Hasper SV und SSV Hagen bemerkbar gemacht: „Es gab ja Zeiten, da haben beide kaum miteinander gesprochen.“

Inzwischen hat sich die eigene Stadtteilidentität verschliffen, ganz aus dem Bewusstsein der Einwohner verschwunden ist sie jedoch keineswegs. Wenn die Bewohner Haspes sagen, sie gingen oder führen in die Stadt, dann meinen sie damit nicht Hagen, sondern die Hasper City.

Verklärung der Vergangenheit

Die Verklärung der Vergangenheit in Zusammenhang mit der Hasper Hütte sprach auch Bezirksbürgermeister Dietmar Thieser an. In dem riesigen Betrieb mit seinen Hochöfen, Stahl- und Walzwerken habe es viele Verletzte, verlorene Gliedmaßen und auch Tote gegeben. Trotz der Schließung der Hütte – 1982 wurde die Produktion endgültig eingestellt – sei Haspe bis heute ein Zentrum der Eisen- und Stahlindustrie geblieben: „Die meisten Leute wissen gar nicht, dass in diesem Sektor in Haspe auch heute noch bis zu 2000 Menschen beschäftigt sind.“ Darauf sei er stolz, so Thieser: „Auch wenn man in der heutigen feinen Zeit nicht mehr gern über harte Arbeit redet.“

Mit seinen nach wie vor 30.000 Einwohnern hat sich Haspe bis heute eine starke Stellung innerhalb der Stadt Hagen bewahrt. Und neben dem Lennetal ist es auch immer noch der wichtigste Industriestandort. Viele Firmen sind untergegangen, viele neu entstanden. Die Fotos im Alten Stadtbad sind wie eine Zeitreise durch diesen Hagener Arbeiterstadtteil.

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