Hundehaufen

Trotz 362.880 Kotbeuteln verdreckt Hundekacke Gladbecks Wege

Hundekot verdreckt den Fuß- und Radweg von der Straße Moltkesiedlung in Gladbeck zur Steinstraße und zur Eichendorffstraße. Darüber haben sich Nachbarn von Michael Hübner bei dem SPD-Politiker beschwert.

Hundekot verdreckt den Fuß- und Radweg von der Straße Moltkesiedlung in Gladbeck zur Steinstraße und zur Eichendorffstraße. Darüber haben sich Nachbarn von Michael Hübner bei dem SPD-Politiker beschwert.

Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Services

Gladbeck.  Nachbarn von Michael Hübner beschweren sich über haufenweise Hunde-Hinterlassenschaften. Der Politiker ärgert sich über „asoziales Verhalten“.

Nein, Fotos vom Stein des Anstoßes, nett ausgedrückt, erspart sich Michael Hübner lieber. „Zu fies“ findet der Landtagsabgeordnete die gehäuften Streitobjekte in seinem Wohnumfeld: Hundekacke auf Schritt und Tritt. Der Verbindungsweg zwischen Steinstraße und Moltkesiedlung sowie zur Eichendorffstraße entwickle sich zunehmend zur Toilette für Vierbeiner.

Kinder wenden sich an den Gladbecker SPD-Politiker Michael Hübner

Radfahrer und Fußgänger haben dort fast einen Slalom zu absolvieren, wollen sie nicht ein ungewolltes, müffelndes Souvenir nach Hause bringen. Der SPD-Abgeordnete, selbst Vater, erzählt: „Kinder aus der Nachbarschaft bimmeln bei mir und fragen: ,Weißt Du, wie eklig das ist? Du hast doch was mit Politik zu tun, kannst du dagegen nicht etwas machen?’“ Das würde Hübner nur zu gerne, aber was kann dieses Verhalten ändern, fragen sich der Politiker und Fachleute, beispielsweise beim Zentralen Betriebshof Gladbeck (ZBG).

Henrik Feldhaus, dort zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, fehlt das Verständnis für Herrchen und Frauchen, die sich kein bisschen um die Hinterlassenschaften ihrer tierischen Lieblinge scheren. Dabei könnte alles so einfach und sauber sein – dank der Hundekotbeutel. Bis zu diesem Monat wurden rund 362.880 einzelne Tüten unter Hundefans gebracht, im Vorjahr fanden 272.160 Beutel Abnehmer – ebenso viele wie im Jahr 2017. Der Griff zu den Plastikbeuteln kostet die Gladbecker nichts: Sie werden kostenlos abgegeben, beispielsweise im ZBG, Rathaus – im Bürgerbüro und Ordnungsamt – sowie in Apotheken, Trinkhallen und bei Tierärzten.

Grundsätzlich habe sich das Angebot, Kotbeutel kostenlos zur Verfügung zu stellen, bewährt, so der ZBG. Ein Indiz dafür seien die Abgabezahlen. Obendrein sind Tütenspender aufgestellt, wie auf der Hundewiese im Wittringer Wald. Sie stehen ebenfalls an den Eingängen zu den drei städtischen Friedhöfen in der Stadtmitte, in Brauck und Rentfort. Dort habe sich das Angebot bewährt, so der ZBG. Im Gegensatz zu Standorten in der City, wie vor Jahren: „Bei diesen wurden mehrmals die Tüten herausgerissen und in der Innenstadt verteilt.“ Daraufhin seien die Spender abgebaut worden.

Mit jeweils rund 4700 Euro schlugen die kostenlosen Hundekotbeutel in den Jahren 2017 und 2018 zu Buche. Für dieses laufende Jahr rechnet der ZBG mit etwa 6250 Euro. Papier statt Plastik wäre vielleicht ökologisch korrekter, aber die Kosten „sieben- bis zehnmal so hoch“. Außerdem: „Vor einigen Jahren hat der ZBG bereits die Papierbeutel ausgegeben, diese wurden jedoch nicht so gut von den Hundebesitzern angenommen.“ Zu groß, zu sperrig, zu unpraktisch lautete die Kritik. Kunststoffbeutel könnten zum Greifen einfach über die Hand gestülpt werden.

Soll etwa die Allgemeinheit die Hundehaufen beseitigen?

Die Plastiktüten wären ja schon ein Anfang für mehr „tretminenfreie“ Wege und Straßen – wenn sie denn nicht irgendwo im Gebüsch landen würden. Ein Phänomen, bei dem Feldhaus fast die Worte fehlen: Was geht in den Köpfen der Menschen vor? Das fragt sich auch Michael Hübner: „Sollen sich um die Exkremente, die auf den Bürgersteigen liegen, etwa Mitbürger und die Allgemeinheit kümmern? Ein asoziales Verhalten der Hundebesitzer – „Pfui!“, meint ein erboster Michael Hübner.

Spreche er Menschen auf ihr Fehlverhalten an, bekomme er immer wieder Verweise auf die Hundesteuer zur Antwort.

Er habe in Gesprächen zu dem Thema in seinem Umfeld beobachtet: „Meistens wird so getan, als wenn die Hunde irgendwoher kommen.“ Es sei doch völlig abstrakt zu denken, dass jemand, beispielsweise aus Essen, seinen Fiffi ausgerechnet in diese Gladbecker Gegend zum Haufenmachen chauffiere. Ach was! Der Landtagsabgeordnete schlussfolgert: „Die Verursacher müssen in unserer Nachbarschaft wohnen!“

Da bleiben eigentlich nur zwei Wege, um dieses unappetitliche Geschäft aus der Welt zu schaffen: Nachbarn legen sich auf die Lauer, um die Verursacher auf frischer Tat zu ertappen. Oder – wieder einmal – ZBG-Mitarbeiter entfernen die Haufen von den Wegen. Wohl wissend, dass es nicht das letzte Mal sein wird.

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