Nahverkehr

Strecke mit Entwicklungspotenzial

Bahnhof Ost , an der Bahnhofstraße , Foto: Ulla Michels

Bahnhof Ost , an der Bahnhofstraße , Foto: Ulla Michels

Foto: WAZ

Gladbeck.  Yvonne Hanke hat in Dortmund an der Technischen Universität Raumplanung studiert. In ihrer Masterarbeit zum Abschluss des Studiums befasste sich mit den Möglichkeiten, mehr Fahrgäste für die Emschertalbahn zu gewinnen.

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Von Dorsten nach Dortmund in 76 Minuten: Wer mit der Regionalbahn (RB) 43 einmal quer von West nach Ost durchs Ruhrgebiet reisen will, muss sich in Geduld üben. Fahrgäste werden unterwegs mit landschaftlich reizvoller Umgebung belohnt für das, was ihnen der real existierende Personennahverkehr zum Beispiel der Bahnhof Ost abverlangt:

Der Gladbecker Haltepunkt ist aus der City nur über eine unattraktive Unterführung zu erreichen, die Züge sind wegen des großen Abstands zwischen Trittbrett und Bahnsteig für Reisende mit Gepäck, Kinderwagen, Fahrrädern oder Behinderungen schwer erreichbar.

In Buer-Süd sind die Wellblech-Wartehäuschen kaum einsehbar, eine Notruftaste fehlt. Der Halt Gelsenkirchen-Zoo ist nicht barrierefrei, ein Aufzug fehlt. Zusammen mit Gladbeck-Ost bilden die beiden Gelsenkirchener Haltepunkte den Kern einer wissenschaftlichen Untersuchung, die Yvonne Hanke zu einer Masterarbeit zusammengefasst hat. Auf über 100 Seiten beschreibt sie für die Fakultät Raumplanung der TU Dortmund Möglichkeiten der „Attraktivitätssteigerung im ÖPNV“ am Fallbeispiel der Emschertalbahn. Ihr Ergebnis, positiv betrachtet: „Die Strecke hat viel Entwicklungspotenzial.“

Während eines Praktikums beim Verkehrsverbund Rhein Ruhr fand sich im Frühjahr vergangenen Jahres das Thema für ihre Abschlussarbeit. Zwischen Juli und Oktober machte sie sich vor Ort und am Schreibtisch an die Arbeit. Sie erstellte eine Bestandsanalyse, fertigte eine Mängelliste an, beschrieb Maßnahmen, wie Strecke und Bahnhofsumfelder attraktiver gestaltet werden könnten, lotete Fördermöglichkeiten aus. Ihr Fazit wird Bahnkunden nicht überraschen: Es gibt noch viel zu tun - nicht nur an den drei exemplarischen Haltestellen. Ein Fahrplanaushang hier, ein Hinweisschild dort, eine wettergeschützte Wartemöglichkeit da: alles Empfehlungen, die vergleichsweise schnell umzusetzen sind.

Verbesserungen teils kostenintensiv

Schwieriger und kostenintensiv wird’s dort, wo in die Bausubstanz eingegriffen werden müsse. In Gladbeck-Ost, wo Reisende an der Innenstadt-abgewandten Seite aussteigen müssen. Am Zoo, wo ein Aufzug fehlt. In Beckhausen, wo Barrierefreiheit nicht gegeben ist. Eine Chance, dass sich links und rechts der Gleise langfristig etwas tun könnte, sieht Yvonne Hanke dennoch: „Die Emschertalbahn ist durch die Aufnahme in das so genannte Sauerlandnetz langfristig bis 2028 gesichert.“

Eine wichtige Grundlage also für Investitionen. Doch wer gibt dafür das notwendige Geld aus - die Anrainerstädte? Die Bahn AG als Eigentümerin der Bahnanlagen? Der Verkehrsverbund als Aufgabenträger? Das Land als Zuschussgeber? Yvonne Hanke: „Attraktivität von Angeboten im Nahverkehr muss immer aus Nutzersicht definiert werden.“ Wer in den Zug steigt, will möglichst schnell, sicher und bequem sein Zeil erreichen und sich keine Gedanken über Zuständigkeiten machen.

Masterarbeit und Studium sind abgeschlossen, bleibt also die Frage, wie es nach dem Erkenntnisgewinn weitergeht. „Es wäre schön, wenn man einen Anstoß geben könnte“, so Yvonne Hanke.

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