Ruhrtriennale

So wird in der Maschinenhalle für die Ruhrtriennale geprobt

Grace Ellen Barkey spielt die Mutter der Familie. Auch eine Videoebene gehört zu dem Stück und so ist sie zeitweise mit einer Kamera auf der Bühne unterwegs, hier mit Musiker und Schauspieler Jules Beckmann.

Grace Ellen Barkey spielt die Mutter der Familie. Auch eine Videoebene gehört zu dem Stück und so ist sie zeitweise mit einer Kamera auf der Bühne unterwegs, hier mit Musiker und Schauspieler Jules Beckmann.

Foto: Phile Deprez / Ruhrtriennale

Gladbeck.  Die Ruhrtriennale zeigt ab Donnerstag in der Maschinenhalle Zweckel das Stück „All the good“ des Theaterregisseurs Jan Lauwers. Ein Probenbesuch.

Durch die Fenster scheint die Sonne in die imposante Maschinenhalle, von der Decke strahlen zusätzlich Scheinwerfer auf den Teil der riesigen Halle, die in diesen Tagen als Bühne für die Needcompany – eine Theatergruppe aus Belgien – dient. Eine Bühne, auf der deutsch, französisch, englisch und auch hebräisch gesprochen wird. Denn das Stück, für das derzeit in Zweckel geprobt wird, ist mehrsprachig. Am Donnerstag feiert „All the good“ im Rahmen der Ruhrtriennale Premiere. Die WAZ war bei einer der Proben dabei.

Gerade stolpert Romy (Romy Louise Lauwers) auf die Bühne, in Zeitlupe steuert sie auf ihre Mutter zu, die beiden fallen sich in die Arme. 63 Tage war die Tochter auf Reisen, jetzt kehrt sie zur Familie zurück. Doch sie ist nicht allein. Sie bringt Elik Niv mit. Der war einst israelischer Elitesoldat, nach einem Unfall und langer Rehabilitation ist er nun Tänzer.

Die wahre Geschichte von Elik Niv wird erzählt

Das Besondere an dem Stück: Fiktion und Realität mischen sich. Elik Niv wird gespielt von Elik Niv. Seine Geschichte ist wahr. 2014 traf der einstige Soldat den Künstler Jan Lauwers. Die Begegnung beeindruckte den Künstler, er begann, viel über den Krieg nachzudenken. Kurz darauf kam es zu Terroranschlägen in Brüssel, seiner Heimatstadt. „Jan Lauwers setzte sich mit den Konflikten in der Welt auseinander, zu einer Zeit, in der er durch die Anschläge selbst vom Tod bedroht war. Er fragte sich, was die Kunst machen kann, was Kunst überhaupt noch darf“, so Dramaturgin Lucie Ortmann im Anschluss an den Probeneinblick.

„All the good“ wurde zu einer Geschichte mit biografischem Hintergrund. Und zwar in doppelter Hinsicht. Erzählt wird nicht nur Elik Nivs Geschichte, Lauwers erzählt auch von seinem Leben. Von dem seiner Frau und seinen Kindern, dem Leben einer Künstlerfamilie. Eine weitere Besonderheit: Jan Lauwers Frau und seine beiden Kinder gehören zur Needcompany, sie stehen alle gemeinsam in der Maschinenhalle auf der Bühne. So spielt Lauwers Frau Grace Ellen Barkey die Mutter der Familie, die beiden Kinder Sohn und Tochter.

Nur in Jan Lauwers Rolle schlüpft ein anderer Schauspieler. Jan Lauwers selbst kann nicht auch noch auf der Bühne stehen, denn: Er hat das Stück nicht nur geschrieben, er führt auch Regie, gestaltete das Bühnenbild in der Maschinenhalle Zweckel.

Zuschauer können nicht alles interpretieren

Nach der Szene greift der belgische Theaterregisseur auch gleich in die Probe ein. „Wenn ihr als Familie wieder zusammen trefft und euch begrüßt, steht ihr viel zu nah beieinander“, sagt er auf Englisch zu den Künstlern und rückt zwei von ihnen etwas abseits. Dann ordnet er an: Die Slow Motion-Szene wird noch einmal geprobt.

„Das Stück ist sehr vielschichtig“, erzählt Lucie Ortmann. „Es ist nicht nur politisch und ernst, sondern auch sehr sinnlich. Man kann sich in den vielen Schauplätzen auf der Bühne verlieren aber immer wieder den Faden aufnehmen.“ Und tatsächlich, zu sehen gibt es einiges. Etwa die große Konstruktion aus Vasen in der Mitte der Bühne, ab und an sich drehend und in der Wiedersehens-Szene einen Weihnachtsbaum darstellend, oder die Musiker auf der Bühne, die ihre Instrumente zeitweise in Tierkostümen spielen, plötzlich mit Hasenzähnen am Schlagzeug sitzen. „Man muss nicht alle Bilder bis in die Tiefe verstehen“, so Ortmann. Zuschauer dürften nicht mit dem Anspruch in „All the good“ gehen, alles interpretieren zu können. Manchmal passiert so viel gleichzeitig, dass man sich entscheiden muss, wohin man gerade schaut. „Das Stück überfordert einen im positiven Sinne.“

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