100(0) Jahre Gladbeck (1)

Schon in vorchristlicher Zeit leben Siedler an der Gladebeke

 Pfostenhäuser: So oder ähnlich sahen erste Behausungen in dieser Region in vorchristlicher Zeit aus.  

 Pfostenhäuser: So oder ähnlich sahen erste Behausungen in dieser Region in vorchristlicher Zeit aus.  

Foto: AWA

Gladbeck. .  Die Geschichte Gladbecks begann lange vor der Zeitrechnung. Die Ersterwähnung stammt bereits von 1019. Siedler lebten in einfachsten Behausungen.

Das Emschertal war in frühgeschichtlicher Zeit eine von sumpfigen Wiesen und Waldungen bedeckte Bruchlandzone. In den etwas „gehobeneren Lagen” fand man hingegen trockenere Böden vor, auf denen menschliche Ansiedlungen möglich waren. Die Fruchtbarkeit der Böden lockte Jäger und Sammler an und bewog sie, sesshaft zu werden – auch nördlich der Boye und westlich der Gladebeke.

Hier hatten sie das lebensnotwendige Bachwasser, waren aber vor Überschwemmungen vom Emscher und Lippe sicher. Urnenfunde in Ellinghorst (216 an der Zahl) belegen, dass schon in der Bronzezeit um etwa 1000 vor Christi Geburt Menschen in der Gegend gelebt haben, möglicherweise auch an den anderen Bächen des heutigen Gladbecks.

Germanische Brukterer gelten als die ersten Siedler in dieser Gegend, danach kamen die Römer. Brukterer besiedelten das Land in Form von Einzelhäusern: Pfostenhäuser, errichtet aus Pfosten, Trägern und Sparren. Die Dächer deckten sie mit Ried und Heide. Die Wände wurden mit Lehm verputzt.

Germanische Brukterer waren die ersten, dann kamen die Sachsen

Um 700 drangen heidnische Sachsen in das Emschergebiet, das eigentlich zum Frankenreich gehörte und nun Grenzregion zu den christianisierten Franken wurde, die sich westlich des Rheins und südlich der Ruhr behaupteten. Immer wieder kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen. 775, unter Karl dem Großen, gelang es den Franken, dass Territorium zurück zu erobern.

Gladbeck kann seinen Ursprung als Siedlung auf die fränkisch-karolingische Zeit zurückführen, als Karl hier einen Königs- und Reichshof mit einer Kapelle nahe der Gladebeke errichtet ließ. Dieser „Abdinghof“ lag etwa an der heutigen Allinghofstraße. Solche Reichshöfe dienten der Absicherung der Herrschaft, der König nutzte sie mit seinem Tross auch als Stützpunkt. Der Abdinghof lag am Vestischen Hellweg, einer frühen Ost-West-Wegeverbindung. Mit dem Königshof und der Kirche begann langsam die Entwicklung eines kleinen Ortes und die Christianisierung des Gebietes.

Schon die erste Kirche vor über 1000 Jahren trug den Namen Lambertus

Organisiert wurde sie von der nahe gelegenen Abtei Werden, die 799 gegründet wurde. Wann genau an der Gladebeke eine Kirche gegründet wurde, ist unklar. Historiker gehen aber davon aus, dass es Mitte des 9. Jahrhunderts gewesen sein könnte. Sie war schon früh dem Heiligen Lambertus gewidmet, dem Schutzpatronen der Händler. Schließlich lag die Kirche nahe der wichtigen Wegeverbindung.

Die Abtei Werden listet schon im späten 9./frühen 10. Jahrhundert ein „mansum in Gladbeki“ auf – die womöglich älteste Erwähnung des Ortsnamens Gladbecks. Allerdings fehlt eine genaue Datierung. Die findet sich in einem Dokument vom 3. Mai 1019: In der Gründungsurkunde des Benediktinerklosters Deutz durch Erzbischof Heribert von Köln findet man in der Auflistung der Besitztümer auch einen „curtim de Gladebach“ – einen Hof in Gladbeck. Heribert, an den der alte Reichshof zwischenzeitlich gegangen war, schenkte das Anwesen dem Kloster Deutz zur Gründung. Das Dokument ist Gladbecks erste urkundliche Erwähnung – exakt 1000 Jahre her!

Erzbischof Heribert schenkte dem Kloster Deutz 1019 Kirche und Hof in Gladbeck

Bei dem Schriftstück handelt es sich aber um eine Kopie oder Abschrift des ursprünglichen Originals. Diese Abschrift wurde 1160 angefertigt, da das Original bei einem Brand im Kloster Deutz 1128 vernichtet wurde. Der Dokumenten-Ersatz, möglicherweise aus der Erinnerung angefertigt (manche Historiker sprechen bei dieser Abschrift auch von einer eventuellen Fälschung), stimmt aber über weite Strecken mit späteren Urkunden der Kölner Erzbischöfe überein.

Der Inhalt der Urkunde gilt unter Historikern daher allgemein als zutreffend. Auch eine Urkunde von 1147 nennt explizit Gladbeck. Das Schriftstück ist ein päpstliches Schreiben vom 17. Juni 1147, in dem der damalige Papst Eugen III. dem Kloster Deutz Besitzungen bestätigt. Unter anderem „ecclesiam et curtim de Gladebeche“ – Kirche und Hof in Gladbeck. Der Papst bestätigt dem Kloster den Besitz, über den es zum Zeitpunkt der Gründung, also 1019, verfügte. Es ist also sicher, dass es 1019 schon eine Kirche in Gladbeck gab.

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