Bilderbuch-Viertel Bestenweg

Schöne neue Welt: der Bestenweg

Der Bestenweg in Rentfort.

Der Bestenweg in Rentfort.

Foto: WAZ Fotopool

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Gladbeck. Mit einem strahlendem Lächeln auf den Lippen radelt eine Frau auf einem blitzblanken Drahtesel vor­über und ruft ein „Guten Morgen!“. Kein Fitzelchen Papier – geschweige denn ein Zigarettenkippe – auf der Straße stört das Auge. Piccobello sind Rasen und Beete in den Gärten in Form. Fehlt nur noch, dass eine frisch ondulierte Dame – aufgemacht wie aus dem Ei gepellt – aus einem der schmucken Einfamilienhäuser tritt und mit einem „Der Kaffee ist fertig!“ zu Tisch bittet. Kulisse für einen Werbespot im Fernsehen? Mitnichten! Hier am Bestenweg haben Reinhard und Barbara Weber vor 15 Jahren ihr persönliches Bilderbuch-Zuhause gefunden. Sie gehören zu den ersten, die sich in dem Wohngebiet ansiedelten. „Die Allermeisten von uns sind 1998 hergezogen, zu mehr als 80 Prozent sind die Leute die gleichen geblieben“, berichtet der 61-Jährige. Es sei sonnenklar: „Wir wollen hier alt werden.“

Die Nähe zur Stadt, eine familienfreundliche Umgebung, Natur vor der Haustür – das lockte einst Paare mit Kindern. Nicht zu vergessen die Ruhe! „Naja, wenn nicht die Piepsäcke morgens loslegen“, sagt die 57-jährige Barbara Weber. Und ruft ihrem Mann ins Gedächtnis: „Weißt du noch, der Hahn, der nicht krähen konnte...?“

Entscheidend für den Wohlfühlfaktor in ihrem persönlichen Paradies, so die Eltern einer mittlerweile 17-jährigen Tochter, seien die Menschen ringsum. Menschen wie Peter Scharnowski. Auch der 55-Jährige wohnt samt Frau am Bestenweg, seitdem die ersten Häuser errichtet wurden, in der Häuserreihe gegenüber dem Domizil der Webers und der Gladbecker Bürgermeister-Familie Roland. Zwei Söhne – neun und elf Jahre – haben Scharnowskis.

Aus Nachbarn sind vielfach Freunde geworden. Nicht nur die Webers haben ihr Heim liebgewonnen: Man lässt mal eine spontane Party steigen, organisiert Feste, ist (auch in nicht so rosigen Zeiten) für einander da, teilt Hobbys.

Scharnowsky bekennt vor seiner Haustür Farbe: Dort flattert, wie auf anderen Grundstücken, die königsblaue Flagge des S04. Webers lehnen entspannt am Gartentörchen und schauen zu, aus irgendeinem Fenster schallt ein nachbarschaftlicher Kommentar. Jemand, der vielleicht Fan eines anderen Fußballvereins ist? „Wir sind tolerant“, sagt Scharnowski und grinst ein bisschen, „aber ‘ne BVB-Fahne ist doch schon mal geklaut worden.“

Die Sonne scheint wie bestellt auf die Siedlung, in der ein jeder vor seiner eigenen Türe kehrt, wie Ehepaar Weber erklärt. Da rücken keine Saubermänner von der Stadt aus. „Das Fegen hat auch einen kommunikativen Aspekt“, hat Peter Scharnowski beobachtet. Und das Schwätzchen am Gartenzaun oder auf der Spielstraße ist immer ‘drin in diesem Bilderbuch-Viertel.

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