Traditionsschule

Ratsgymnasium fährt ab Sommer die Inklusion zurück

Das Ratsgymnasium an der Mittelstraße verabschiedet sich vom kommenden Schuljahr an weitgehend vom bisherigen Inklusionsunterricht. Foto:Blossey

Das Ratsgymnasium an der Mittelstraße verabschiedet sich vom kommenden Schuljahr an weitgehend vom bisherigen Inklusionsunterricht. Foto:Blossey

Gladbeck.  Die Schule wird ab nächsten Schuljahr 2019/20 keine Schüler mehr mit dem Förderbedarf Lernen annehmen. Schuldezernent bedauert die Entscheidung

Das Ratsgymnasium verabschiedet sich vom kommenden Schuljahr an weitgehend von der Inklusion: Ab dem Schuljahr 2019/20 wird das Gymnasium an der Mittelstraße keine Schüler mehr mit dem Förderschwerpunkt „Lernen“ aufnehmen. Einen entsprechenden Beschluss hat die Schulkonferenz bereits gefasst. 2013 war die Inklusion an der Mittelstraße eingeführt worden.

Das Ratsgymnasium folgt, so Schulleiter Hans-Christoph Pocha, mit seiner Entscheidung einem entsprechenden neuen Erlass der Landesregierung, nach dem Inklusionsschüler „in der Regel“ nur noch dann Gymnasien besuchen sollen, wenn sie auch die Eignung „Gymnasium“ mitbringen (behördlich: nur noch „zielgleicher“ Unterricht mit Blick aufs Abitur als Abschluss).

Auch Erleichterung ist am Ratsgymnasium spürbar

Zwar könnten Gymnasien auch den bisherigen Inklusionsunterricht weiterfahren mit gemischten Gruppen (also auch mit lernschwachen Kindern mit anderem Schulziel als Abitur), müssten dann aber aus Gründen der Bündelung in etwa doppelt so viele Inklusionsschüler mit Förderbedarf aufnehmen, würden dann aber auch entsprechend ausgestattet werden. Pocha: „Das würde aber bedeuten, dass wir von drei Eingangsklassen zwei Inklusionsklassen bilden müssten – das können wir aber als kleines Gymnasium nicht stemmen.“ Nur drei von bislang 20 Inklusions-Gymnasien im Regierungsbezirk Münster würden dies künftig tun, erläutert Pocha.

Der Schulleiter betont, dass die vorhandenen Inklusionsklassen Bestand hätten und das Rats auch zukünftig „Ort des gemeinsamen Lernens“ bleibe. Künftig würden allerdings nur noch Kinder mit den Förderschwerpunkten „Hören/Kommunikation“ oder „Sprache“ oder mit körperlichen Behinderungen den Weg in die Schule an der Mittelstraße finden. Pocha: „Wir stoßen die Inklusion nicht einfach von uns ab, sondern trennen uns von dem Förderschwerpunkt Lernen, auch mit Wehmut.“ Aber, fügt Pocha durchaus hinzu: „Wir spüren auch Erleichterung“, weil dieser Kern der Inklusion viel Kraft, Engagement und Geduld koste. „Es ist auch Belastung.“

Schuldezernent Weichelt bedauert die Entscheidung

Schuldezernent Rainer Weichelt bedauert die Entscheidung des Ratsgymnasiums „sehr“, wie er gegenüber der WAZ sagte. „Wir hatten das Gefühl, es lief gut.“ Die Schulgemeinde habe in den vergangenen vier Jahren „sehr erfolgreich“ an der Inklusion gearbeitet. Die Entscheidung sei ein Rückschlag für die städtische Schulpolitik, so Weichelt, werde aber respektiert. „Auch wenn die Befreiung einer Schulform von der Inklusion zu einer stärkeren Belastung anderer Schulen führt.“ Die betroffenen Kinder müssten stadtweit auf andere weiterführende Schulen mit Inklusion verteilt werden (Gesamtschule, Anne-Frank-Realschule und Erich-Fried-Hauptschule). Langfristig müssten, so der Dezernent, weitere Schulen für die Inklusion gewonnen werden. In der nächsten Sitzung des Schulausschusses am 4. Februar soll über das Thema beraten werden.

Trotz des getroffenen Votums – Rats-Chef Pocha zieht eine positive Bilanz und spricht von einer erfolgreichen Förderung der Inklusionskinder, von denen die ersten, die das Rats letzten Sommer verließen, gut am Berufskolleg Fuß gefasst hätten.

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