Floatglas

NSG-Pilkington hat 30 Millionen Euro in Gladbeck investiert

Werksleiter Reinhard Regulski nahm die modernisierte Flachglaslinie Zwei in Gladbeck wieder mit Unterstützung von Projektmanager Dave Platt und Leiter Glaserzeugung Thomas Pioch (v.l.) in Betrieb.

Werksleiter Reinhard Regulski nahm die modernisierte Flachglaslinie Zwei in Gladbeck wieder mit Unterstützung von Projektmanager Dave Platt und Leiter Glaserzeugung Thomas Pioch (v.l.) in Betrieb.

Foto: Lutz von Staegmann / Funke Foto Services

Gladbeck.  Die Flachglaslinie wurde komplett erneuert, die Technik verbessert. Die Investition ist eine Bekenntnis zum Standort Gladbeck, sichert 530 Jobs.

Der kurze Druck von Werksleiter Reinhard Regulski auf den roten Knopf war eher unspektakulär im Vergleich zu der Investitionssumme, die damit quasi in Betrieb genommen wurde. Rund 30 Millionen Euro hat Glasspezialist NSG-Pilkington für die Modernisierung der Flachglaslinie Zwei im Werk Rentfort ausgegeben, die mit dem Knopfdruck am Mittwochvormittag angefahren wurde. Die Investition sei auch „ein Symbol, dass wir am Standort festhalten und vom Erfolg in Gladbeck überzeugt sind“, so Dr. Christian Quenett, Vorstand der Pilkington Deutschland AG.

Ende April war die Produktionslinie Zwei für die geplante Kaltreparatur außer Betrieb genommen worden, die vorrangig für die Automobilbranche Flachglas herstellt. Für eine Totalüberholung der rund um die Uhr laufenden Anlage, wie sie etwa alle 15 Jahre erfolgen muss. Denn bei einer Betriebstemperatur von gut 1500 Grad wird in einer gigantischen Wanne mit einem Fassungsvermögen von 1800 Tonnen die Glasschmelze hergestellt, die sich weiter über ein riesiges zinngefülltes Becken zu einem Glasband ausbreitet, dessen Dicke bestimmt werden kann. Das Ergebnis ist Flachglas (Floatglas) in Stärken von 1,5 bis zwölf Millimeter, das zugeschnitten und weiter veredelt (beschichtet) wird, um dann europaweit in der Automobil- und Baubranche (Fenstergläser) verwendet zu werden. Bauglas wird vorrangig in der Gladbecker Schwesteranlage hergestellt, der Flachglaslinie Eins, die weiter in Betrieb war.

Investition in heutiger Zeit keine Selbstverständlichkeit

Es sei wichtig für die Mitarbeiter, „dass wir die Investition bekommen haben, denn das ist in heutiger Zeit keine Selbstverständlichkeit mehr“, unterstrich Regulski bei der kleinen Feierstunde. Damit verwies der Werksleiter auf die Talsohle, die die europäische Glasindustrie vor einigen Jahren aufgrund stärker gewordener Konkurrenz im Weltmarkt mit Überproduktion, Preisverfall und auch Standortschließungen hatte durchschreiten müssen.

Auch die anhaltende Baukonjunktur sorgte indes jüngst für positive Zahlen. Laut dem Bundesverband Glasindustrie e. V. konnten die Flachglashersteller 2018 nach einem starken ersten Halbjahr das Ergebnis halten und das Gesamtjahr mit einem Zuwachs von fünf Prozent abschließen, bei einem Umsatz von 1,06 Milliarden Euro (2017 eine Milliarden). Deutschland-Vorstand Quenett warnte aber in Gladbeck vor zu viel Optimismus. Denn die Automobilbranche sei derzeit von einer Krise gekennzeichnet. Aus diesem Grund sei es wichtig, flexibel produzieren zu können und sich verstärkt um neue Produkte am Markt zu kümmern, „da wir mit dem Automobilgeschäft allein die Produktion nicht mehr auslasten können“.

Beschichtungsanlage seit 2014 im Werk Gladbeck in Betrieb

Quenett verwies auf beschichtetes Flachglas für den Bausektor, das seit Aufbau der Beschichtungsanlage 2014 direkt vor Ort in Gladbeck hergestellt werden kann. Beschichtete Produkte sind beispielsweise Wärmedämmgläser, Sonnenschutzgläser, Fassadenplatten, Spiegel und Antireflexgläser. Die Wärmedämm- und Sonnenschutzgläser tragen erheblich zur Energie- und CO2-Einsparung bei und leisten damit einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz. Zudem lukrativ seien qualitativ hochwertige und entsprechend „teure Gläser für die Automobilbranche unter 1,6 mm Stärke“.

Letzteres kann mit der modernisierten Floatline garantiert werden, da hier auch ein neuer Scanner mit

verbesserter Auflösung zur Fehlerdetektion eingebaut wurde, wodurch die Qualitätssicherung für die Automobilglasindustrie optimiert werden kann. Garantiert glasklare Durchsicht sei für die Automobilindustrie von noch höherer Priorität, „seitdem etwa optische Überwachungs-Systeme im Bereich der Windschutzscheibe verbaut werden“, so Birgit Kernebeck von der Unternehmenskommunikation.

Bürgermeister sieht ein positives Signal für die heimische Wirtschaft

Dr. Christian Quenett zeigte sich zuversichtlich, „dass der Produktionsstandort Gladbeck den hervorragenden Ruf als Automobilzulieferer halten kann“. Und Reinhard Regulski ergänzte, es ei klar, „dass das Unternehmen nur da investiert, wo es wirtschaftlich arbeitet und Gewinne erzielen kann“. Bürgermeister Ulrich Roland erinnerte daran, „dass seit 45 Jahren am Standort Glas produziert wird – und wir freuen uns, dass es weitergeht“. 30 Millionen Euro seien in die Hand genommen worden, „um Zukunft zu gestalten, auch für die 530 Beschäftigten“. Und er freute sich abschließend: „Die Investition ist ein klares Bekenntnis zur Stadt und ein positives Signal für die heimische Wirtschaft.“

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