Notruf

Notruf der Feuerwehr: Bagatellen belasten die Einsatzkräfte

Die Disponenten in der Leitstelle des Kreises Recklinghausen müssen einen echten Notfall erkennen können. Immer wieder erreichen sie jedoch Anfragen, für die sie gar nicht Ansprechpartner sind.

Die Disponenten in der Leitstelle des Kreises Recklinghausen müssen einen echten Notfall erkennen können. Immer wieder erreichen sie jedoch Anfragen, für die sie gar nicht Ansprechpartner sind.

Foto: Kreis Recklinghausen

Gladbeck.  Bei der Kreisleitstelle der Feuerwehr gehen täglich 500 bis 600 Anrufe ein, auch aus Gladbeck. Doch nicht alle Anrufer melden echte Notfälle.

Die Kreisleitstelle der Feuerwehr erreichen viele Anrufe, obwohl sie dort gar nicht hingehören. „Der Notruf ist rund um die Uhr besetzt, für manche ist anscheinend aber nicht eindeutig, was für eine Art der Hilfe wir anbieten“, sagt Sven Wehrhagen, Leiter der Kreisleitstelle. Täglich wenden sich Menschen auch mit Alltagssorgen an die Disponenten, die in dieser Zeit für wirkliche Notfälle blockiert werden. „Von insgesamt etwa 500 bis 600 Anrufen pro Tag sind rund 100 dabei, die für uns nicht mit einem Einsatz verbunden sind“, so Wehrhagen.

Das sind Anliegen, für die die Einsatzkräfte nicht oder nur bedingt zuständig sind. Dazu zählen Fragen nach geöffneten Apotheken oder der Nummer eines Bereitschaftsdienstes. „Die vernünftigen Anliegen, die uns erreichen, versuchen wir an die richtigen Stellen zu verweisen.“ Das können aber auch Anrufer sein, die in den Urlaub fahren wollen und entdecken, dass der Reisepass abgelaufen ist. „Das sind Serviceleistungen, dafür ist der Notruf nicht gedacht“, stellt Wehrhagen klar.

Die Kreisleitstelle gibt die nötigen Einsätze direkt an die Wehr in den einzelnen Städten weiter, die Kräfte in Gladbeck erreichen täglich rund 20 bis 30. Nach Schätzungen der Feuerwehr Gladbeck sind zehn Prozent der Einsätze jedoch solche, die nicht gerechtfertigt sind. „Dazu zählen etwa diejenigen Menschen, die einen verrenkten Nacken haben und hoffen, lange Wartezeiten zu umgehen, wenn der Rettungsdienst sie ins Krankenhaus bringt“, so Stadtsprecherin Christiane Schmidt. Diese Zahl der Fälle habe zugenommen. „Ein Hintergrund könnte sein, dass die Wartezeiten in Ambulanzen länger werden und auch weniger niedergelassene Ärzte Hausbesuche machen“, so Schmidt.

Oft rufen Menschen an, die ihren PIN-Code am Handy falsch eingegeben haben

Häufig komme es vor, dass Menschen bei der Kreisleitstelle anrufen, die ihren PIN-Code am Handy drei Mal verkehrt eingegeben haben und daher ihr Handy nicht mehr entsperren können. Wehrhagen: „Bei gesperrter PIN funktioniert schließlich nur noch der Notruf.“ Aber auch da helfen die Disponenten und erklären, auf welche Weise die Anrufer ihr Handy doch noch entsperren können. „All das ist aber kein Missbrauch des Notrufs“, stellt der Leiter der Kreisleitstelle klar.

Anders sieht es bei böswilligem Fehlalarm aus. Immer wieder komme es vor, dass die Feuerwehr zu vermeintlichen Einsätzen alarmiert wird, vor Ort aber keine Notsituation vorfindet. Vor einigen Tagen hatte es in Gladbeck angeblich einen Wohnungsbrand gegeben. Die ausgerückten Kräfte mussten jedoch feststellen, dass sie absichtlich falsch alarmiert wurden.

Die Disponenten müssen genau abwägen können

„Die Mitarbeiter der Leitstelle bekommen mit den Jahren ein Gespür dafür ob eine Alarmierung echt oder falsch ist“, so Wehrhagen. Kräfte rausgeschickt werden trotzdem: „Lieber einmal mehr als einmal zu wenig.“

Ob ein Fehlalarm oder eine Bagatelle Auslöser eines Anrufs ist, die Disponenten in der Kreisleitstelle sind für die Zeit des Anrufs gebunden. „Wir müssen versuchen, dass der Notruf nicht blockiert ist.“ Je nach Tageszeit sind acht Mitarbeiter im Einsatz. Sie müssen genau abwägen und zwischen einem echten Notfall und einem Fall für den ärztlichen Bereitschaftsdienst unterscheiden können. „Die Disponenten sind alle auch rettungsdienstlich ausgebildet, sie haben also medizinisches Wissen und wissen genau, welche Fragen sie stellen müssen, um einen echten Notfall zu erkennen.“ Im Ernstfall leisten sie schon mal per Telefon Reanimationshilfe bis der Rettungsdienst eintrifft. „Solche Einsätze sind natürlich sehr belastend“, sagt Sven Wehrhagen. Konzentriert müssen die Mitarbeiter bei der Sache sein. Denn: „Bei den Anrufen geht es um etwas.“

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