Staatsschutz-Ermittlungen

Nazi-Schmiererei an Gladbecker Moschee – Video zeigt Täter

Entsetzt betrachten der Vorsitzende des Gladbecker Ditib-Moscheevereins, Nadir Kahraman (li), und sein Stellvertreter Muzaffer Subasi die farbigen Schmierereien im Bereich des Nebeneinganges der Moschee am Bramsfeld.

Entsetzt betrachten der Vorsitzende des Gladbecker Ditib-Moscheevereins, Nadir Kahraman (li), und sein Stellvertreter Muzaffer Subasi die farbigen Schmierereien im Bereich des Nebeneinganges der Moschee am Bramsfeld.

Foto: Marcus Esser

Gladbeck.   Auch zwei Privathäuser von Mitgliedern des Moscheevereins wurden besprüht. Staatsschutz wertet jetzt das Video aus der Überwachungskamera aus.

Die Moschee an der Wielandstraße ist in der Nacht zum Montag mit rechtsradikalen Symbolen und fremdenfeindlichen Sprüchen beschmiert worden. „Not Welcome“ - „Nicht Wilkommen“ ist etwa am Nebeneingang zu lesen, auf der Eingangstür prangt ein Hakenkreuz.

Der Vorstand des Moscheevereines ist entsetzt und hat Strafanzeige gestellt. Auch der Staatsschutz ermittelt und wertet ein Video aus, das die Überwachungskamera aufgezeichnet hat.

Ein Mitglied des Moscheevereins bemerkte die Schmiererei gegen vier Uhr in der Früh

„Darauf ist der Täter mit Taschenlampe zu sehen, wie er um 3.08 Uhr die Tür mit Farbspray beschmiert“, erklärt der stellvertretende Vorsitzende des Moscheevereines Muzaffer Subasi.

Beim Vorsitzenden Nadir Kahraman klingelte derweil nahezu pausenlos das Handy. Viele der 550 Gemeindemitglieder riefen an, um nachzufragen und ihr Entsetzen sowie ihre Solidarität auszudrücken. Per Telefon habe ihn gegen vier Uhr in der Früh auch die erste Information zur Tat erreicht, erzählt Kahraman, „von einem Gemeindemitglied auf dem Weg zur Arbeit, das sein Fahrzeug gegenüber der Moschee geparkt hatte“.

Die offene Form der Ablehnung sei neu

Diese mit Farbschmierereien am Gotteshaus offene und beleidigende Form der Ablehnung habe es so in Gladbeck seit Bestehen der Moscheegemeinde noch nicht gegeben, so der Vorsitzende. Deutliche Anfeindungen hätten ihn allerdings vor zwei Jahren in Form von anonymen Briefen erreicht, nachdem der Muezzin-Ruf über Lautsprecher an der Moschee eingeführt worden sei. Mit migrantenfeindlichen Botschaften wie „haut ab, das ist unser Land“, oder in Form eines Paketes, in dem abgeschnittene Schweinefüße lagen.

Über den jetzigen Vorfall habe er auch die Generalkonsulin der Türkei in Münster, Pinar Gülün Kayseri, informiert, so Kahraman. Kayseri war erst Anfang September zu Gast in Gladbeck, um die Erneuerung der Städtepartnerschaft zwischen Gladbeck und Alanya mitzufeiern.

Der oder die Täter könnten Ortskentnisse besitzen

Ein Zusammenhang der Tat mit dem Disput um die Einweihung der neuen Ditib-Zentralmoschee in Köln und dem Besuch von Staatspräsident Erdogan sei möglich, so Muzaffer Subasi. Ein Beleg, dass der oder die Täter Ortskenntnisse haben könnten, sei,„dass auch zwei Häuser von Gemeindemitgliedern an der Wielandstraße mit Parolen und Symbolen beschmiert wurden“.

Man habe mit anderen Moscheen in der Region telefoniert, dort sei nichts vorgefallen. „Daher handelt es sich wohl um keine überörtlich koordinierte Aktion.“ Dem widerspricht Franz Kruse von den Linken, der von kreisweiten Aktivitäten Rechtsradikaler spricht. Ihm lägen Infos vor, „dass es Schmierereien mit gleichen Farben wie an der Moschee auch in Castrop-Rauxel gegeben hat“.

Bürgermeister Roland zeigt sich tief betroffen

Die Stadtspitze um Bürgermeister Roland zeigt sich von der Tat zutiefst betroffen: „Die Situation bedauere ich sehr. Sie schadet uns allen“, schreibt Roland an Nadir Kahraman „Die Täter wollen offensichtlich einen Keil zwischen Gladbeckerinnen und Gladbecker unterschiedlicher Herkunft treiben. Unabhängig von tagespolitischen Ereignissen ist dieses Verhalten völlig unakzeptabel. So empörend, verletzend und verantwortungslos diese Vorkommnisse auch sind, dürfen wir jedoch nicht vergessen, dass es die Taten einzelner verblendeter Menschen sind.“

Es gelte, das gute Miteinander nicht von Einzelnen zerstören zu lassen, zusammen zu stehen und unmissverständlich zu verdeutlichen: „In Gladbeck gibt es keinen Platz für Rassismus und Ausgrenzung, Gladbeck ist und bleibt eine Stadt des toleranten Miteinanders!“

Schmiererei auch an der Stele am Wittringer Ehrenmal

Eine weitere Farbschmiererei wurde am Wochenende auf der Stahlstele vor dem Ehrenmal im Wittringer Wald entdeckt. Eine Bürgerin, die im Park spazierengegangen war, hatte am Samstagmittag die Stadt darüber informiert.

Auf der Stele, die zum Gedenken der Millionen Opfer von Krieg und Faschismus errichtet worden ist, waren Sprüche mit grünem Filzstift hingeschmiert worden, die das Ausmaß der nationalsozialistischen Verbrechen leugnen: „Es waren keine sechs Millionen. Ihr glaubt auch alles!“ und „Wer gedenkt an die deutschen Frauen und Kinder, die zu Millionen vergewaltigt und getötet wurden?“, schrieb der Täter.

„Wir haben Strafanzeige gegen unbekannt gestellt“, so David Henning vom Presseamt der Stadt. Zudem habe die Feuerwehr die Schmierereien zügig entfernt, um dem Täter kein weiteres Forum zu bieten.

Mehrere Hakenkreuz-Schmierereien sind in jüngster Vergangenheit im Stadtgebiet verbreitet worden, zum Beispiel an der Brücke über die B 224 in Höhe des Freibades, an Laternen im Wittringer Wald und im Nordpark. Die Stadt hatte auch hierzu Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt.

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