Sozialausschuss

Zuwanderung: Seniorenheime setzen auf kultursensible Pflege

An der Wand hängen Bilder türkischer Alt-Stars: Türkeistämmige Seniorinnen werden auch im Gladbecker „Haus Mevlana“ betreut.

An der Wand hängen Bilder türkischer Alt-Stars: Türkeistämmige Seniorinnen werden auch im Gladbecker „Haus Mevlana“ betreut.

Foto: Heinrich Jung / FUNKE Foto Services

Gladbeck.  Immer mehr pflegebedürftige Senioren in Gladbeck haben einen Migrationshintergrund. Altenheime stellen sich auf kulturelle Besonderheiten ein.

Mit dem Thema „kultursensible Pflege“ beschäftigte sich jetzt der Ausschuss für Soziales, Senioren und Gesundheit. Hintergrund ist die Tatsache, dass auch die Gastarbeitergeneration, die in den 1960er und 1970er Jahren nach Gladbeck kam, ein pflegebedürftiges Alter erreicht hat. Die Vertreter türkeistämmiger Migranten der Liste ABI hatten im Integrationsrat Ende vergangenen Jahres beantragt, dass sich der Sozialausschuss mit dem Thema befassen und Fachleute als Referenten laden solle.

Irritieren mochte, dass deren Vertreterin im Sozialausschuss, Fatma Cun, unentschuldigt fehlte. Ebensowenig waren weitere Unterzeichner des Abi-Antrages als interessierte Zuhörer in der öffentlichen Sitzung anwesend – was auch die Ausschussvorsitzende Müzeyyen Dreessen ausdrücklich kritisierte.

Zunächst referierte Bengi Azcan über ihre Erfahrungen. Die Sozialarbeiterin gehörte zum Gründerteam des Seniorenheimes „Haus am Sandberg“ in Duisburg, das als deutschlandweit erstes multikulturelles DRK-Seniorenzentrum als Pilotprojekt mit wissenschaftlicher Begleitung im Mai 1997 eröffnete.

Traditionell erzogene Generation

Gerade für die meist noch sehr traditionell erzogene Gastarbeitergeneration spiele die Religion eine wichtige Rolle, ebenso die identitätsstiftende Kultur und Küche ihres Mutterlandes. Zudem beherrschten viele die deutsche Sprache nicht gut. Um zu einem angenehmeren Lebensabend auch dieser Klientel beizutragen, müsse das Personal entsprechend sensibilisiert und geschult sein, um etwa die religiösen Bedürfnisse und Ernährungsgebote berücksichtigen zu können. Auch bilinguales Personal werde so in allen Bereichen (Pflege, Verwaltung, Haustechnik) beschäftigt. „Zudem unterstützen ehrenamtliche Mitarbeiter der Ditib-Moscheegemeinde das Personal“, so die Fachfrau.

Obwohl ein Drittel der Bewohner eine Zuwanderungsgeschichte habe und auch ein kachelverzierter muslimischer Gebetsraum eingerichtet wurde, solle das Haus „kein Sonderangebot“ nur für diese Klientel sein. Auch deutschstämmige Bewohner, die als Vertriebene oder Flüchtlinge zum Ende des Zweiten Weltkrieges ihre Heimat im Osten verlassen mussten und interkulturell geprägt seien, würden ja im Haus betreut. Dieses sei in den vergangenen 22 Jahren zudem Heimat für Menschen aus dem Kongo, Syrien, Russland, Spanien, Marokko, Italien, Polen, Mazedonien oder Kroatien gewesen.

Multikulturelle Seniorenheime sind akzeptiert

Das multikulturelle Seniorenheim sei mittlerweile akzeptiert, die anfänglichen Vorurteile der Anwohner, „die das Türkenhaus nicht wollten“, gebe es nicht mehr. Azcan abschließend: „Unsere Warteliste für einen Heimplatz ist lang.“

Ausschussmitglied Norbert Dyhringer (SPD), zugleich Mitarbeiter der Arbeiterwohlfahrt, die das Elisabeth-Brune-Seniorenzentrum in Rentfort betreibt, ergänzte, dass sich mittlerweile alle Altenheimträger auf die kultursensible Pflege eingestellt hätten: „Ich stelle mal die These auf, dass ein multikulturelles Haus heute Standard ist.“ Dies bedeute gleichwohl nicht nur bei getrennten Küchen, auch bezogen auf die Personalgewinnung, „eine Herausforderung für die Träger“.

Dies sieht Ausschussmitglied Rainer Knubben (Vertreter Wohlfahrtsverbände) ebenso. „Die Nachfrage von Menschen mit Migrationshintergrund wird größer und wir kämpfen darum, ausreichend examiniertes Personal zu bekommen“, so der Vorsitzende des Caritasverbandes.

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