Forumskonzert

In der Stadthalle Gladbeck erklang hochkarätiger Jazz

Johannes Hörnschemeyer (Saxofon), Torben Mahns (Violine), Cornelius Rauch (Klavier), Maik Nürnberger (Bass) und Jan Erichson (Schlagzeug) spielten als Jazz-Quintett Destinesia beim Forumskonzert „Ostsee trifft Indien – Klangreisen des Jazz’“ in der Mathias-Jakobs-Stadthalle in Gladbeck. Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Services

Johannes Hörnschemeyer (Saxofon), Torben Mahns (Violine), Cornelius Rauch (Klavier), Maik Nürnberger (Bass) und Jan Erichson (Schlagzeug) spielten als Jazz-Quintett Destinesia beim Forumskonzert „Ostsee trifft Indien – Klangreisen des Jazz’“ in der Mathias-Jakobs-Stadthalle in Gladbeck. Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Services

Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Services

Gladbeck.  Das Quintett „Destinesia“ spielte in der Gladbecker Reihe „Forumskonzerte“. Das Publikum in der Stadthalle war von der Jazz-Musik begeistert.

„Destinesia, Destinesia, Destinesia“ - genüsslich ließ sich Heinrich Menning, der künstlerische Leiter des „Forums Deutscher Musikhochschulen“, am Dienstag in der Mathias-Jakobs-Stadthalle den geheimnisvollen Namen der Künstler des Abends mehrfach auf der Zunge zergehen. „Zum Abschluss der diesjährigen Reihe wollen wir besonders über den Tellerrand schauen.“ Aus den Vorschlägen der Hochschule für Musik und Theater Rostock hatte Menning ein waschechtes Jazz-Quintett ausgesucht. Johannes Hörnschemeyer (Saxophon), Torben Mahns (Violine), Cornelius Rauch (Klavier), Maik Nürnberger (Bass) und Jan Erichson (Schlagzeug) sind aufsteigende Sterne am Himmel des modernen europäischen Jazz’. Sie waren sichtlich begeistert, ihre Musik dem „Klassik-Publikum“ nahe zu bringen.

Es dauerte zwei, drei Stücke, bis sich das Ensemble, die rund 150 Zuhörer und vor allem die Tontechniker in den Sound gefunden hatten, danach aber war es einfach nur fantastisch, phänomenal und begeisternd. Die fünf Studenten sind seit knapp drei Jahren gemeinsam auf dem Weg, Klangwelten, ungerade Rhythmen und freie Improvisationen zu erobern.

„Zugfahrten inspirieren mich besonders“

„Zugfahrten inspirieren mich besonders“, so Rauch. Seine Kompositionen „Ringbahn“, „New Delhi Railway Station“ oder „Himmel über Marxloh“ sind in der Tat geprägt von Wechselspielen, vorbeirauschenden Bildern, abrupten Stopps. Das Perpetuum gleicher Töne als Ausgangsbasis für stilistisch unterschiedliche Veränderungen ist eine Konstante.

Seiten eines Lebens werden zu Rhythmen

In „Alpha & Omega“ von Hörnschemeyer bohrt sich die Saxophontonfolge mit Vehemenz ins Ohr, bevor Mahns seine Violine in schmerzvollen Wellen darüberlegen kann. Anfang und Ende, Geburt und Tod sind intensive körperliche Erfahrungen. Lebensbrüche bahnen sich mit metallenem Klang von Trommelrand und Becken ihre Bahn.

„Destinesia“ kann aber auch sehr gut grooven. Mit dem bassbetonten Rock-Song „Cloud Connected“ hat Nürnberger seine Jugend im innovativen Jazz-Gewand bearbeitet, er verzerrt ordentlich die Saiten seines Elektrobasses, Rauch „spielt“ die Saiten des offenen Flügels direkt, ohne Tasten, einfach mal hineingelangt in den Klangraum. „Maik hat einige seiner Prüfungsarbeiten mitgebracht“, erklärte Rauch.

Ein Highlight aus der Zweiten Hälfte sicherlich „Calvino“, Nürnbergers Interpretation einer der „unsichtbaren Städte“ des italienischen Schriftstellers, bekannt für seine allegorisch-fantastische Literatur. Hier können die fünf Musiker mit allem aufwarten, was der Jazz an Spielwiese bietet. Raum für eigene Ideen, die aus dem Dialog mit den anderen entstehen, Individualität, die aus der Gemeinschaft und dem gegenseitigen Respekt erwächst. „Wir waren erst skeptisch, ob das mit der großen Bühne und der großen Halle funktioniert, sind jetzt aber ganz begeistert“, sagte Rauch.

Heinrich Menning gab zu, etwas Angst vor der eigenen Courage gehabt zu haben. „Ich wusste wirklich nicht, ob das bei unserem Publikum ankommt.“ Ist es! Musikliebhaber erkennen gute Musik, egal, in welchem Gewand sie sich präsentiert.

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