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Gymnasiasten in Gladbeck gehen zur „Europawahl auf Probe“

Anstehen für die Wahl: Schülerinnen und Schüler der 7. bis 11. Jahrgangsstufe gaben im Riesener-Gymnasium ihre Stimme für die Juniorwahl ab.

Anstehen für die Wahl: Schülerinnen und Schüler der 7. bis 11. Jahrgangsstufe gaben im Riesener-Gymnasium ihre Stimme für die Juniorwahl ab.

Foto: Oliver Mengedoht

Gladbeck.  Das Riesener-Gymnasium beteiligt sich als Europaschule an der Juniorwahl. Das Projekt bereitet minderjährige Schüler auf die realen Wahlen vor.

Ein aufmerksamer Wahlvorstand mit langen Wählerlisten, mausgraue Wahlkabinen zum geheimen Ankreuzen des Stimmzettels und eine gut sichtbare mitten im Raum platzierte Wahlurne für die Stimmabgabe – ein ganz normales Wahllokal also im Riesener-Gymnasium. Ja und Nein, denn der Gang zur Wahlurne an der einzigen Europaschule der Stadt war jetzt ein ganz besonderer. Die Oberschule beteiligt sich an der Juniorwahl zur Europawahl quasi auf Probe. „Damit haben unsere minderjährigen Schülerinnen und Schüler Gelegenheit, in bekannter Umgebung den Wahlablauf realistisch kennenzulernen“, erklärt Pädagogin Anika Arkenau, die das Projekt koordiniert.

Für viele Kinder und Jugendliche sei die Europapolitik noch relativ weit weg „und wir wollten mit der Beteiligung an der Juniorwahl erreichen, dass sich unsere Schüler mit den Aufgaben des Europäischen Parlamentes und den zur Wahl stehenden Parteien auseinandersetzen“, so die Sowi- und Politiklehrerin. Dem Kollegium der Europaschule sei es wichtig, „die Demokratie zu stärken und frühzeitig Grundlagen für die demokratische politische Partizipation zu legen und so auch das Interesse an einer Wahlbeteiligung zu steigern“.

Mehr Politik-Interesse durch die Juniorwahl

Dass das mit den seit 1999 zu Europa-, Bundestags- und Landtagswahlen durchgeführten Juniorwahlen funktioniert, der Nichtwähleranteil in der Altersklasse von 22 auf unter sieben Prozent gesenkt werden konnte, belegen wissenschaftliche Untersuchungen deutscher Universitäten. Deren Ergebnisse können über die Projekthomepage (juniorwahl.de) abgerufen werden.

Apropos Untersuchungen. An der Juniorwahl beteiligen sich 473 Jungen und Mädchen der Jahrgangsstufen sieben bis 11 (Q1) des Riesener-Gymnasiums. Wissen die Schüler so jetzt auch mehr über die zur Europawahl antretenden Parteien – darunter Exoten wie Volt Deutschland, die Europäische Partei Liebe oder Die Violetten? „Wir haben im Unterricht über die wichtigsten Ziele der großen Parteien wie CDU, SPD, Grüne oder AfD gesprochen“, berichtet Lara (12), die mit der 7B zum Wahllokal gekommen ist. Für mehr sei ja im eng gesteckten Lehrplan auch keine Zeit, so Anika Arkenau.

EU-Politik betrifft unsere Zukunft

Schülersprecherin Laura Igelbüscher meint, dass die Juniorwahl gut bei

den Gymnasiasten ankommt. Der Klimawandel, die Umweltverschmutzung der Meere und die Proteste der Fridays for Future-Bewegung sorgten ja dafür, dass sich viele Schüler mit ihren Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen, beschäftigten. „Umso wichtiger ist es, dass viele junge Menschen zur EU-Wahl gehen, weil viele Entscheidungen des Parlamentes ja unsere Zukunft stark betreffen“, so die 16-Jährige.

Wichtig sei auch, unterstreicht Stufenkollege Fabian (17), „dass es weiterhin ein Europa der offenen Grenzen und ein Europaparlament gibt“ und „dass Länder, die dieselben Werte vertreten, eingeladen werden, der EU beizutreten“, ergänzt Lisa (16). Denn ein länderübergreifendes Miteinander statt nationale Isolation, da sind sich alle einig, werde dazu beigetragen, den Frieden in Europa zu sichern.

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