Infoabend

Gladbecker Radwegkonzept im kritischen Fokus der Bürger

Martin Stork von der Verkehrsplanung der Stadt im Gespräch mit interessierten Bürgern im

Martin Stork von der Verkehrsplanung der Stadt im Gespräch mit interessierten Bürgern im

Foto: Olaf Fuhrmann

Gladbeck.  Mit einem großen Maßnahmenkatalog soll Gladbeck noch fahrradfreundlicher werden. Bis 2025 sollen 256 Projekte im Stadtgebiet abgearbeitet sein.

Neben den vielen Schautafeln mit großen bunten Erklärgrafiken, Stadtplänen mit Radwegeverbindungen und Fotoübersichten sah das Herzstück des neuen Radverkehrskonzeptes „Fahrradfreundliches Gladbeck 2025“ eher trist aus. Die zwei Tafeln mit eng beschriebenem Text fassten für die Besucher des Informationsabends im Ratssaal aber die Essenz des bisherigen Arbeitsprozesses zusammen. Konkret: ein Katalog mit 256 Einzelmaßnahmen, um Gladbeck zeitgemäß als fahrradfreundliche Kommune aufzustellen.

Im Arbeitskreis mit Experten der Stadt, Vertretern der Politik, der örtlichen Abteilung des Fahrradclubs ADFC, des Seniorenbeirats, der Polizei und des beauftragten Planungsbüros Rolf Kaulen wird seit 2016, unter Einbeziehung der Öffentlichkeit durch Bürgerversammlung und Befragung, am neuen Radverkehrskonzept gearbeitet.

Radverkehrskataster erstellt

Kaulen und Co. stiegen dafür selbst aufs Rad, um die 180 Kilometer Radweg im Stadtgebiet abzustrampeln und den Ist-Zustand zu erfassen, beziehungsweise die Radwege hinsichtlich stadtteilinternen, stadtteilverbindenden und überörtlichen wichtigen Trassen (Radschnellweg) zu klassifizieren und auf dem Stadtplan farblich darzustellen. Erstellt worden ist so erstmals auch ein Radverkehrskataster für Gladbeck, das als Datenbank via Computer abgerufen und weiter bearbeitet werden kann.

Die verantwortlichen Planer standen den rund 100 Bürgern, die im Ratssaal vorbeischauten, Rede und Antwort, darunter an der Spitze Stadtbaurat Dr. Volker Kreuzer.

Hier war auf Nachfrage zu erfahren, dass die 256 bis 2025 umzusetzenden Maßnahmen in unterschiedliche Prioritäten eingeteilt worden sind. Darunter 71 Sofortmaßnahmen mit einem Volumen von 390.000 Euro, die noch dieses Jahr ausgeführt werden. „Sie reichen vom neuen Verkehrshinweisschild bis zur Erneuerung von Radwegdecken über zwei Kilometer Länge“, so Kreuzer. Zu den weiteren bis 2021 umzusetzenden Maßnahmen zählt etwa eine Verbreiterung der Radwegschutzstreifen auf der Roßheidestraße, und bis 2025 soll auch der Mehrfach-Radweg an der Postallee auf 5900 Metern überarbeitet worden sein.

Weitere Anregungen konnten an Pinnwände geheftet werden

Dass die Maßnahmenliste für weitere Bürgerwünsche offen ist, wurde an großen Pinnwänden im Ratssaal deutlich, an die Anregungen geheftet werden konnten. Das nutzte auch Besucher Peter Kruse aus Zweckel, der beispielsweise anmerkte, dass der Radweg im Zweckeler Wald ausgebessert werden müsse. Der 67-Jährige lobte, dass das Thema Radfahren stärker in den Fokus genommen werde, „da es umweltfreundlich und die beste Fitness für umsonst ist“.

Das sieht Lisa Schwarz (68) aus der Stadtmitte ähnlich, die aber einen noch konsequenteren Radwegeausbau forderte, „davon gibt es viel zu wenige“. Sie selbst fahre gar kein Auto, radele gerne in die angrenzenden Städte, und da seien die Verbindungen nicht optimal ausgebaut. Dem pflichtete Ralf Forge (31) bei. „Das Radschnellweg-Potential wird nicht genügend ausgeschöpft, um für Berufspendler attraktiv zu sein und vom Auto aufs Rad umzusteigen“.

Maßnahmenliste mit Selbstverständlichkeiten und einer kleinen Mogelpackung

Vera Bücker vom Gladbecker ADFC freut, dass das Thema Radverkehrskonzept insgesamt angepackt werde und auch viele Anregungen des ADFC berücksichtigt worden seien, „etwa den Radweg an der Buerschen Straße fortzuführen“. Sie bemängelt aber, „dass in der Sofortliste auch eigentliche Selbstverständlichkeiten wie der ,regelmäßige Feinschnitt’ einiger Radwege aufgelistet wurden“. Eine „kleine Mogelpackung“ sei auch, wenn die Deckenerneuerung einer Straße benannt werde, „die ja nicht nur den Radverkehr betreffe“. Sie hoffe, „dass bei vielen der aufgelisteten Maßnahmen auch die Möglichkeiten ausgeschöpft werden, „und es die Stadt nicht nur bei der Minimallösung belässt“.

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