Landgericht

Gladbecker hat Kind aus Überforderung misshandelt

Dem Baby seiner damaligen Freundig hatte der 30-Jährige einen Schnuller in den Rachen gedrückt.

Foto: Volker Herold

Dem Baby seiner damaligen Freundig hatte der 30-Jährige einen Schnuller in den Rachen gedrückt. Foto: Volker Herold

Gladbeck.   Der Mann, der einem Baby den Schnuller in den Rachen gedrückt hat, gilt als schuldunfähig. Er wird in die Psychiatrie eingewiesen.

Ob er es verstanden hat? Zwar spricht das Essener Schwurgericht den 30 Jahre alten Gladbecker, der geistig behindert ist, am Mittwoch wegen Schuldunfähigkeit frei, gleichzeitig weist es ihn aber wegen Wiederholungsgefahr auf nicht absehbare Zeit in die geschlossene Psychiatrie ein. Schwachsinnig ist er laut Urteil, und deshalb kann die Justiz ihn nicht dafür verurteilen, dass er einem elf Monate alten Baby den Schnuller verkehrt herum tief in den Rachen gedrückt hat.

Der kleine Junge, Sohn der damaligen Freundin des Angeklagten, hat die Tat vom 27. April 20127 überlebt. „Glücklicherweise blieb sie ohne Spätfolgen“, sagte Richter Moritz Sendlak in der Urteilsbegründung. Das Kind litt durch die Attacke an Atemnot. Der Schnuller verschloss den hinteren Rachenraum, ließ sich von Hand nicht wieder entfernen. Erst im Krankenhaus hatten Ärzte dem Jungen geholfen.

Der Angeklagte versuchte zunächst, indirekt die Mutter des Kindes zu beschuldigen

Keinen Zweifel hatte das Schwurgericht, dass der Angeklagte für die Attacke verantwortlich war. Er selbst hatte die Tat bestritten. Morgens sei er aufgestanden, hätte dem Kind einen Schnuller gegeben und sei duschen gegangen. Als er nach zehn Minuten zurückgekehrt sei, habe die Freundin am Bett des Babys gestanden. Er habe Blut gesehen, das wohl aus dem Mund des Jungen kam. Indirekt hieß das, die Mutter des Kindes sei die Schuldige.

Doch das schloss das Gericht aus. Denn diese Version habe der Angeklagte erst im Prozess erzählt. Früher habe auch er berichtet, dass er die Atemnot des Kindes bemerkt habe und dann ans Bett seiner Freundin gegangen sei. Ihr habe er erzählt, dass der Kleine den Schnuller verschluckt habe. Dies passte zu dem, was die 24-Jährige im Kern bei Polizei und vor Gericht geschildert habe, sagte Sendlak.

Frühere Freundin nannte ihn einen liebevollen Vater

Das Gericht attestierte dem Angeklagten eine Überforderungssituation durch das „brabbelnde“ Kind. Eigentlich sei er ein Mann, der sich liebevoll um das Kind kümmerte. Das hatte auch die Freundin bestätigt. Sie kümmerte sich weniger intensiv um ihr Kind als der Angeklagte, der gar nicht der leibliche Vater ist.

So ähnlich hatte das auch eine frühere Freundin des Angeklagten geschildert, mit der er eine gemeinsame Tochter hat. Sie nannte ihn einen liebevollen Vater. Allerdings sprach sie auch davon, dass er in Stresssituationen schnell laut werde. Körperliche Gewalt verübe er aber nicht.

Die Kammer übte Kritik am psychiatrischen Gutachter

Kritik übte die Kammer am psychiatrischen Gutachter Harald Hippler, der zunächst im Prozess saß. Er hatte dem 30-Jährigen eine volle Schuldfähigkeit und einen Intelligenzquotienten von 70 bescheinigt. Mit seinen Ausführungen war das Gericht unzufrieden und beauftragte Psychiaterin Marianne Miller. Ergebnis: Der Angeklagte hat nur einen IQ von 55 und ist nicht in der Lage mit Überforderungen umzugehen. Sendlak betonte, dass die neue Gutachterin im Gegensatz zu Hippler Testverfahren genutzt habe, die auf geistig Behinderte zugeschnitten seien.

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