Gladbeck ist bunt

Für Gladbecker Seniorin ist immer Basel die Heimat geblieben

Die in Basel geborene Schweizerin Ruth Dumpe (90) fühlt sich im Eduard-Michelis-Heim sehr wohl.

Die in Basel geborene Schweizerin Ruth Dumpe (90) fühlt sich im Eduard-Michelis-Heim sehr wohl.

Foto: Lutz von Staegmann / Funke Foto Services

Gladbeck.  Erst vor wenige Monaten ist Ruth Dumpe ins Eduard-Michelis-Heim gezogen. Vorher führte ihr Weg über die Schweiz nach Bottrop – der Liebe wegen.

Heimatliche Gefühle empfindet Ruth Dumpe für Gladbeck eher nicht. Dafür wohnt sie zu kurz erst in dieser Stadt. Ihre Heimat ist Basel, zu Hause war sie viele Jahre in Bottrop. Vor einigen Monaten ist die 90-Jährige in die Senioreneinrichtung Eduard-Michelis-Haus an der Gildenstraße gezogen – und fühlt sich ausgesprochen wohl dort.

Der Liebe wegen ins Ruhrgebiet

Der Liebe wegen ist Ruth Dumpe, geborene Mädorin, aus der Schweiz ins Ruhrgebiet gekommen. Sie war Mitte 20, arbeitete in Basel als Verkäuferin in einer Drogerie, als als sie bei einem Urlaub in Marokko den Fremdenlegionär Wilhelm Dumpe kennenlernte. Einige Zeit führten die beiden eine Fernbeziehung, sahen sich nur selten. „Ich hatte immer Angst um ihn, wusste ja nie, in welcher Krisenregion er eingesetzt würde.“ Deshalb war sie unendlich erleichtert, als er ihr eines Tages schrieb, er habe die Hoffnung aufgegeben, dass sie zu ihm Marokko komme und sei deshalb aus der Fremdenlegion geflüchtet.

Nach dieser Nachricht musste Ruth nicht lange überlegen. Die junge Frau verließ die Schweiz, ihre Eltern, die drei Schwestern und ihre Freunde und zog zu Wilhelm Dumpe nach Bottrop. „Ungefähr ein halbes Jahr später haben wir geheiratet.“ Ihr Mann, der aus seiner Zeit in der Fremdenlegion fließend Französisch sprach, war als Dolmetscher überall in der Welt unterwegs, sie unterrichtete an einer Schule in Bottrop Kinder mit Förderbedarf, wie man es heute nennen würde. „Es war toll, dass ich das hier ohne Abitur und Studium machen konnte. In der Schweiz wäre das nicht möglich gewesen.“ Drei Söhne gingen aus der Ehe hervor. Die beiden noch lebenden Kinder und ihre Familien wohnen in Köln bzw. unweit von Bottrop.

In Bottrop fühlte sie sich einsam

Mit 80 Jahren starb Wilhelm Dumpe, seine Frau blieb einige Zeit noch allein in der Wohnung. „Ich wäre bestimmt noch länger klar gekommen, aber, obwohl ich Verwandte in Bottrop habe, fühlte ich mich doch manchmal einsam“, sagt die 90-Jährige und beschloss deshalb, in eine Senioreneinrichtung zu ziehen. „Ich brauche Menschen um mich, das war immer schon so. Schon als Jugendliche und junge Frau bin ich in Ferienlager gefahren.“

Auf Empfehlung entschied sie sich für das Eduard-Michelis-Haus und hat es nicht bereut. „Es war eine gute Wahl“, sagt sie, übrigens immer noch mit leichtem schweizerischen Akzent. „Es gibt nichts, was mir hier nicht gefällt. Mit den Mitbewohnern auf meiner Station verstehe ich mich gut, das Pflegepersonal ist freundlich, liebenswürdig und hilfsbereit.“

Viel hat Ruth Dumpe von Gladbeck noch nicht gesehen, aber den Wittringer Wald, direkt gegenüber dem Michaelis-Haus, hat sie für sich entdeckt: „Ich gehe dort oft spazieren, bis zum Schloss. Das ist sehr schön.“

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