Stadtjubiläum

Erste Texte aus der Gladbecker Schreibwerkstatt liegen vor

Gladbecker Autoren wie Frank Gollan lasen in der Weinhandlung Volmer selbst geschriebene Geschichten vor. Foto: Lutz von Staegmann / FUNKE Foto Services

Gladbecker Autoren wie Frank Gollan lasen in der Weinhandlung Volmer selbst geschriebene Geschichten vor. Foto: Lutz von Staegmann / FUNKE Foto Services

Foto: Lutz von Staegmann / Funke Foto Services

Gladbeck.  Zum 100. Geburtstag der Stadt Gladbeck wurde eine Schreibwerkstatt eingerichtet. Einige Teilnehmer stellten jetzt ihre eigenen Texte vor.

Drei Schreibwerkstätten im Kreativamt haben die etwa 25 Teilnehmer von „Stadtgeschichte ist Lebensgeschichte“ hinter sich. Ganze 52 Geschichten sind bisher bei den Initiatoren Leonhard Föcher und Martin Schnell eingetroffen. Die ersten zehn Kostproben bekam das Publikum am Samstagabend in der Weinhandlung Volmer zu hören.

Der Titel lautete: „Stadtgeschichte ist Lebensgeschichte“

Fast 50 Interessenten quetschten sich in den Verkaufsraum. „Stadtgeschichte ist Lebensgeschichte und nicht nur das, was in den Akten steht“, sagte Leonhard Föcher. Er stellte auch den ersten Beitrag vor: Der ehemalige Moltke-Bergmann Walter Hüßhoff hatte eine persönliche Geschichte mit dem Titel „Kohleklau auf der Moltke-Halde 1957“ eingeschickt. Darin berichtete er, wie er im Winter nach der Schule sich mit anderen Kohle-„Sammlern“ auf der Moltke-Halde traf – einschließlich einer Verfolgungsjagd, bei der er vor dem Haldenwächter und seinem Hund flüchten musste, bis beide von anderen Kohle-„Sammlern“ selbst in die Flucht geschlagen wurden.

Gladbecker erinnert sich: „Baden war Luxus“

Frank Gollan berichtete in seiner eigenen Geschichte von dem wichtigsten Tag der Woche in den 60er Jahren: „Freitags war immer Badetag. Meine kleine Familie ist immer zu Fuß von Rentfort nach Zweckel zu unseren Urgroßeltern gegangen, weil nur die ein eigenes Badezimmer in der Wohnung hatten. Das war Luxus. Manchmal hatte ich sogar Glück und bekam noch sauberes Badewasser.“

Für einige Autoren war Gladbeck eine echte Herzensangelegenheit, so zum Beispiel für Brigitte Vollenberg: 1969 war ihre Zeit an der Klosterschule in Dorsten zu Ende, zum ersten Mal spielten Jungs in ihrem Leben eine Rolle, und sie verbrachte Silvester zum ersten Mal nicht zu Hause, sondern bei ihren neuen Schulfreunden in Gladbeck. „Wir durften die ganze Wohnung für unsere Party in Beschlag nehmen. Durften wir das? Keine Ahnung. Wir taten es.“ Ihre Geschichte endete mit viel Alkohol, einem Brandschaden durch Feuerwerkskörper und einer Feier, die einer Facebook-Party im Jahr 2019 alle Ehre gemacht hätte.

Es gibt bald keine gebürtigen Gladbecker mehr

Auch die Karriere der Café-Inhaberin Ruth Herberhold, die erste Liebe von Rebecca Hecker, Norbert Knoblochs „Immigration“ von Bayern nach Gladbeck, Heike Beckers Arbeit im vermeintlichen „Seniorendorf“ Brauck und die Erfahrungen des Weinstuben-Gastgebers Martin Volmer mit der Überschwemmung von Mai 1998 verfolgte das Publikum bei einem Glas Wein mit großem Interesse. Mitorganisator Martin Schnell machte seinem Publikum bewusst: „Bedenken Sie, wie wichtig das heutige Event ist! Jetzt, seitdem das St.-Barbara-Hospital keine Geburtsstation mehr hat, gibt es bald vielleicht keine gebürtigen Gladbecker mehr.“

Aus allen Texten des Projekts „Schreiben für Gladbeck“ soll ein Buch entstehen, das im Dezember der Öffentlichkeit präsentiert werden soll. Bis Mitte September können Hobby-Autoren noch Beiträge einsenden.

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