Stadtteilwoche

Ellinghorst – das Dorf am Rande der Stadt Gladbeck

Ellinghorst aus der Luft gesehen.

Ellinghorst aus der Luft gesehen.

Foto: www.blossey.eu

Gladbeck.   Ellinghorst ganz im Westen ist flächenmäßig der zweitgrößte Stadtteil Gladbecks – bevölkerungsmäßig ist er der zweitkleinste. Trotz der größeren Industriebetriebe entlang der Beisenstraße schätzen die Bewohner die dörflichen Strukturen in ihrem Quartier.

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„Das ist hier doch ein Dorf!“ – sagen die Butendorfer, die Zweckeler, die Alt-Rentforter über ihren Stadtteil. Und was sagen die Ellinghorster? Die meinen das natürlich auch. Der Ortsteil am Rand der Stadt wirkt aber auch tatsächlich ein wenig abgeschiedener als alle anderen, ist in sich geschlossener und hat doch fast alles, was ein Dorf so braucht, damit es sich darin gut leben lässt.

Kleiner Stadtteil ganz groß

Ellinghorst wirkt klein, aber das täuscht. Mit 3127 gezählten Köpfen (Stand 2013) gilt der Stadtteil zwar bevölkerungsmäßig als zweitkleinster in ganz Gladbeck und spielt damit keine ganz so große Rolle im Gladbecker Stadtleben. Flächenmäßig aber ist Ellinghorst richtig groß: 620 Hektar, das wird nur noch von Zweckel im Norden mit (650 ha) übertroffen.

Umgeben von Industrie

Wenig Menschen, aber viel Fläche: Ellinghorst ist an den Rändern sehr grün, innen drin aber ein klassisches Gewerbemischgebiet, in dem gewachsene kleine Siedlungen umgeben sind von ebenfalls gewachsenen Industriebetrieben. Rockwool, der Dämmstoffriese, produziert seit 60 Jahren an der Bottroper Straße Steinwolleplatten, die mittlerweile nach ganz Europa transportiert werden. Döllken, der Kunststoffhersteller, arbeitet an der Beisenstraße, Peine-Salzgitter macht in Stahl. . . um nur die größten zu nennen.

Neue und alte Siedlungen

Ganz früher, zu Zeiten des Bergbaus waren die Möllerschächte nur einen Steinwurf weit weg - was erklärt, warum es auch in Ellinghorst die typischen Siedlungen gibt. Vor Jahrzehnten bestand der Stadtteil aus drei Hauptsiedlungen: Luftschacht, Haarbach und Pestalozzidorf. Während die Häuser dort trotz vieler Privatisierungen den Charme der 50er/60 Jahre beibehalten haben, sind rund herum in den letzten Jahren auch neue Eigenheim-Siedlungen entstanden. An der Bottroper Straße, im Durchholz, an der Maria-Theresien-Straße beispielsweise. Ellinghorst ist einer der Gladbecker Stadtteile, die als Zuzugsort für junge Familien gelten. Ellinghorst wächst und wird jünger.

Einkaufen

Wo kann man denn hier einkaufen? Das wird eine der Fragen sein, die Neu-Ellinghorster an die Alt-Ellinghorster stellen. Die weisen dann gen Westen, in Richtung Hornstraße. Dort hat sich ein kleines Nahversorgungszentrum entwickelt, mit Supermarkt, Bäcker und Discounter. Ein Stück davor, an der Ecke Bottroper- und Rockwoolstraße gibt’s einen Netto, – und hinter der Tankstelle einen McDonald’s. Im Stadtteil-Kern selbst ist in der Hinsicht tote Hose, seit auch der Kiosk gegenüber der ehemaligen Elisabethkirche geschlossen wurde.

Eine kleine Schule

Die Schule im Dorf, sie gibt es (noch). Allerdings ist die Albert-Schweitzer-Grundschule am Weusterweg nur noch Zweitstandort der Rentforter Wilhelmschule. Die Zahl der Schulkinder im Stadtteil reicht gerade zur Bildung einer Eingangsklasse aus. Viele Klassenräume der Schule, deren Erhalt bis 2018 gesichert ist, stehen leer.

Bildungshaus

Deshalb wird ein Teil des Gebäudes seit zwei Jahren für das Albert-Schweitzer-Bildungshaus genutzt. Das Ziel dieses Bundesprojekts mit dem Titel „Lernen vor Ort“: Bürgern die Möglichkeit geben, Angebote des lebenslangen Lernens in Wohnortnähe wahrzunehmen. So richtig funktioniert hat das bisher allerdings nicht, die Ellinghorster scheinen keinen großen Bedarf für ein solches Angebot zu haben.

Neue Energien

Das ist neben dem Rockwoolturm eine zweite Landmarke für den Stadtteil: Das erste und bislang einzige Gladbecker Windrad steht in Ellinghorst mitten in den Feldern an der Voßbrinkstraße.

Die einzige Kirche im Stadtteil ist geschlossen 

So dörflich Ellinghorst auch sein mag, die Kirche blieb nicht in diesem Dorf: Vor mehr als drei Jahren wurde St. Elisabeth, die katholische Kirche am Eingang zum Stadtteil, vom Bistum geschlossen. Noch aber steht das trutzige Gebäude weiterhin an der Maria-Theresien-Straße, das im Sinne der Kirche nach der Entweihung jedoch kein Gotteshaus mehr ist.

Ellinghorster Bürger und der Arbeitskreis Stadtbildpflege haben in den vergangenen Jahren erfolgreich um den Erhalt und die Denkmalschutzwürdigkeit des Gebäudes gekämpft – und zweimal in ihrer Auffassung Recht bekommen von den Historikern des LWL (Landschaftsverband Westfalen Lippe). Diese gestehen der Anfang der 1960er Jahre gebauten Kirche mit dem Chorturm und der einem Bergbaustollen ähnlichen Bauweise im Inneren eine in der Region einzigartige Architektur zu, die als erhaltenswert gesehen wird.

Der Gladbecker Kulturausschuss, der die Rolle einer Unteren Denkmalbehörde hat, lehnte die Unterschutzstellung dennoch zweimal ab. Anfang des Jahres wies die Bezirksregierung Münster die Stadt an, St. Elisabeth unter Schutz zu stellen. Dem muss sich Gladbeck zwar beugen, dagegen will nun jedoch die Großpfarrei St. Lamberti, die Eigentümerin von Kirche und Grundstück ist, klagen. Sie will auf dem Grundstück Wohnhäuser bauen, denn die leerstehende Kirche verursacht Kosten, die die Pfarrei aus eigener Tasche zahlen muss. Das Bistum beteiligt sich daran nicht. Eine Lösung wäre, eine andere Nutzung oder einen Käufer für das Denkmal zu finden. Bislang haben sich weder ein Interessent noch ein Konzept gefunden.

Die Gemeindearbeit geht indes im Gemeindezentrum neben der Kirche weiter.

Eine Halde, die eigentlich gar keine ist 

Ja richtig, Ellinghorst hat auch eine Halde, obwohl die gar nicht als solche wahr genommen wird. Sie ist ja auch ganz anders als sonstige Bergbau-Halden, die hoch hinauf ragen und das Revier um so manchen spektakulären Hügel bereichern: Hier, in einem 25 Hektar großen Naturschutzgebiet, lagert der Müll einer ehemaligen Deponie.

Woher der Haldenname kommt? Es wird nicht ausgeschlossen, dass einst auch Bergematerial der nahen Schachtanlagen dort geschüttet wurde, in späteren Jahren – von 1954 bis 1970 – allerdings wurde eine Senke, die beim Bau der Autobahn A 2 entstanden war, mit Hausmüll, Bauschutt und wohl auch Industriemüll verfüllt. Und obendrauf wurden auch noch Schlämme aus der Müllverbrennung dort aufgebracht.

Natur eroberte Gebiet zurück

Die Natur eroberte sich das Areal in den folgenden Jahren zwar zurück, so dass dort ein schützenswertes Gebiet entstand, die Anschüttungen blieben jedoch nicht ganz ohne Folgen: 1990 wurden erstmals erhöhte Werte von Methan und Kohlendioxid in der Ellinghorster Halde gemessen. Und 2011 wurden erneut Methan-Ausgasungen festgestellt, nachdem Jahre lang Ruhe gewesen war.

Die Ellinghorster an der Agnes­straße lässt das dennoch ruhig schlafen. Zum Schutz der Anwohner wurden bereits Maßnahmen getroffen. Die Ausgasungen sollen durch eine Gasdrainage gelenkt werden, so dass sie nicht etwa durch Risse im Mauerwerk in Gebäude eindringen können.

Von der Siedlung Ellinghorst führt ein Weg im Norden, Westen und Osten um die Halde. Die vierte Seite wird durch die Autobahn begrenzt.

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