Gladbecker Bündnis für Courage

Courage: „Gladbeck soll gegen rechts aufstehen!“

Roger Kreft (r.) und Hans-Georg Weichert haben bereits etliche Ideen in petto, die in der Arbeitsgruppe „AfD enttarnen“ beim Gladbecker Bündnis für Courage zur Sprache kamen, um rechten Parteien entgegenzutreten.

Roger Kreft (r.) und Hans-Georg Weichert haben bereits etliche Ideen in petto, die in der Arbeitsgruppe „AfD enttarnen“ beim Gladbecker Bündnis für Courage zur Sprache kamen, um rechten Parteien entgegenzutreten.

Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Services

Gladbeck.  Das Gladbecker Bündnis für Courage will mit der Politik an einem Strang ziehen, um der AfD Paroli zu bieten. Ideen für Aktionen gibt es bereits.

Die Arbeitsgruppe (AG) „AfD enttarnen“ beim Gladbecker Bündnis für Courage hat sich ein ambitioniertes Ziel gesetzt: mit geballter Kraft gegen rechts aufstehen. „Wir möchten, dass alle parteiübergreifend an einem Strang ziehen“, so Hans-Georg Weichert.

Das Gladbecker Bündnis für Courage hatte Partei- und Fraktionsvorsitzende eingeladen

Das AG-Mitglied erläutert: „Die Idee ist gewesen, dass die Politik nicht nur vor den Wahlen tätig wird.“ Das Bündnis für Courage will jetzt schon gegen die AfD mobilisieren. „Wir wollen nicht warten und erst vier, fünf, sechs Wochen vor der Wahl aktiv werden“, betont Hans-Georg Weichert. Deswegen hatte das Bündnis jetzt alle „demokratischen Partei- und Fraktionsvorsitzenden“ nebst Bürgermeister Ulrich Roland zu einem ersten Treffen eingeladen. „Wir wollten zunächst wissen, welche Strategien die Politik gegen die AfD verfolgt“, so Courage-Sprecher Roger Kreft. Bei weiteren monatlichen Terminen – der nächste ist für Anfang November vorgesehen – sollen Ideen entwickelt werden; so denn die Politik mitzieht.

„Jeder politische Vertreter sagte bei dem Auftakttreffen: Die AfD wird garantiert in den Stadtrat kommen. Es geht nur darum, mit wie vielen Vertretern“, berichtet Kreft. Er bedauert, dass die Gedanken in den Parteien eher um die Frage kreisen: „Wie gehen Demokraten mit der AfD im Rat um?“ Sollten deren Vertreter ignoriert werden? Oder wäre es sinnvoll, den Saal zu verlassen, sobald die AfD – beispielsweise bei einem Antrag – das Wort ergreife?

Für Kreft und Weichert werde bei solch einer Betrachtungsweise der zweite Schritt vor dem ersten gemacht. Erst einmal müsse es doch darum gehen, generell die AfD im Rat zu verhindern. „Wir haben die Befürchtung, dass der Rechtsruck bei den Kommunalwahlen 2020 noch deutlicher wird, als er ohnehin schon ist“, sagt Weichert. Gladbeck als „eine rechte Hochburg in Nordrhein-Westfalen“ findet Kreft schlichtweg „erschreckend“: „Nach Gelsenkirchen war die AfD hier mit 13,6 Prozent bei der Europawahl im Mai landesweit am stärksten.“ Gewarnt habe er vor solch einer Entwicklung schon im Jahre 2013, als die AfD gegründet wurde. Das Courage-Mitglied: „Man konnte sehen, dass die früheren NPD-Wähler zur AfD überliefen. Sie holte in manchen Gladbecker Wahlbezirken bis zu 20 Prozent und sogar mehr.“

Aus der Bündnis-Arbeitsgruppe stammen Vorschläge wie eine „Woche der Demokratie“

Kreft: „Keine der demokratischen Parteien will die Zusammenarbeit mit den Rechten. Aber eine Antwort darauf, wie man geschlossen gegen sie vorgehen will . . .“ Da stünden große Fragezeichen. Die Courage-Arbeitsgruppe hat hingegen Vorschläge parat, wie man Paroli bieten könnte. „Wichtig ist es, in die Stadtteile zu gehen, den Dialog mit den Bürgern zu suchen“, meint Weichert.

Roger Kreft berichtet: „Wir vom Bündnis besuchen junge Leute in den Schulen. So haben wir uns kürzlich in der Johannes-Kessels-Akademie vorgestellt, über Demokratie und auch über die AfD gesprochen.“ Sein Mitstreiter wirft ein: „Das Thema ,Demokratie’ müsste wieder in den Schulen behandelt werden.“ Er habe Angst, dass sich „Geschichte wiederholt“. Weichert: „Ich würde zu 100 Prozent unterschreiben, dass es wieder einen richtigen Politikunterricht gibt.“

Weichert möchte der AfD den Wind aus den Segeln nehmen. Sätze wie „Flüchtlinge bekommen alles, wir bekommen nichts“ müssten widerlegt werden. Da denke das Bündnis für Courage an einen „Flyer gegen die AfD“, verrät Kreft. Behauptungen sollen Fakten gegenübergestellt werden. Oder wie wäre es mit einer Werbewand? „Was will die AfD? Was steckt dahinter?“, so die Intention. Weitere Vorschläge: „Eine Zeitungsannonce, in der sich die Parteien als echte Demokraten positionieren“, oder plakative Graffiti auf erlaubten Flächen. Auch eine „Woche der Demokratie und gegen rechts“ auf die Beine zu stellen, sei denkbar. „Mit Musik, Schauspiel, Lyrik“, stellt sich Kreft vor.

Beim ersten Treffen „wollten wir sensibilisieren“, nun will die AG die Arbeit fortsetzen. Kreft: „Wir haben ebenfalls vor, den Kreis der Beteiligten zu erweitern, zum Beispiel auch Gewerkschaften, Kirchen und andere Gruppen dazu zu holen. Es gehe darum, „klare Kante zu zeigen“. Die beiden Courage-Mitstreiter: „Jede Partei hat bisher ihr Ding gemacht. Warum machen wir nicht etwas zusammen gegen die AfD?“

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