Ungelöste Kriminalfälle

Cold Case: So verfährt die Polizei bei ungelösten Mordfällen

In der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY - Wo ist mein Kind?" wurde 2014 auch der Fall Pierre Pahlke thematisiert. Der damals 21-Jährige wurde im September 2013 gegen Abend zum letzten Mal in einem Supermarkt in Essen gesehen.

In der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY - Wo ist mein Kind?" wurde 2014 auch der Fall Pierre Pahlke thematisiert. Der damals 21-Jährige wurde im September 2013 gegen Abend zum letzten Mal in einem Supermarkt in Essen gesehen.

Foto: ZDF

Gladbeck.  Zwei Vermisstenfälle aus Gladbeck sind unvergessen. Vor 20 Jahren verschwindet eine junge Frau. Und auch von Pierre Pahlke fehlt jede Spur.

In der „Cold-Cases-Datenbank“ vom Landeskriminalamt (LKA) in NRW sind um die 900 ungeklärte Mordfälle aus NRW gespeichert und katalogisiert. Immer wieder nehmen sich die Ermittler diese unaufgeklärten Kapitalverbrechen vor – in der Hoffnung, den Fall doch noch zu einem Ende bringen zu können. Mord verjährt nicht. „Und bei Mord gibt die Polizei auch niemals auf“, betont Ramona Hörst, Pressesprecherin vom für Gladbeck zuständigen Polizeipräsidium Recklinghausen.

Die Fälle bleiben im Zuständigkeitsbereich der jeweiligen Polizeibehörde

Die LKA-Datenbank geht bis in die 70er Jahre zurück. Die „kalten Fälle“ bleiben zwar in der Zuständigkeit der jeweiligen Polizeibehörden, aber die Datenbank ermöglicht den Gesamtüberblick über alle Fälle in NRW.

Mal, so Hörst, geht der Impuls zu neuen Ermittlungen vom LKA, mal von der Polizeibehörde aus. Zwei solcher ungelösten Fälle werden auch den meisten Gladbeckern noch in Erinnerung sein: Im August vor 20 Jahren verschwindet eine junge Frau aus Gladbeck spurlos. Tage später werden persönliche Gegenstände von ihr in einem Feld in Kirchhellen, unmittelbar an der Stadtgrenze zu Gladbeck gefunden. Für die Polizei steht seitdem fest: Aus einer Vermisstenmeldung ist vermutlich ein Tötungsdelikt geworden. Aufgeklärt wurde das Verschwinden der jungen Frau bis heute nicht.

Der Klassiker ist die alte DNA-Spur, die nach Jahren zum Erfolg führt

„Vergessen“, betont Ramona Hörst, „ist der Fall, genau wie alle anderen Cold Cases, deshalb aber lange nicht.“ Chemische Untersuchungsmethoden und neue Fallbearbeitungssysteme und moderne Software bieten den Ermittlern immer wieder neue Möglichkeiten. „Der Klassiker ist natürlich die alte DNA-Spur, die heute viel kleinteiliger untersucht werden kann und deshalb oft nach etlichen Jahren auf einmal zu einem Ermittlungsergebnis führt“, erklärt Ramona Hörst.

Es kommt aber auch vor, dass ein Täter, nachdem er jahrelang unbemerkt geblieben ist, bei einer Routinekontrolle auffällt, weil er etwa in einem ganz anderen Zusammenhang eine Speichelprobe von sich abgegeben hat.

Sind von einem alten Fall allerdings nur sehr wenige verwertbare Spuren vorhanden, muss man äußerst vorsichtig mit dem vorhandenen Material umgehen. „Dann muss man genau überlegen, ob die Untersuchung zu einem neuen Ergebnis führen könnte oder nicht“, so die Polizeisprecherin.

Die Aufklärungsseite bei Mord ist hoch

Grundsätzlich sei die Aufklärungsquote bei Mord sehr hoch.

„Bei Morden kann man in der Regel von einer Beziehungstat ausgehen, sprich Täter und Opfer haben sich gekannt. Das erleichtert in den meisten Fällen der Kripo die Arbeit. „Dass Täter und Opfer sich vorher noch nie gesehen und keinerlei Verbindung zueinander haben, ist mehr als unwahrscheinlich“, erklärt Ramona Hörst.

Wenn die Polizei alte Fälle aufgreift, geschieht das in der Regel unbemerkt von der Öffentlichkeit. Anders ist es, wenn Angehörige oder Freunde des Opfers sich einschalten, sie die Suche nach einem geliebten Menschen oder dem Täter immer wieder, zum Beispiel durch Suchaufrufe, öffentlich machen. „Egal, wir die Situation sich darstellt, man kann immer fest davon ausgehen, dass den Beamten jeder unaufgeklärte Fall wichtig ist und er nicht in Vergessenheit gerät“, betont Ramona Hört. Jeder Angehörige habe ein Recht auf Antworten. Oft sei es sogar so, dass Kollegen über Jahre einen engen und sehr persönlichen Kontakt zu den Angehörigen halten.

Pierre Pahlke verschwand am 17. September 2013 spurlos

Ein solch emotionaler Fall ist auf jeden Fall auch der des seit seit sechs Jahren vermissten Pierre Pahlke. Der damals 21-jährige geistig behinderte Junge verschwindet am 17. September 2013 spurlos. Gegen 19 Uhr wird er zum letzten Mal gesehen – in einem Supermarkt in Essen. Seine Familie lebt in Gladbeck, Pierre zu diesem Zeitpunkt in einer betreuten Einrichtung in Essen. Die Familie, vor allem Pierres Großmutter, hat die Hoffnung nie aufgegeben, den Jungen wieder in die Arme schließen zu können. Die Familie schaltete einen Privatdetektiv ein, setzte eine Belohnung für Hinweise aus. Eine letzte Spur gab’s im November 2015: Zwei Frauen, meldet ein Privatdetektiv, wollen Pierre im Amsterdamer Rotlichtviertel gesehen haben. Doch die Nachforschungen der niederländischen Polizei blieben ohne Erfolg.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben