Konzert

Cantatrici di Lamberti berührte Gladbecker mit ihrem Gesang

„Le Cantatrici di Lamberti", das Streichquartett der Essener Philharmonie und Julia Bonika am Orgelpositiv traten unter Leitung von Konrad Suttmeyer, Kantor an St. Lamberti Gladbeck, auf.

„Le Cantatrici di Lamberti", das Streichquartett der Essener Philharmonie und Julia Bonika am Orgelpositiv traten unter Leitung von Konrad Suttmeyer, Kantor an St. Lamberti Gladbeck, auf.

Foto: Lutz von Staegmann

Gladbeck.   Der Frauenchor „Le Cantatrici di Lamberti“ trat an Palmsonntag in St. Lamberti Gladbeck auf. Er begeisterte mit Pergolesis „Stabat Mater“.

„Das habe ich mir gewünscht“: Konrad Suttmeyer freute sich am Sonntagnachmittag angesichts des nicht abreißenden Zustroms von Besuchern der St.-Lamberti-Kirche Gladbeck. Der Organist und Chorleiter der „Cantatrici di Lamberti“ hatte zum Konzert eingeladen, das „Stabat Mater“ von Giovanni Battista Pergolesi stand auf dem Programm. Der Chor wurde begleitet von dem Streichquartett der Essener Philharmonie und Julia Bonika am Orgelpositiv.

„Dieses Werk aus der marianischen Liturgie ist aus der Zeit vor Ostern nicht wegzudenken“, erklärte Probst André Müller. Er zeigte sich begeistert, dass so viele Menschen für eine Stunde den Trubel der Innenstadt verlassen hatten, um andächtig dem vertonten, mittelalterlichen Gedicht über das Leiden der Mutter Christi zu lauschen.

Fast 200 Zuhörer genossen das Chor-Orchester-Werk

Suttmeyer spielte zunächst das „Präludium c-moll“ von Johann Sebastian Bach an der großen Klais-Orgel. Ein wohliger, umhüllender Klangmantel senkte sich in das Kirchenschiff, schenkte den nahezu 200 Zuhörern die innere Ruhe für das bevorstehende Chor-Orchesterwerk. „Stabat mater dolorosa – „Es stand die Mutter schmerzerfüllt“ intonierten die 16 Frauen mit himmlischem Ausdruck, eine hochklassige kammermusikalische Leistung. Suttmeyers sanftes Dirigat führte die weichen Stimmen sicher, fast zärtlich durch die 20 Strophen.

Es gibt unzählige Vertonungen des Mariengedichts

Unzählige Vertonungen des Mariengedichts gibt es, vor allem italienische Komponisten beschäftigen sich seit Jahrhunderten mit der Materie, etliche von ihnen wählen den reinen Frauenchor als Basis für den Gesang. Das Weibliche als Inbegriff für die Mutter. Pergolesis Sopran- und Altstimmen sind besonders liebevoll. „Le cantatrici di Lamberti“ interpretierten dies mit Sorgfalt und Süße.

Die „trauernde Seele“ – ein schwebender Sopran. Das Bangen, Zittern und Ächzen im Angesicht des Todes des geliebten Kindes – ein voller Alt, dessen schöne Stimmfärbung bis in die Höhe ausgereift und abgerundet klang. Der Chor spielte beeindruckend mit dem ausgeprägten Nachhall in St. Lamberti Gladbeck, die Melodiebögen verschmolzen in Perfektion unter den Kreuzgewölben des Mittelschiffes. Mit Nachdruck steuerte Suttmeyer das Auf-und Abschwellen der Liedzeilen. „Fat ut ardeat cor meum“ - „Laß mich herzlich mit dir weinen“ – die Sängerinnen berührten Seele und Herz der Zuhörer, Schwermut lag in den Fugen.

Das Publikum spendete anerkennenden Applaus

Die Streicher der Essener Philharmonie steigerten lieblich die Dramatik, eine pure Wolke der Anmut, nichts Überzogenes, nichts Lautes. Am Ende des Werkes steht bei aller Melancholie ein unerschütterlicher Gottesglaube. Die hellen Stimmen sangen vom Paradies, der Glorie und der Herrlichkeit. „Amen – so sei es“, eine komplizierte, wunderschöne Schlussfuge, angefüllt mit chromatisch aufsteigenden Sequenzen, schenkte am Ende Hoffnung.

Kantor Suttmeyer äußerste Stolz auf den Chor

Suttmeyer nahm sichtlich gerührt den anerkennenden Applaus entgegen. „Ich bin wirklich stolz auf diesen Chor, vor allem auf die Mädchen des Jugendchores, die sich auf diese klassische, komplexe Literatur eingelassen haben“.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben