Bäckerhandwerk

Bei Bäckermeister Thomas Hudde ist jedes Brot handgemacht

Thomas Hudde liebt seinen Beruf, befürchtet aber, dass das Bäckerhandwerk die besten Zeiten hinter sich hat.

Thomas Hudde liebt seinen Beruf, befürchtet aber, dass das Bäckerhandwerk die besten Zeiten hinter sich hat.

Foto: Oliver Mengedoht

Gladbeck.   39 Sorten Brot backt Thomas Hudde in seiner Bäckerei in Gladbeck. Um 1.30 Uhr ist für ihn die Nacht vorbei. Ketten machen ihm das Leben schwer.

Krustenbrot, Bauernstuten, Landbrot, Partystange, König-Ludwig- Brot – wem läuft da nicht das Wasser im Mund zusammen? Dabei ist dies nur eine kleine Auswahl dessen, was Bäckermeister Thomas Hudde (54) in seiner Backstube produziert. Sage und schreibe 39 Sorten Brot backt er pro Woche.

Deutschland wird in den meisten anderen Ländern für seine Brotvielfalt geschätzt, aber – so paradox es klingen mag – der Beruf des Bäckermeisters ist hierzulande ein aussterbender.

Ketten nehmen wenig Rücksicht auf ansässige Bäcker

Thomas Hudde betreibt seine Bäckerei in Zweckel und ist einer von drei in Gladbeck verbliebenen Bäckermeistern. Ansonsten sind es die Ketten, die sich zunehmend in der Stadt etablieren. „Dabei nehmen sie wenig Rücksicht darauf, ob in der Nachbarschaft bereits ein Bäcker ansässig ist“, kritisiert Thomas Hudde.

So ist auch bald in seiner unmittelbaren Nähe ein solches Backunternehmen geplant. „Bei manchen kommen die Brötchen tiefgefroren aus China.“ Sie seien dann bis zu sechs Monaten unterwegs, weiß Hudde.

Vom Spiralkneter bis zur Brötchenpresse

Da kann der Bäckermeister in der zweiten Generation nur mit dem Kopf schütteln. Bei ihm ist alles handgemacht, davon zeugen Hub- und Spiralkneter sowie die Brötchenpresse in der Backstube, Geräte, die zum Teil noch von seinem Vater stammen. Alfred Hudde hatte den Betrieb 1959 an der Elfriedenstraße gegründet, bevor er 1963 das Haus an der Dorstener Straße bezog.

Und hier wird ganz deutlich, dass die Bäckerei ein Familienbetrieb und Herzenssache ist. Der Weg aus dem Laden in die Backstube führt durch die Wohnung. So hat Kerstin, die Ehefrau von Thomas Hudde, alles im Blick, wenn sie im Laden steht.

„Ich war von klein auf in der Backstube“

Thomas Hudde hat noch zwei Geschwister, doch von ihnen wollte niemand die Backtradition des Vaters weiterführen. „Ich war immer handwerklich interessiert“, erinnert sich Bäckermeister Hudde, „und von klein auf in der Backstube.“ 1993 übergab sein Vater ihm den Betrieb und zog sich von Stund an komplett zurück „Er wollte nicht dazwischen sein, das führt oft zu Reibereien.“

Thomas Hudde steht seitdem jede Nacht um 1.30 Uhr auf, um mit dem Backen zu beginnen, wobei er keinen Gesellen mehr hat. „Es sind die Arbeitszeiten, die viele abschrecken“, sagt der Bäckermeister. Das habe für ihn niemals eine Rolle gespielt: „Heute lebe ich entsprechend, aber als ich jünger war, da bin ich in der Nacht nach Hause gekommen, einmal kurz durchgekämmt und ab in die Backstube.“

Heute stehen die Kunden bereits um 4 Uhr in der Backstube

Heute muss er auch schon früher fertig werden, denn das Käuferverhalten habe sich geändert: „Früher ging der Verkauf so um 6 Uhr los, heute stehen Kunden bereits um 4 Uhr in der Backstube.“

Im Sommer macht Thomas Hudde alljährlich Betriebsferien, dann hat auch seine 14-jährige Tochter mehr von ihrem Vater. Ob sie den Betrieb übernehmen wird? Da ist Thomas Hudde ganz eindeutig: „Sie soll zuallererst eine gute Schulausbildung haben. Damit stehen ihr dann alle Wege offen.“

>> DIE BÄCKEREI-INNUNG

  • Die Bäckereiinnung Gladbeck/ Bottrop zählt noch acht Mitglieder. Aktuell gebe es fünf Auszubildende in der Innung, sagt Thomas Hudde, der stellvertretender Lehrlingswart ist.
  • Der Geschäftsführer der Bäckereiinnungen Gladbeck, Bottrop, Gelsenkirchen, Egbert Streich, malt ein düsteres Bild: „Die Discounter und Supermärkte mit ihren Backautomaten bilden nicht aus. Ein Handwerk, das nicht ausbildet, stirbt.“

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben