100(0) Jahre Gladbeck (8)

1885: Aus der Gemeinde wird das Amt Gladbeck

Blick vom Moltke-Förderturm auf Gladbecks erste Bergarbeitersiedlung an der heutigen Uhlandstraße (vorn, 1888 gebaut). Die Aufnahme stammt aus dem 1905, da war die neue Lambertikirche bereits gebaut.

Blick vom Moltke-Förderturm auf Gladbecks erste Bergarbeitersiedlung an der heutigen Uhlandstraße (vorn, 1888 gebaut). Die Aufnahme stammt aus dem 1905, da war die neue Lambertikirche bereits gebaut.

Foto: Repro: Ulla Michels / WAZ

Gladbeck.  Der erste Amtmann heißt Heinrich Korte, für den ein kleines Amtshaus gebaut wird. 1888 entstehen die ersten Zechenhäuser an der Uhlandstraße.

Mit Beginn des Kohlebergbaus ab 1873 setzte ein sprunghafter Bevölkerungsanstieg durch den Zuzug von Arbeitern aus allen Teilen des Deutschen Reiches und sogar aus zahlreichen europäischen Ländern in die Gemeinde Gladbeck ein. Die ersten Arbeiter fanden noch bei Bauern und Privatleuten Unterkunft. Bestehende Gebäude wurden aus- oder umgebaut und waren hoffnungslos überbelegt. 1880 entstanden an der heutigen Bülser Straße zum ersten Mal Häuser, die speziell für Bergarbeiter gebaut wurden. Und zwar nicht von der Zechengesellschaft, sondern von dem Maurermeister Fischer.

Erst 1888 baute die Zeche erste eigenen Häuser für ihre Arbeitskräfte und deren Familien: Zwischen Pütt und dem Dorf – an der Moltkestraße, heute Uhlandstraße – errichtete die Bergwerksgesellschaft Graf Moltke 20 Wohnhäuser mit je sechs Wohnungen, die jeweils drei Zimmer hatten. Es folgten (bis 1903) weitere Häuser an Sellerbeck-, Kiebitzheide-, Land-, Phönix- und Wielandstraße.

1877 gibt es im Dorf eine erste Straßenbeleuchtung

Im Dorf selbst sorgte der Zuzug der vielen Menschen für mehr Belebung und Wandel rund um die Zwiebelturmkirche, der Handel belebte sich. Erste gemauerte und verputzte Häuser entstanden entlang der beiden großen Dorfstraßen Hoch- und Kaiserstraße (Horster Straße). Erste Geschäfte eröffneten. Die Hochstraße wurde hochgestuft zur Provinzialstraße, da die Vestische Landstraße von Buer kommend durchs Dorf geführt wurde. Auch außerhalb des Dorfes erfolgte die Chaussierung (Befestigung) der Straße.

Schon 1877 gab es im Dorf die erste Straßenbeleuchtung mit sechs Petroleumlampen, Wirt Anton Kocks wurde Standesbeamter. Die von der Gemeinde 1872 übernommene Dorfschule an der oberen Hochstraße, bis dahin in Verantwortung der katholischen Kirche, wurde wegen der starken Zuwanderung mit entsprechendem Nachwuchs zu klein. Bis 1880 entstand die alte Aloysiusschule an der heutigen Humboldtstraße (musste später der Post weichen). 1880 entstand mit der Josefschule in Rentfort erstmals eine Schule außerhalb des Dorfes.

Gemeinderat stellt 1883 den Antrag, eigenes Amt zu werden

Kommunalpolitisch wurde Gladbeck mit Beginn der Bergbauepoche immer noch vom Amt Buer mitverwaltet. Amtmann war Felix Hölscher hatte 1855 Wilhelm Tosse abgelöst. Als Hölscher 1883 starb, hatte Gladbeck längst erste städtische Strukturen angenommen, zählte 4435 Einwohner. Der Gemeinderat mit Vorsteher Franz Große Natrop an der Spitze nahm Hölschers Tod zum Anlass, die kommunale Selbstständigkeit zu fordern. Angesichts zu erwartender steigender Steuern und weiteren Zuzugs könne Gladbeck selbst die Geschicke in die Hand nehmen, meinten die Gemeindeverordneten. Am 11. März 1883 wurde der entsprechende Antrag gestellt.

Die Provinzialregierung gab sich aber zunächst zurückhaltend, doch nach einer Intervention des Landrates wurde der Antrag am 3. Oktober 1884 genehmigt. Offiziell wurde Gladbeck am 1. April 1885 „Amt“ – Ämter waren die unterste Instanz der kommunalen Selbstverwaltung. Mit der Ernennung wurde die entsprechende Verordnung der königlich-preußischen Regierung umgesetzt und Amtmann Heinrich Korte nahm seine Arbeit auf. Er war auf Wunsch der Gladbecker Gemeindevertretung ins Amt gekommen. Korte war zuvor lange Hölschers Mitarbeiter in Buer gewesen (Amtssekretär).

Gladbecks erstes Amtshaus kostet gut 14.000 Mark

Noch 1885 baute die Gemeinde ihm für 14.356 Mark ein Amtshaus – am Übergang von Hoch- und Bottroper Straße (genau zwischen dem heutigen Rathaus und dem neuen Geschäftshaus Hoch10). Das Haus bot Wohn- und Büroräume (auch für einen Gehilfen und einen Polizisten namens Heinrich Tiemann). Korte war bis 1917 Amtmann und begleitete Gladbecks explosionsartige Entwicklung zur jungen Stadt.

1888 erscheint erstmals ein Zeitung in Gladbeck – die „Gladbecker Volkszeitung“. Sie war ein katholisches Blatt und erschien in den ersten Jahren zwei- bis dreimal die Woche. Mit wachsender Bevölkerungszahl und zunehmender Leserschaft schließlich täglich. Herausgegeben wurde sie von der Druckerei Theben, die im Gebäude neben dem heutigen Café Schwarte ansässig war. Im Hof ratterten die Druckmaschinen. Bis zu sieben Tageszeitungen sollte es später einmal in Gladbeck geben.

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