WAZ öffnet Pforten

WAZ-Leser besuchen Pumpanlage im Rahmen des Emscher-Umbaus

Jochen Wolff (r.), Planer und Projektleiter des Pumpwerks Grimbergstraße der Emschergenossenschaft erläutert den Besuchern das neu errichtete Bauwerk in Gelsenkirchen-Bismarck. Die Besucher nahmen teil an der WAZ-Aktion "WAZ öffnet Pforten".

Jochen Wolff (r.), Planer und Projektleiter des Pumpwerks Grimbergstraße der Emschergenossenschaft erläutert den Besuchern das neu errichtete Bauwerk in Gelsenkirchen-Bismarck. Die Besucher nahmen teil an der WAZ-Aktion "WAZ öffnet Pforten".

Foto: Olaf Ziegler / Funke Foto Services GmbH

Gelsenkirchen-Bismarck.  22 Meter ging es in die Tiefe. Gelsenkirchener WAZ-Leser erhielten die Chance, das monumentale Bauwerk der Emschergenossenschaft zu betreten.

Zwölf WAZ-Leser erhielten die Möglichkeit ein ganz besondere Anlage zu betreten, die im Zuge der Renaturierung der Emscher eine entscheidende Rolle spielen wird. Im Rahmen der Aktion „WAZ öffnet Pforten“ lud Projektleiter Jochen Wolff von der Emschergenossenschaft ein, das größtenteils unterirdische Bauwerk an der Grimbergstraße einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. In Form und Funktion erweist sich dieses als einzigartig: Es nimmt drei Stauraumkanäle und einen Regenwasserkanal auf und beinhaltet neben zwei Regenwasserbehandlungsanlagen drei Pumpwerke, die sich in unterschiedlicher Höhe befinden.

10.500 Liter Förderleistung pro Sekunde

Ein Pumpwerk wird für Schmutzwasser genutzt, die beiden anderen Pumpwerke fördern die Abschlagswassermengen aus den Regenwasserbehandlungsanlagen. Die Gesamtförderleistung der Pumpwerke beträgt ungefähr 10.500 Liter pro Sekunde. Unsichtbar unter der Erde wird es die Voraussetzung dafür schaffen, dass der Hüller Bach und die Emscher, einst der „dreckigste Fluss Europas“, wieder vom Abwasser befreit werden können.

22 Meter in die Tiefe

Für die Gruppe wurde es ein spannender Vormittag, denn es gab einiges zu erfahren, es ging bis zu 22 Meter in die Tiefe, und die Besucher konnten sich ein direktes Bild einzelner Etagen der Anlage machen. Eine Teilnehmerin freut sich, dass der Besuch aktuell noch möglich ist. Wolff erklärte, dass die Anlage betriebsbereit ist, doch erst 2020 teils und Ende 2021 voll betriebsfähig ist. „Das wird passieren, wenn der Abwasserkanal am Hüller Bach fertig und in Betrieb ist“, sagt er.

Zunächst stellte der Projektleiter auf einer Karte vor, wie die einzelnen Gewässer in Verbindung stehen. „Die Regenwasserbehandlungsanlagen funktionieren wie eine mechanische Kläranlage“, sagt er. Dabei würde das saubere Regenwasser ab einer bestimmten Menge in den Hüller Bach abgeschlagen werden, das Schmutzwasser hingegen würde in einen Abwasserkanal bis zur Kläranlage nach Bottrop parallel dazu fließen. Bis zu 3500 Liter können pro Sekunde zu der Kläranlage abgeleitet werden. Der Abwasserkanal soll insgesamt acht Kilometer werden (bei einem Innendurchmesser von bis zu 2,40 Metern). Vier Kilometer hätte die Emschergenossenschaft bereits fertig gestellt, an zwei weiteren Kilometern finden derzeit Bauarbeiten statt. Nach der Fertigstellung der zwei letzten Kilometern soll der Hüller Bach schließlich abwasserfrei sein.

Über eine Gittertreppe ging es für die Gruppe mit Zwischenstationen in die Tiefe. Von Stufe zu Stufe wurde es kühler. Auf den Weg nach unten der Projektleiter: „Derzeit ist es hier noch trocken, später wird, in den Bereichen wo die Pumpen stehen, alles unter Wasser sein.“ Die WAZ-Leser hatten teils die Möglichkeit sich die Pumpen hinter den stählernen U-Boot-Türen, einmal näher anzusehen, andere waren hingegen hinter Betonwänden versteckt. Die größte Pumpe würde, laut Wolff, 1250 Liter pro Sekunde befördern.

Anlage wird mit Frischluft versorgt

Er informierte auch, dass die Anlage komplett automatisch funktioniert, so dass diese nicht direkt vor Ort besetzt werden muss. Einmal jährlich wird der Kanal kontrolliert. Ansonsten gibt es strenge Überwachungen rund um die Uhr aus der Zentrale in Bottrop. Eigens dafür besteht ein Nachrichtennetz, dass durch Kabel mit der Anlage verbunden ist. Aber auch vor Ort gibt es Bildschirme, die Informationen über die Förderleistung der Pumpen liefern. Wolff auf die Frage, was denn passieren würde, wenn es zum Stromausfall kommt: „Es gibt eine zweiseitige Stromzuführung, eine aus Erle, eine aus Hüllen, wenn eine mal ausfällt, können wir komplett auf die zweite umschalten.“

Auffällig auch, der typisch stinkende Geruch der Emscher lag nicht in der Luft. „Die ganze Anlage wird, wenn sie in Betrieb ist, über Belüftungsrohre mit Frischluft versorgt“, verrät der Mitarbeiter der Emscher Genossenschaft.

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