Obdachlosenhilfe

„Warm durch die Nacht“ hat in Gelsenkirchen viel Rückenwind

Die Obdachlosenhilfe „Gelsenkirchen packt an – Warm durch die Nacht“  feierte an der Kneipe Rosi in der City das erste Sommerfest. Dabei überreichen Tina Krone (li.), Bianca Wollbrink (m) und Petra Bec (re.) Urkunden an Unterstützer, hier Cem Özdemir (Rosi) und Alex Baron vom Club Grubengold (2.v.r.).

Die Obdachlosenhilfe „Gelsenkirchen packt an – Warm durch die Nacht“ feierte an der Kneipe Rosi in der City das erste Sommerfest. Dabei überreichen Tina Krone (li.), Bianca Wollbrink (m) und Petra Bec (re.) Urkunden an Unterstützer, hier Cem Özdemir (Rosi) und Alex Baron vom Club Grubengold (2.v.r.).

Foto: Foto: Martin Möller / Funke Fot

Gelsenkirchen.  „Gelsenkirchen packt an – warm durch die Nacht“ hat in zwei Jahren viele Sponsoren und Unterstützer gefunden. Instantsuppe und Pulverkaffee sind passé.

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Vergleichsweise bescheiden zogen die ersten aktiven Ehrenamtlichen im Dezember 2014 mit Einkaufstrolleys durch die City. Die Mitglieder der Facebook-Gruppe „Gelsenkirchen packt an – warm durch die Nacht“ hatte sich nach Essener Vorbild vorgenommen, Obdachlosen zu helfen.

Schon bald sprachen die Frauen der ersten Stunde von den „Freunden von der Straße“. Freunde wie etwa Birgit (Name geändert), die ein Jahr später, während sie heiße Instantsuppe löffelte, der WAZ in den Block diktierte: „Das sind Leute, die opfern ihre Freizeit für uns und helfen immer.“

Knapp zwei Jahre später ist die Gruppe der Aktiven gewachsen. Immer noch über Facebook verbandelt, ist „Gelsenkirchen packt an – warm durch die Nacht“ allerdings inzwischen ein als gemeinnützig anerkannter Verein unterwegs. Vorsitzende ist Bianca Wollbrink.

Geldspenden machten die Vereinsgründung notwendig

Grund für die Vereinsgründung: eine wachsende Zahl von Unterstützern, die die Arbeit der Gruppe mit Geldspenden befeuern wollte. Und ja, sagt Bianca Wollbrink heute, „es ist schon Luxus, einfach mal sagen zu können, wir kaufen jetzt drei Kilo Bananen“. Überhaupt meint, sie, sei „Warm durch die Nacht“ vom Rahmen her „etwas professioneller geworden. Von der Arbeit her ist unser Angebot niederschwellig wie am Anfang.“

Mit dem professionellen Rahmen spielt sie auf das neue Lager in der City, direkt neben dem „Posthörnchen“ und die beiden Garagen in Schalke an, die man dem ehrenamtlichen Team zur Verfügung gestellt hat. Genutzt werden die Räume etwa zum Einlagern von Schlafsäcken und Kleidung.

Inzwischen rollen zwei Bollerwagen

Aber noch mehr hat sich geändert: An den zwei Bollerwagen – auch da haben die Aktiven von ein auf zwei Gefährte aufgerüstet – gibt es für die Freunde von der Straße keinen Pulverkaffee und keine Instantsuppen mehr. Nach einem WAZ-Bericht über die Initiative im Spätherbst vergangenen Jahres stellte umgehend jemand eine Großkaffeemaschine zur Verfügung. Borutta-Catering und die Fleischerei Heinrich Thelen kochen im Wechsel frische Suppen, was den gespendeten Zweiplatten-Kocher der Rotarier umso wertvoller macht. „Uli Nickel schleppt die Kaffeebecher an, Club Grubengold bringt oft Schlafsäcke vorbei, Blue Charity hat eine Veranstaltung für uns gemacht und Armbänder verkauft.“

Bianca Wollbrink lächelt. Sogar in Bad Hersfeld hat „Warm durch die Nacht“ Sponsoren: Die Werbeagentur Weekendstars hat dem jungen Verein Flyer gedruckt.

Was die Arbeit mit den Ehrenamtlichen macht, die an fünf Tagen die Woche abends ab 18 Uhr unterwegs sind und um 19 Uhr am Rolltor in Bahnhofsnähe fester Anlaufpunkt sind? „Man lernt, normale Dinge zu wertschätzen“, sagt sie. Angefangen beim Dach über dem Kopf. Ihre Familie steht hinter ihr. Wollbrinks Tochter ist auch schon mit draußen gewesen – und sieht, seit sie von persönlichen Schicksalen gehört hat, manches anders.

Sommerfest für Freunde und Förderer vor der Rosi

Jüngst feierte „Warm durch die Nacht“ sein erstes Sommerfest. „Wir wollten unseren Freunden von der Straße einfach einen schönen Tag bereiten“, erklärt Bianca Wollbrink. Rosi-Inhaber Cem Özdemir war sofort dabei. Vor seiner Kneipe in der City gab’s unter strahlend blauem Spätsommerhimmel Gegrilltes, Live-Musik etwa von Rapper Muetze und Daniel Dorra, gute Gespräche ... und immer wieder Urkunden als Dankeschön für die Unterstützer. Zu denen auch der Schalker Fanclub-Verband und die Supporters oder etwa Teutonia Schalke-Nord gehören. Die Streetworkerinnen vom ArztMobil schauten vorbei – und ganz viele Freunde von der Straße.

„Haut euch den Bauch voll, heute Abend kommen wir nicht“, motivierte die 43-Jährige die Freunde. An die 70 sind es am Monatsende, die abends zum Bollerwagen kommen. Spenden für die Arbeit am Rande des Wohlstands sind immer willkommen: Warm durch die Nacht e.V., Sparkasse Gelsenkirchen, IBAN DE66420500010101175787.

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