Unfall mit Todesfolge

Unachtsamkeit kostete Gelsenkirchener Kradfahrer das Leben

Ins Bergmannsheil Buer wurde der Schwerverletzte eingeliefert. Die Mediziner konnten ihn nicht retten.

Ins Bergmannsheil Buer wurde der Schwerverletzte eingeliefert. Die Mediziner konnten ihn nicht retten.

Foto: Thomas Schmidtke / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  Seinen schwersten Kopfverletzungen erlag ein Gelsenkirchener Motorradfahrer vor einem Jahr. Vor Gericht wurde der tragische Fall nun verhandelt.

Bei einem tragischen Verkehrsunfall in unmittelbarer Nähe zum Reha-Zentrum Medicos auf Schalke wurde vor zwei Jahren ein Gelsenkirchener tödlich verletzt. Die Autofahrerin Kirsten S. aus Bochum hatte dem Motorradfahrer mit ihrem Daccia die Vorfahrt genommen. Der Mann war einen Tag nach dem Unfall am 22. Mai 2017 seinen schwersten Kopfverletzungen erlegen. Die 47-jährige Autofahrerin wurde jetzt vom Amtsgericht wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von 80 x 10 Euro Tagessätzen verurteilt.

Frau wollte bei Medicos die Örtlichkeit kennenlernen

Man merkt der Angeklagten an, wie sehr sie unter dem psychischen Druck leidet, einen Menschen getötet zu haben. Sie berichtet dem Gericht, wie sie den Unfall wahrgenommen hat. Nach einem erlittenen Herzinfarkt wollte sie einen Tag vor Beginn ihrer Reha bei Medicos die Örtlichkeit kennenlernen. Neben ihr saß als Beifahrerin ihre Ehefrau Sonja. Als sie sich auf dem Stan-Libuda-Weg befand, wollte sie nach links in Richtung Parkplatz abbiegen. Im selben Augenblick kam ihr auf der Gegenfahrbahn der damals 58-Jährige Motorradfahrer auf seiner BMW entgegen. Er konnte nicht mehr ausweichen und krachte ungebremst mit seinem Krad in die hintere rechte Tür des Autos.

Bremsspuren gab es nicht. Fahrerin wie Beifahrerin versichern vor Gericht, den Motorradfahrer nicht gesehen zu haben. Erst im letzten Augenblick habe sie ihn wahrgenommen, erklärt Sonja S., dann habe es geknallt. Der Gutachter hatte errechnet, dass der Motorradfahrer mit etwa 65 bis 70 Stundenkilometern unterwegs gewesen sein muss. Das Auto von Kirsten S. war zwischen 15 und 17 Stundenkilometer schnell.

Ein schweres offenes Schädel-Hirn-Trauma erlitten

Die Folgen für den Motorradfahrer waren gravierend. Er wurde durch den Aufprall elf Meter weit auf die Gegenfahrbahn geschleudert, blieb auf dem Bauch liegen. Sein Helm, den er bei der Fahrt aufgesetzt hatte, lag auf der Straße. Der Mediziner Dr. Heiner K. behandelte den Schwerverletzten im Bergmannsheil. Der Motorradfahrer hatte ein schweres offenes Schädel-Hirn-Trauma und einen Bruch des Schädelknochens erlitten. Ein Großteil des Gehirns, berichtet der Mediziner, sei bereits irreversibel geschädigt gewesen. Am Abend des folgenden Tages starb der Motorradfahrer.

Das Gericht sah die Fahrlässigkeit, die die Anklage der Frau aus Bochum vorgeworfen hatte, bestätigt. Der Staatsanwalt hatte in seinem Plädoyer 90 Tagessätze beantragt. Die Autofahrerin hätte genügend Zeit gehabt, den vorfahrtsberechtigten Motorradfahrer vorbeifahren zu lassen. Der könne nicht aus dem Nichts plötzlich aufgetaucht sein.

Die Richterin stützte ihr Urteil auch auf die Erkenntnisse des Gutachters. Der war zu dem Schluss gekommen, dass die Autofahrerin den Motorradfahrer hätte sehen müssen und den Aufprall hätte verhindern können. Dass es bei geringerer Geschwindigkeit des Motorrads vermutlich nicht zum Unfall gekommen wäre, würde nichts an der Fahrlässigkeit ändern, mit der die Autofahrerin auf der Straße gehandelt habe.

Aus präventiven Gründen eine Gefängnisstrafe beantragt

Offen blieb, ob es im Bereich einer Baustelle tatsächlich einen Hinweis auf eine Beschränkung auf Tempo gegeben habe. Auf einem Foto an anderer Stelle ist dieses Schild dokumentiert. Ein Polizeibeamter hatte vor Gericht bestätigt, dass Tempo 50 erlaubt gewesen seien. Der Nebenkläger hatte wegen der gravierenden Folgen der Fahrlässigkeit und aus generell präventiven Gründen eine Gefängnisstrafe für erforderlich gehalten. Der Verteidiger hatte für seine Mandantin wegen einiger offen gebliebener Antworten Freispruch beantragt.

Die Autofahrerin hat jetzt die Möglichkeit, Berufung gegen das Urteil einzulegen. Dann würde vor dem Landgericht in Essen verhandelt. Ihren Führerschein durfte die nicht vorbestrafte Frau behalten.

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