Prozessauftakt

Streit in Gelsenkirchener Bus: Fahrer (57) hat „Todesangst“

In einem Bus der Linie 383 der Bogestra wurde der Fahrer im Juli 2018 in Heßler von einem Gelsenkirchener angegriffen. Bevor die Situation eskalierte, kam es an einer Kreuzung zu einer brenzligen Verkehrssituation.

In einem Bus der Linie 383 der Bogestra wurde der Fahrer im Juli 2018 in Heßler von einem Gelsenkirchener angegriffen. Bevor die Situation eskalierte, kam es an einer Kreuzung zu einer brenzligen Verkehrssituation.

Foto: Thomas Gödde / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen-Heßler.  Mit Schlägen und einem Messer setzte ein Gelsenkirchener Autofahrer 2018 einem Busfahrer zu. Das Opfer hatte Todesangst und leidet noch heute.

Noch heute leidet der Busfahrer Jürgen H. unter den Folgen eines tätlichen Angriffs. Seinen Beruf kann der 57-Jährige nicht mehr ausüben. Er war am 31. Juli 2018 mit einem Bogestra-Wagen der Linie 383 aus Horst kommend in Heßler unterwegs, als es zu einer folgenschweren Konfrontation kam.

In Höhe der Kreuzung Jahnbad glaubte Semih S., der mit seinem Polo unterwegs war, dass der Bus ihm die Vorfahrt genommen hätte. Der Busfahrer schildert die Situation andersherum. Unmittelbar vor der Weiterfahrt habe der Polo ihn geschnitten, so dass er eine Zwangsbremsung durchführen musste.

Der 25-jährige Autofahrer, dessen Verhalten vom Busfahrer und von Zeugen als äußerst aggressiv geschildert wurde, folgte dem Bus in seinem Wagen. Angst machte sich unter den Fahrgästen im Bus breit. Die Situation eskalierte an der Haltestelle Lerckenshof. Semih S., in Gelsenkirchen geboren, trat gegen die Bustür. Die öffnete sich schließlich. Er bedrohte den Fahrer mit einem Messer, schlug ihm mehrfach mit der Faust ins Gesicht.

Busfahrer erlitt eine Nasenbein- und eine Schädelprellung

Wegen gefährlicher Körperverletzung musste sich der Mann jetzt vor dem Amtsgericht verantworten. Von körperlicher Misshandlung spricht der Staatsanwalt, der im Gericht die Folgen der Attacken aufzählt. Der Busfahrer erlitt neben einer Nasenbein- auch eine Schädelprellung. Ein Auge war zugeschwollen, der Brustkorb schmerzte.

Vor Gericht räumt der Angeklagte wesentliche Tatvorwürfe ein, will das Messer aber nur in der Hand gehalten haben. Er bedauert seine Tat, es täte ihm leid. Seine Aggressivität begründet er unter anderem mit seinem Kokain-Konsum einen Tag vor der Tat. Einen gültigen Führerschein besaß Semih S. nicht. Der wurde ihm bereits 2016 entzogen.

Fahrgäste wollten dem 57-Jährigen helfen

Der Busfahrer fürchtete, wie er vor Gericht erklärt, um sein Leben. Fünf bis sechs Schläge habe er bekommen. „Ich hatte Todesangst.“ Der Angeklagte habe ständig mit dem Messer „herumgefuchtelt“ und vorher gerufen „jetzt bist du dran, ich steche dich ab.“ Er sei immer wieder zur Seite gesprungen, um möglichen Stichen auszuweichen. Dann habe der Mann ihn an den Haaren gezogen und seinen Kopf vor die Seitenscheibe geschlagen. Fahrgäste wollten dem Fahrer helfen. Doch der Autofahrer flüchtete, warf das Messer unterwegs fort.

Nach langer Krankheit Umschulung begonnen

Der Busfahrer leidet noch heute unter den psychischen Folgen des Angriffs. Er habe Angst, wenn er sich in der Öffentlichkeit bewege, könne keine Nacht mehr schlafen. Nach langer Krankheit als Folge des Angriffs hat der 57-Jährige im Oktober letzten Jahres mit einer Umschulung als beruflicher Wiedereingliederung begonnen.

Das Verfahren wird am 23. Januar fortgesetzt. Ein wichtiger Zeuge hatte unentschuldigt gefehlt. Gegen ihn setzte die Vorsitzende ein Ordnungsgeld über 250 Euro fest. Beim nächsten Termin soll der Zeuge polizeilich vorgeführt werden.

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