Szeniale-Bilanz

Starterfolg: Szeniale hat in Gelsenkirchen das Zeug zu mehr

Ruhige Momente zwischendurch. Nachmittags wurde im Subversiv an der Bochumer Straße in Gelsenkirchen noch gepflegt geplauscht. Abends, die großen Boxen deuten es an, wurde hier bei der Szeniale aufgelegt, getanzt und gefeiert – wie auch nebenan im Exodus.

Ruhige Momente zwischendurch. Nachmittags wurde im Subversiv an der Bochumer Straße in Gelsenkirchen noch gepflegt geplauscht. Abends, die großen Boxen deuten es an, wurde hier bei der Szeniale aufgelegt, getanzt und gefeiert – wie auch nebenan im Exodus.

Foto: Olaf Ziegler / Funke Foto Services GmbH

Gelsenkirchen-Ückendorf.  Die Szeniale in Gelsenkirchen werten die Macher aus der freien lokalen Kulturszene als großen Erfolg. Es waren 24 Stunden auch fürs Wir-Gefühl.

Selten zuvor wirkte ein Gelsenkirchener Stadtteil so lebendig und trendig, jung, frisch, überraschend, nachtaktiv und einladend, großstädtisch und heimelig zugleich. Und das durch ein Programm, das weitestgehend von lokalen Akteuren gestemmt wurde und dennoch über die Stadtgrenzen hinaus Anziehungskraft entwickelte. Die Szeniale, Samstag als 24-Stunden-Veranstaltung der freien Szene zwischen Pestalozzihain und Halfmannshof rund um die Bochumer Straße gestartet, hat eine Punktlandung hingelegt. Die Erwartungen, sollten sie hoch gesteckt gewesen sein, wurden übertroffen.

Szeniale in Gelsenkirchen füllt nachts Subversiv, Exodus oder Trinkhalle

„Es war überraschend, wie viele Leute von außerhalb gekommen sind. Viele waren lange unterwegs, vor allem Jugendliche haben die Nacht belebt. Am Exodus, der Trinkhalle, im 107 oder im Subversiv war um 3 Uhr früh noch richtig Betrieb“, sagt Arnd Wende, der zum vielköpfigen Festival-Leitungsteam zählt. Über 700 Akteure stemmten die Szeniale, rund 100 verschiedene Künstler in zig verschiedenen Konstellationen wirkten mit. Die Szeniale, so der formulierte Anspruch vorab, „bietet Gelegenheit, die Vielfalt, die Tiefe und die überraschenden Fähigkeiten der freien Szene in Gelsenkirchen an einem Ort und zu einem Zeitpunkt zu erleben. Und das heißt: Kommen für die Bildende Kunst, bleiben für die Musik. Oder: Theater erleben und auf dem Weg Poetry entdecken.“ Nach einer langen Praxisnacht muss es heißen: Botschaft angekommen.

Anwohner öffneten ihre Gärten in Ückendorf

„Die Ausstellungen der Künstler in den Galerien hatten ein hohes Niveau, auf den Bühnen haben versierte, gute Musiker gestanden“, meint Wende. „Aus meiner Perspektive hatten wir ein buntes, vielfältiges und sehr breites Angebot.“

Vier Bühnen wurden bespielt, Anwohner öffneten ihre Gärten für Begegnungen, Trödel traf auf Trash, Nightstyle auf Nachwuchs. „Es lief alles sehr friedlich ab, es hat keine unangenehmen Zwischenfälle gegeben“, der extra beauftragte Sicherheitsdienst wurde nicht gefordert. „Natürlich haben wir auch richtig Glück mit dem Wetter gehabt. Mensch, was haben wir da vorher gezittert“, gesteht Wende.

Der Sicherheitsdienst bekam nichts zu tun

Dass nicht alle Spielorte gleichzeitig und früh stark besucht wurden, liegt etwas in der Natur der Sache. Aber insgesamt, so die Rückschau, waren wohl alle mit der Resonanz zufrieden. „Es ist überragend gut gelaufen, vor allem wenn man bedenkt, wie viel eigentlich aus dem Nichts heraus geschaffen wurde“, findet auch Diana Miebach, eine weitere Akteurin der Festivalleitung. Sie fasziniert, dass es auch „so viele kleine Sachen zu entdecken gab“, dass es „so viele Nischen gab, wo immer irgendwas los war“. Ein Stück weit, glauben die Szeniale-Macher, habe das Festival die lokale Szene belebt und vereint. „Die Zusammenarbeit so vieler Künstler ist man so gar nicht gewohnt in Gelsenkirchen“, sagt Miebach. Dieses Gemeinschaftsgefühl hat auch Wende gespürt: „Die freie Szene war früh eingebunden. Das hat besser funktioniert als wir uns das vorgestellt haben. Ich kenne kein Projekt, bei dem so viele an einem Strang gezogen haben – gemeinsam in eine Richtung.“

Gut 100.000 Euro im Etat-Topf der Szeniale

Die Stadt Gelsenkirchen und die Galeriemeile Ückendorf haben die Szeniale an der Bochumer Straße unterstützt, mit Hilfe von Förderern waren gut 100.000 Euro im Etat-Topf. Viel Geld, aber „eigentlich zu wenig für solch ein Festival“, so Wende. Der Kassensturz in nächster Zeit wird zeigen, ob die Summe zumindest kostendeckend war.

Die Einbindung von Nachbarn finden Wende und Miebach wichtig. „Es ist ja ihr Stadtviertel“ Auch die Durchmischung habe vielerorts gut geklappt, da blieben nicht nur kulturaffine Besucher unter sich.

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