Erfundene Spritzenattacke

Erfundene Spritzenattacke könnte für 13-Jährige teuer werden

Geschwindelt: Ein Mädchen hatte behauptet, am vergangenen Donnerstag, 14. November, von einem Mann mit einem Messer bedroht und dann mit einer Spritze angegriffen worden zu sein. Er soll ihr eine unbekannte Substanz injiziert haben. Ein Gerichtsmediziner kam aber zum Schluss, dass sich die 13-Jährige die Verletzungen selbst zugefügt habe.

Geschwindelt: Ein Mädchen hatte behauptet, am vergangenen Donnerstag, 14. November, von einem Mann mit einem Messer bedroht und dann mit einer Spritze angegriffen worden zu sein. Er soll ihr eine unbekannte Substanz injiziert haben. Ein Gerichtsmediziner kam aber zum Schluss, dass sich die 13-Jährige die Verletzungen selbst zugefügt habe.

Foto: Ralf Hirschberger / dpa

Gelsenkirchen.  Der Wirbel um eine erfundene Spritzenattacke auf ein Mädchen in Gelsenkirchen kann ein teures Nachspiel haben. Warum, erklärt ein Rechtsanwalt.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Etwas unwirsch fiel die Reaktion des Polizeipräsidiums Gelsenkirchen nach einem überaus stressigen Freitag auf die Frage am Abend aus, was denn dem 13-Jährigen Mädchen blühen könnte, weil sie den Angriff eines Mannes mit Taschenmesser und Spritze vorgetäuscht habe. „Mit 13 Jahren ist sie strafunmündig“, hieß es. Das ist richtig, verurteilt werden kann sie dafür nicht, schon gar nicht in eine Zelle wandern. Wohl aber kann die dreiste Schwindelei mächtig ins Geld gehen.

Alarm hat riesige Maschinerie in Gang gesetzt

Denn der vermeintliche Angriff hat eine riesige Maschinerie in Gang gesetzt – angefangen von der Ermittlungskommission, für die Kräfte zusammengezogen worden sind, über die ausgedehnte Arbeit der Spurensicherung im vermeintlichen Tatumfeld zwischen Wissenschaftspark Gelsenkirchen (Munscheidstraße) und Parkplatz Lichthof (Virchowstraße), wo der Täter dem 13-jährigen Mädchen angeblich eine unbekannte Substanz injiziert haben soll, bis hin zu dutzenden Polizisten und verdeckten Ermittlern, die das Quartier und das erweiterte Umfeld nach dem Angreifer auf den Kopf stellten. Der Alarm hat zudem über die Stadtgrenzen hinaus auch Nachbarbehörden beschäftigt, und auch Krankenhaus und Gerichtsmedizin darf man hier nicht außer Acht lassen. Heißt: Es kann für sie sehr teuer werden.

13-jährige Schwindlerin droht, Einsatzkosten 30 Jahre abzahlen müssen

„Denn die Schülerin haftet grundsätzlich für Einsatz- und überflüssige Behandlungs- sowie Ermittlungskosten“, wie der Gelsenkirchener Rechtsanwalt Arndt Kempgens erklärt. Die zivilrechtliche Haftung für Schäden beginne nämlich schon mit sieben Jahren. So steht es im Bürgerlichen Gesetzbuch. Besonders unangenehm: „Solche Forderungen werden selbst bei einem privaten Insolvenzverfahren nicht über das Restschuldverfahren erlassen“, so Kempgens weiter mit Blick auf die geltende Insolvenzverordnung.

Das bedeutet im Klartext: „Wenn Forderungen gegen die Schülerin gestellt werden, muss sie diese -auch wenn sie pleite ist- 30 Jahre lang abzahlen.“

Die Strafmündigkeit beginnt nach deutschem Recht erst mit 14 Jahren. Ansonsten kommt bei solchen Behauptungen eine Strafbarkeit wegen Vortäuschens einer Straftat laut Strafgesetzbuch in Betracht, der Strafrahmen beträgt bis zu drei Jahre Haft oder Geldstrafe.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (3) Kommentar schreiben