Sprachen lernen

Sportcamp in Gelsenkirchen motiviert zum Sprachen lernen

Cezar (links) und Samir kriechen um die Wette, ihre Teams drücken die Daumen. Der Wettbewerb ist ein wichtiger Ansporn .Hinten im Bild  (v.l.) Übungsleiter Kado Kaldewey, daneben Gabriel, Abdul, Ismael und Abdullah.                     Foto:Joachim Kleine-Büning

Cezar (links) und Samir kriechen um die Wette, ihre Teams drücken die Daumen. Der Wettbewerb ist ein wichtiger Ansporn .Hinten im Bild (v.l.) Übungsleiter Kado Kaldewey, daneben Gabriel, Abdul, Ismael und Abdullah. Foto:Joachim Kleine-Büning

Gelsenkirchen.   „Sprache lernen durch Bewegung“ – unter dem Motto lud Gelsensport zum Sportcamp für junge Zuwanderer in Gelsenkirchen. Wie erklären, wie es geht.

Stillsitzen und Vokabeln lernen zählen nicht gerade zu den Lieblingsbeschäftigungen von Pubertierenden. Sport und Bewegung hingegen durchaus. Genau das nutzt ein Projekt von Gelsensport, um zugewanderten Kindern und Jugendlichen die deutsche Sprache näher zu bringen. „Sprache durch Bewegung“ heißt das Projekt, das bereits mit Unterstützung von Gelsensport in Grundschulen und dem Sprachförderstandort Surressestraße der Gesamtschule Erle praktiziert wird. In den Osterferien gab es nun erstmals im Schürenkamp von Gelsensport ein Ferienangebot für zugewanderte Heranwachsende, die ihre Sprachkenntnisse verbessern möchten.

Im Mittelpunkt stehen Bewegungsspiele

Im Mittelpunkt der aktiven Woche standen Bewegungsspiele, die nicht ohne Worte auskommen und die alle verstehen müssen, gleich ob sie aus Rumänien, Syrien oder dem Irak kommen. Dazu gehören simple Kinderspiele wie „Fischer, Fischer, wie tief ist das Wasser?“ ebenso wie memory-artige Vokabel-Parcours bis hin zu komplexen Sprach-Bewegungsspielen.

Am letzten Tag des Sport-Sprach-Camps ging es neben dem Spaß am Austoben um die richtige Verwendung der Hilfsverben „haben“ und „sein“ bei der Bildung der Vergangenheitsform. Übungsleiter Kado Kaldewey, der eine Zusatzausbildung „Sprachförderung durch Bewegung“ absolviert hat, erklärt die Regeln. Schon das braucht viele Worte. Und weil alle unüberseh- und unüberhörbar unbedingt gewinnen wollen, strengen sie sich an, alles zu verstehen, sind voll und ganz bei der Sache, hochkonzentriert.

Der Ehrgeiz ist groß

Es gibt zwei Mannschaften (an diesem Tag ist nur ein Mädchen dabei), die zwei verschiedene Parcours absolvieren müssen. Je nachdem, ob „haben“ oder „sein“ die richtige Lösung ist. Der Ehrgeiz ist groß, beim richtigen Zuordnen der Verben, aber vor allem im aktiven Zweikampf, beim Schwingen über den Kasten mit Hilfe von Ringen ebenso wie beim Hüpfen und unter einem Hindernis durchkriechen auf Zeit.

Hilfsverben richtig zuordnen

Das erste Wortbeispiel ist „schwimmen“. „Ich bin geschwommen“ ist für Asisa (14) klar. Die gebürtige Irakerin ist seit drei Jahren in Deutschland und beherrscht die deutsche Grammatik schon besonders flüssig. Aber auch Abdul (15) und Samir (12), die erst vor eineinhalb Jahren aus Syrien gekommen sind, ordnen die meisten Verben schon richtig zu.

Vorbereitet und organisiert hat den Ferienkurs Anna Weinforth (19), bei Gelsensport als Bundesfreiwilligendienstlerin aktiv. Die gesamte Abteilung „Sport für Geflüchtete/ Zuzug EU-Ost“ leitet Anna Isselstein. Sie ist überzeugt: Sport und Spiel sind optimale Mittel, um Jugendlichen Lust aufs Sprachenlernen zu machen: „Beim Spielen geht es nicht ohne Worte. Man muss die Regeln verstehen: Wie man sieht, strengen alle sich an, und zwar mit Erfolg.“ Das Feriencamp nutzte auch das Team der Kinderbücherei, um sich und seine Ausleihangebote, Sprachlernmedien und Jahresgebühren (2,50 Euro im Jahr für Kinder bis 15 Jahre!) vorzustellen.

Das Camp als Premiere

Das Camp im Schürenkamp war eine Premiere – und zwar eine überzeugende. Soviel Engagement und Konzentration würde sich mancher Lehrer in der Klasse sicher wünschen.

Gelsensport vermittelt Kontakte

Gelsensport vermittelt Zugezogene und Geflüchtete auf Wunsch auch gezielt in Sportvereine. Auch beim Beantragen von Mitteln aus dem Teilhabepaket als Zuschuss zu den Mitgliedsbeiträgen wird geholfen.

Die Erler Sportgemeinschaft hat selbst bereits Übungsleiter im Bereich Integration und „Sprachen lernen durch Bewegung“ über Gelsensport fortbilden lassen und macht mittlerweile auch eigene Angebote.

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