Kriminalfall

Rückblick: Daten und Fakten zum Fall Annette L.

Eine Hundertschaft durchkämmt im Juli 2015 in Bismarck den Wald zwischen Emscher und Rhein-Herne-Kanal, eine Gruppe verteilt Flugblätter.

Eine Hundertschaft durchkämmt im Juli 2015 in Bismarck den Wald zwischen Emscher und Rhein-Herne-Kanal, eine Gruppe verteilt Flugblätter.

Foto: Oliver Mengedoht

Der Fall der spurlos verschwundenen Gelsenkirchenerin Annette L. beschäftigt die Polizei seit 2010. Eine Chronologie der Ereignisse.

29. Mai 2010: Annette L. wird letztmals lebend gesehen.

7. Juni 2010: Dirk L. meldet seine Frau vermisst, sagt, sie sei fünf Tage zuvor in ihrem Auto fortgefahren, wollte sich eine Auszeit von der Familie nehmen.

25. Juni 2010: In der Haard, einem Waldgebiet bei Marl, wird der Wagen von Annette L. gefunden. Der schwarze Mercedes Van ist komplett ausgebrannt. Auf einer Halde in Scholven findet ein Zeuge um diesen Zeitpunkt herum zwei verbrannte Matratzen. Die Untersuchung ergibt: Sie strammen aus dem Ehebett der Familie. In den Brandresten findet sich ein Jeansknopf mit DNA-Spuren der gesuchten Frau. Die Matratzen im Heim der Familie sind neu. Dirk L. hat sie am 31. Mai 2010 gekauft.


18. Oktober 2011: Dirk. L muss sich vor dem Amtsgericht Buer verantworten – nicht etwa wegen Mord oder Totschlag. Staatsanwalt Marcus Schütz hat angeklagt, was ihm für eine Verurteilung aussichtsreich erscheint: Brandstiftung, Einbruch, Besitz von Kinderpornografie. Für den Hauptvorwurf fehlt weiterhin die Leiche der vermissten Frau. Dirk L. ist nicht aus der Reserve zu locken. Im Berufungsverfahren am Landgericht Essen räumt L. erstmals Lügen ein, beklagt aber auch massiven Druck seitens der Ermittler. Ende März 2012 wird er wegen versuchter Brandstiftung erneut verurteilt: Zwei Jahre Gefängnis auf Bewährung. Damit verliert er seinen Beamtenstatus.


November 2014: Das Verfahren wird nach 2011 erneut eingestellt. Dirk L. wurde verdächtigt, seine Frau getötet, die Leiche beseitig zu haben. Doch die Indizien – ausgebranntes Auto, verbrannte Matratzen, Fährtensuche der Leichenspürhunde – reichen aus Sicht der Staatsanwaltschaft Essen nicht aus, um die Tatversion zu belegen. Nach der ergebnislosen Suche 2015 zieht die Staatsanwaltschaft im März 2017 erneut einen Strich unter das Verfahren: Vieles, heißt es, spräche weiter für ein Kapitaldelikt. Doch ohne eine Leiche und Tötungsspuren sei der Tatverdacht nicht hinreichend.

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