Prozesse

Polizist bricht sein Schweigen

Polizist Dirk L. vor der X. Strafkammer des Landgerichts in Essen, wo er sich gegen seine Verurteilung in Buer wehrt.

Polizist Dirk L. vor der X. Strafkammer des Landgerichts in Essen, wo er sich gegen seine Verurteilung in Buer wehrt.

Foto: WAZ FotoPool

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Essen.Es war ein Verhältnis unter Kollegen. Erst Freundschaft, dann wurde es mehr. Doch jetzt zwei Jahre nach dem Ende der Beziehung steht die 34 Jahre alte Geliebte vor der Saaltür des Essener Landgerichtes. Sicher und sachlich hatte sie zuvor im Prozess gegen ihren früheren Freund Dirk L. (44) ausgesagt. Jetzt fällt die Anspannung. Tränen rollen ihr über die Wangen.

Eine Affäre zweier Polizisten, die für die Strafjustiz noch lange nicht beendet ist. Gegen den heute in Marl wohnenden Gelsenkirchener Polizeibeamten Dirk L. ermittelt die Essener Kriminalpolizei weiterhin wegen des Verdachtes, dass er seine seit Mai 2010 verschwundene Ehefrau Annette (44) umgebracht haben soll. Aktuell muss er sich wegen versuchter schwerer Brandstiftung und Besitz von Kinderpornografie vor der X. Essener Strafkammer verantworten. Taten, auf die die Kripo während der Mordermittlungen stieß.

Vertrauensverlust in Polizei und Justiz

Doch zunächst bricht Dirk L. sein Schweigen im Ermittlungsverfahren. Er lässt seinen Verteidiger Axel Nagler eine Erklärung verlesen, in der er Polizei und Justiz eine Art Verschwörung und einseitige Ermittlungen vorwirft, gleichzeitig aber auch eigene Lügen einräumt.

„Ich habe mich am 28. Juni 2010 entschieden, keine Angaben mehr zu machen“, heißt es in der Erklärung, „die Polizei übte erheblichen Druck auf mich aus. Hilfestellungen, die ich geben wollte, wurden abgelehnt“. Die Polizei hätte ihn auch unter einem Vorwand ins Essener Präsidium gelockt, „um mich unter Druck zu setzen“. Er klagt, dass die Ermittler in Pressemitteilungen von seiner Täterschaft ausgegangen seien.

Vorwürfe richtet er auch gegen Helmut Rottländer, den Amtsrichter in Buer. Zum Prozess im Oktober hätte dieser ihn mit der Polizei zum Saal bringen lassen, „obwohl mein Sohn erkrankt war und mich brauchte“. Drei Wochen nach dem Termin sei sein Sohn gestorben. Seine drei Kinder, für die er sorge, lebten in ständiger Isolation. Heute hege er „tiefes Misstrauen und einen völligen Vertrauensverlust in Polizei und Justiz“.

"Ich brauchte Zeit"

Die Ermittler glauben, dass Dirk L. seine Frau umbrachte, weil seine von ihm schwangere Geliebte auf eine Aussprache mit der Rivalin drängte. Schon zuvor hätte er immer wieder neue Ausreden erfunden, um diese Treffen zu verhindern. Mal hätte er gelogen, dass sein Vater oder seine Schwester gestorben waren. Dann hätte seine Frau wegen Brustkrebs im Krankenhaus gelegen oder er sei in der Wohnung der Geliebten die Treppe hinabgestürzt. Auch die Brandstiftung im Haus einer Freundin seiner Frau hätte er begangen, um der Geliebten ein nachprüfbares Ereignis zu liefern.

In seiner Erklärung räumt Dirk L. die Lügen ein: „Das Verhältnis war ernst gemeint, meine Frau mir nicht egal. Ich konnte mich nicht entscheiden und brauchte Zeit, die ich mir mit den Lügen erkaufte.“ Der Freundin hätte er damals vorgetäuscht, in der Nähe von Hamburg zur Kur zu sein. Sie hätte ihn dort besuchen wollen und die Kinder bei seiner Frau abholen und mitbringen wollen. Als er nachts zu Hause war und zufällig durch ein Telefonat von dem Brand hörte, hätte er das Feuer als Vorwand genutzt, um die Reise der Freundin abzusagen.

Mit der Brandlegung will er nichts zu tun haben: „Ich habe dort nichts angezündet.“ Dass er frühzeitig Täterwissen in einer SMS offenbarte, erklärt er mit Informationen durch Kollegen. Nur durch einen Zufall war der Brand im Treppenhaus frühzeitig erstickt.

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