Missbrauchsvorwurf

Lehrer führte wohl längere sexuelle Beziehung mit Schülerin

Das Max-Planck-Gymnasium in Gelsenkirchen-Buer.

Das Max-Planck-Gymnasium in Gelsenkirchen-Buer.

Foto: Thomas Schmidtke/Funke Foto Service

Buer.  Im Gelsenkirchener Missbrauchsfall gehen Ermittler von einer längeren Sex-Beziehung aus. Ein weiterer Lehrer soll ein Verhältnis gehabt haben.

Im dem möglichen Missbrauchsfall am Gelsenkirchener Max-Planck-Gymnasium (MPG) in Buer sind jetzt weitere Details bekannt geworden. Die zuständige Staatsanwaltschaft Essen geht davon aus, dass der beschuldigte Lehrer „eine länger währende sexuelle Beziehung zu einer Schülerin hatte“. Das sagte Staatsanwalt Niclas von Hobe, zugleich auch Sprecher der Behörde. Hobe zufolge ist die Planck-Schülerin heute 18 Jahre alt.

Außerdem meldete sich bei der WAZ ein Hotelangestellter, der von einer weiteren Lehrer-Schüler-Beziehung am Bueraner Gymnasium berichtete. Dieser Pädagoge soll 2017 ebenfalls eine sexuelle Beziehung zu einer seinerzeit 18-jährigen Oberstufenschülerin gepflegt haben; der junge Mann habe beide damals im Hotel eingecheckt.

Relevant für die Ermittler im erstgenannten Fall ist, welchen Zeitraum das Verhältnis zwischen Lehrer und Schülerin umfasste. Denn das Strafgesetzbuch sieht bei sexuellem Missbrauch Schutzbefohlener unter 18 Jahren eine Freiheitsstrafe von drei Monaten bis fünf Jahren vor.

Staatsanwaltschaft geht bislang von einem Fall aus

Unklar ist außerdem, ob es neben der Schülerin weitere Fälle von Missbrauch gegeben hat. Der WAZ gegenüber hatte eine Mutter den Verdacht geäußert, dass auch ihre Tochter (unter 16 Jahre) eine Beziehung zu dem beschuldigten Lehrer hatte, die Tochter schweige aber beharrlich. Die Staatsanwaltschaft selbst geht bislang nur von einem Fall aus, ob es weitere gibt, „können wir zum derzeitigen Stand der Ermittlungen weder bestätigen noch verneinen“, sagte Niclas von Hobe.

Oberstudiendirektor und Schulleiter Thomas Henrichs sprach am Mittwoch von einer unaufgeregt-ruhigen Stimmung an seiner Schule. „Niemanden hat die Nachricht kalt erwischt“, sagte Henrichs. Im Gegenteil: Viele Eltern hätten die Vorgehensweise der Schule positiv bewertet und dem Kollegium das Vertrauen ausgesprochen. Das Max-Planck-Gymnasium hatte die Eltern per Rundmail am Dienstag informiert.

Beschuldigter hat sich nicht zum Vorwurf geäußert

Schulleiter Thomas Henrichs hat von Amts wegen mit dem beschuldigten Lehrer gesprochen und ihm die „Ausführung weiterer Dienstgeschäfte“ untersagt. „Er hat sich zu den Vorwürfen aber nicht geäußert“, so Henrichs zum Inhalt der Unterredung. Wann genau es zu der Suspendierung gekommen ist, blieb unbeantwortet. Ebenso die Frage, ob der Lehrer Polizei und Justiz schon Rede und Antwort gestanden hat. Weil aber die Schulaufsichtsbehörde, die Bezirksregierung Münster, und auch die Staatsanwaltschaft Essen bereits tätig geworden sind, dürfte schon etwas Zeit vergangen sein.

Henrichs gab gegenüber dieser Zeitung an, dass es einen solchen Fall seit seinem Amtsantritt im Jahr 2013 „noch nicht gegeben hat“. Auch sein Vorgänger habe ihm über derartige Vorfälle nichts berichtet.

Angebliches Schäferstündchen in einem Essener Hotel

Dem widerspricht ein junger Gelsenkirchener, der angeblich an einem Hotel im Essener Ruhrturm angestellt war und im Sommer 2017 die Zimmerbuchung eines anderen MPG-Lehrers bearbeitet haben will. „Er kam mit seiner Lehrertasche wohl geradewegs aus der Schule und wollte das beste Zimmer des Hauses haben, ein schickes Apartment“, so der junge Mann, der anonym bleiben möchte. Der Pädagoge, so die Schilderung, hinterlegte bei dem Gelsenkirchener an der Rezeption eine Zimmerkarte für die Oberstufenschülerin S., damals 18 Jahre alt. Die junge Frau checkte ebenfalls kurz darauf ein, es war ausgerechnet eine Schulkameradin seiner damaligen Freundin. Und die habe ihm bestätigt, als er ihr kurz darauf die Namen seiner Gäste nannte.: „Klar, das ist Herr…, unser ...-Lehrer. Und S., die hat sich heute krank gemeldet.“

Abhängigkeitsverhältnis zwischen Lehrer und Schüler

Auch in diesem Fall stünde im Falle eines Ermittlungsverfahrens die Frage im Raum, wie alt die Schülerin gewesen ist, als das Verhältnis begann. War sie jünger als 18, drohte auch hier eine Haftstrafe. War sie bereits volljährig, so hätte es zumindest disziplinarische Konsequenzen haben können, wenn der Fall größere Kreise gezogen hätte. Denn ein Lehrer-Schüler-Verhältnis ist von Abhängigkeit geprägt. Stichwort: Versetzung, Noten und mehr.

Eine Woche später sei der verheiratete MPG-Lehrer wieder im selben Hotel aufgetaucht. Erneut stand ein Zimmer bereit. Seine Begleitung sei dieses Mal eine andere junge Frau gewesen.

Der Lehrer selbst „verwehrt“ sich gegen diese Vorwürfe, ist „geschockt und kann nicht nachvollziehen, wer solche Behauptungen einfach in den Raum stellt. Das stimmt alles nicht.“

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