Klimaschutz

Mehr als 500 Demonstranten beim Klimastreik in Gelsenkirchen

Sonnenblumen gegen die Betonwüste in der City und konkrete Vorschläge für Klimaschutz vor Ort hatten die Klimaschützer in Gelsenkirchen im Gepäck.

Sonnenblumen gegen die Betonwüste in der City und konkrete Vorschläge für Klimaschutz vor Ort hatten die Klimaschützer in Gelsenkirchen im Gepäck.

Foto: Michael Korte / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  Mehr als 500 Demonstranten plus Interessierte an Infoständen: Die Unterstützung beim Fridays-for-Future-Klimastreik war groß in Gelsenkirchen.

Unüberhörbar und unübersehbar war die Fridays-for-Future-Aktion am internationalen Aktionsfreitag. Über 500 Demonstranten versammelten sich um 12 Uhr um ein Sonnenblumenfeld (in Töpfen) und Lebensbäumchen zwischen den beiden Innenstadtkirchen, um für den Klimaschutz zu demonstrieren. Familien, Schüler, Studenten, Großeltern, Berufstätige, Rentner – bunter gemischt geht es kaum. Eingeläutet wurde die Aktion von den Glocken beider Kirchen.

Die jugendlichen Veranstalter rückten in den Auftaktreden diesmal den Klimaschutz vor Ort in den Mittelpunkt. Gerade der Ort der Demonstration gereichte dafür als perfektes Beispiel: Der frisch renovierte Heinrich-König-Platz zählt zu den ärgsten Hitzeinseln der Stadt. „43 Grad haben wir hier im Sommer gemessen. Alles ist versiegelt, es gibt kein Grün, keinen Schatten: Das wäre auch für die Veranstaltungen, die hier stattfinden, hilfreich“, klagte Jan Bretinger, einer der Sprecher der Gelsenkirchener Fridays. Unter frenetischem Beifall forderte er mehr Grün für die Innenstadt, mehr Bäume auch gerade für die Achse zum Musiktheater, die ebenfalls durch die jüngste Renovierung einen Kahlschlag erlebte. „Im Bereich der Fußgänger in der Mitte gibt es keinen Schatten. Das ist gefährlich, besonders für ältere Menschen“, klagte er.

Ideen für mehr Umweltschutz vor Ort gesammelt

Im Anschluss wurden Ideen gesammelt für mehr Umweltschutz vor Ort. Die Liste der Vorschläge aus der Demonstrantengruppe war lang. Weniger Plastik in Supermärkten, nur Recyclingpapier in Schulen, Trinkbrunnen in Schulen statt Plastikflaschen, kostenloser Öffentlicher Nahverkehr finanziert durch eine Mobilitätssteuer, Radwegeausbau, die Bedeutung regionaler Versorgung als Schulstoff, Bäume pflanzen, wo immer es möglich ist. . . Die Liste war so lang, dass der Demonstrationszug erst um 12.30 Uhr startete in Richtung Bahnhofsvorplatz.

zehntausende beteiligen sich an klima-demos in deutschland

Er füllte ohnehin die Bahnhofstraße, der Demonstrationszug. Die wenigen Menschen am Rand, die nur schauten, wurden lautstark im Chor aufgefordert, mitzugehen. Der Bitte folgten zwar wenige, doch die Aufmerksamkeit war da und in den meisten Gesichtern war auch Wohlwollen erkennbar. Am Bahnhofsvorplatz spendete das Eiscafé einen Stuhl als Podest, damit die Redner hör- und sichtbar waren. Die Akustik ließ zu wünschen übrig, dass die Verdi-Jugend sich solidarisch erklärt, kam aber noch rüber. Politiker waren nur vereinzelt im Gefolge, und die, die gekommen sind, haben dem Wunsch der Veranstalter entsprochen und tragen keine Parteifahne. Nur die Aktiven der evangelischen Kirchengemeinden, Verdi und (auch diesmal) die antikapitalistischen Rebell-Demonstranten zeigen ihre Fahnen.

ADFC-Aktion wegen zu hoher Auflagen vom Amt ausgefallen

Klimagerechtigkeit, Generationengerechtigkeit – die Themen sind naturgemäß die gleichen wie bei allen Klimademos. Doch diesmal ist die allgemeine Aufmerksamkeit besonders groß. Das Berliner Klimapaket ist fast kein Thema, dafür aber die Verkehrspolitik von Andreas Scheuer. Mit von der Demonstrationspartie ist schließlich auch der ADFC, der Fahrradclub, auch wenn die geplante Aktion nicht stattfinden kann, man sich auf einen Informationsstand beschränken muss.

Das Ordnungsreferat hatte für die geplante Parkplatzbesetzung vor dem Agendabüro an der von-Oven-Straße mit Liegestühlen, Blumen und Spielen zu hohe Auflagen gemacht. Hohe Bauzäune statt Flatterband sollten den Bereich absperren, forderte das Amt. Für die ehrenamtlichen Mitarbeiter eine zu hohe Hürde. Die Vorsitzende Maja Tölke dazu: „In anderen Städten ist das kein Problem gewesen, die Aktionen zum ‘ParkinDay“ zu starten. Aber in Gelsenkirchen haben es Radfahrer ohnehin besonders schwer. Nicht beim Freizeit-, aber beim Alltagsradeln. Bei uns am Infostand haben sehr viele eine nutzbare Radverbindung zwischen Buer und Gelsenkirchen gefordert. Sie muss nicht schön sein, nur sicher. Aber da tut sich nichts.“

Infostände von „Parents for Future“ organisiert

Die „Parents for Future“ haben sich beim Schülerstreik zurückgehalten, bei den ganztägigen Infoständen mit Veganern, den „Entrepreneurs for Future“ – also Unternehmern –, der Foodsharing-Gruppe gegen Lebensmittelverschwendung und den Kirchengemeinden aber haben die Eltern entscheidend mitgewirkt. Die Schüler, von denen mehrere auch bei „Plant for Planet“ aktiv sind, haben zudem Setzlinge von Eichen, Kastanien, Hainbuchen und Ahorn eingetopft und verschenken sie an alle, die versprechen, sie auch einzupflanzen.

Ab 14 Uhr gab es noch eine weitere Klimaschutzaktion vor der Altstadtkirche. Wie an jedem Freitag um diese Zeit luden hier die jungen Kapitalismuskritiker und Klimaschützer rund um Rebell und die ihnen nahe stehende Umweltgewerkschaft zum Protest und Information. Gut 50 Interessierte informierten sich, diskutierten.

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