Klimawandel

In Gelsenkirchen ist auch freitags Unterricht statt Streik

Szenen einer Schülerdemonstration im Rahmen von „Fridays for Future“ in Essen Anfang Februar. Organisiert werden die Proteste von Regionalgruppen vor Ort.

Szenen einer Schülerdemonstration im Rahmen von „Fridays for Future“ in Essen Anfang Februar. Organisiert werden die Proteste von Regionalgruppen vor Ort.

Foto: André Hirtz

Gelsenkirchen.   Auch im Ruhrgebiet demonstrieren tausende Schüler für mehr Klimaschutz. In Gelsenkirchen gibt es viel Sympathie dafür, aber wenig Aktivität.

Die Schwedin Greta Thunberg (16) hat sie ins Leben gerufen, die weltweiten Schülerproteste unter dem Motto „Fridays for Future“, die Politiker und Unternehmen zum Handeln gegen den Klimawandel auffordern. In Bochum, Dortmund und Essen haben sich Regionalgruppen gegründet, die Freitagsdemonstrationen organisieren, Schulministerin Yvonne Gebauer hat schon wiederholt mit Sanktionen für Teilnehmer gedroht. Liegt es daran, dass in Gelsenkirchen die Freitage demonstrationsfrei bleiben? Wir fragten bei Gelsenkirchener Schülervertretern von weiterführenden Schulen nach, bei Lehrern, Schulleitern und der Bildungsdezernentin.

Dabei zeigt sich: An Gelsenkirchener Schulen steht auch an Freitagen kein Protest für mehr Maßnahmen gegen den Klimawandel auf dem Stundenplan. Das Thema ist zwar in den Köpfen, die von der Ministerin angemahnte Schulpflicht zu vernachlässigen ist jedoch kein Thema. Auch die meisten befragten Schulleiter und Lehrer befürworten das Engagement, aber bitte außerhalb der Schulzeit.

Bildungsdezernentin weist auf Schulpflicht hin

Bildungsdezernentin Annette Berg zeigt sich „beeindruckt, dass so viele junge Menschen sich für ihre Thematik, ihre Zukunft einsetzen, für ihre Lebenswelt kämpfen. Ob das mit Schule schwänzen verbunden sein muss, ist die Frage. Es besteht Schulpflicht!“

Weniger strikt zeigt sich Volker Franken, Leiter der Evangelischen Gesamtschule Gelsenkirchen (EGG). „Grundsätzlich bin ich der Auffassung, dass eine bewusste Auseinandersetzung mit lebenswichtigen Themen in der politischen Realität oft einen größeren Lerneffekt hat als einzelne Tage in der Schule.“

Widerstand gegen Aufrüstung und Atomkraft

Auch zu seiner Schulzeit sei es außerschulisch um Fragen wie den Widerstand gegen Atomkraft und Aufrüstung gegangen. „Ich bin heute noch froh darüber, mich damit innerhalb und außerhalb der Schule auseinandergesetzt zu haben. Deswegen wünsche ich mir auch heute für Schulen eine kritische Reflexion dieser gesellschaftspolitischen Themen in verschiedenen Fächern und einen verständnisvollen Umgang mit den Schülerinnen und Schülern, die sich an den ‘Fridays for Future’ beteiligen.“

Rolf Möller, Leiter des Ricarda-Huch-Gymnasiums, betont: „Die freie politische Meinungsäußerung halte ich für ein hohes Gut in unserer demokratischen Gesellschaft und schätze die Bereitschaft der jungen Leute sehr, sich für das bedrohte Klima unserer Erde aktiv zu engagieren.“ Als Schulleiter aber sei er auch für die Einhaltung der Schulpflicht verantwortlich.


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