Prozess

Heroinhandel: 62-Jährige muss vier Jahre ins Gefängnis

Die Angeklagte neben ihrer Verteidigerin Silvia Oster.

Die Angeklagte neben ihrer Verteidigerin Silvia Oster.

Foto: André Hirtz / André Hirtz / Funke Foto Services

Essen  Gelernt hat die 62 Jahre alte Gelsenkirchenerin aus ihren Fehlern nicht. Erneut muss sie wegen Drogenhandel ins Gefängnis, diesmal vier Jahre.

Das Urteil zeigte Wirkung. Deutlich war der Gelsenkirchenerin am Dienstag anzusehen, dass das Strafmaß sie geschockt hatte. Denn erneut hatte die 62 Jahre alte Jeanette R. mit Drogen gehandelt, muss dafür vier Jahre ins Gefängnis. Es ist nicht ihre erste Zeit der Unfreiheit.

Im Kilobereich hatten Jeanette R. und ihr Lebensgefährte Gerald O. (55) seit Mitte 2018 Heroin aus den Niederlanden nach Gelsenkirchen geschmuggelt. Nachbarin Tanja S. (47), die nebenan in der Altstadt wohnte, half als Kurier und beim Weiterverkauf. Schließlich machte noch Dirk P. mit, ein Freund aus Hamm, der den Stoff ebenfalls aus dem holländischen Grenzort Roermond ins Ruhrgebiet brachte.

Heroin von "hervorragender Qualität"

Vorstrafen hatten sie alle, auch der Stoff war laut Richterin Gabriele Jürgensen von "hervorragender Qualität". Das wirkte sich aufs Strafmaß aus. Dirk P. bekam neuneinhalb Jahre Haft, Gerald O. sechs Jahre Gefängnis. Bei Tanja S. lautete das Urteil der XVII. Essener Strafkammer auf vier Jahre Haft. Im Gegensatz zu Jeanette R. sind ihre drei Mitangeklagten drogensüchtig.

Am eigentlichen Handel mit Heroin war Jeanette R. weniger beteiligt als ihre Mitangeklagten. Sie gilt der Kammer aber als "Schaltstelle", weil sie die Kontakte zwischen den Angeklagten hergestellt hatte.

Schon viele Jahre in Haft

Und dann gab es ihre Vorstrafen. "Sie lernt es nicht", hatte Staatsanwalt Peter Gehring in seinem Plädoyer mehr oder weniger bedauernd festgestellt und viereinhalb Jahre Gefängnis beantragt. Wegen Brandstiftung und Versicherungsbetrug hatte das Landgericht Essen sie 1994 zu drei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt.

Als "Kopf einer Drogenbande" galt sie der Essener Justiz im Jahre 2011. Schon da hatte sie ihr bieder wirkendes Aussehen genutzt, um mit Drogen zu handeln. Dafür gab es damals sechseinhalb Jahre Gefängnis.

Nur eine kurze Zeit in Freiheit

Im Juni 2018 verließ sie die Haftanstalt, zog mit Gerald O. in der Gelsenkirchener Altstadt zusammen. Es blieb ihr nur eine kurze Zeit in Freiheit, aber diese reichte aus für das, was ihr jetzt das Urteil anlastete. Denn nach nur vier Monaten klickten erneut die Handschellen, Jeanette R. kam wieder einmal in Untersuchungshaft. Nach dem Urteil darf sie in Freiheit. Wird es aber rechtskräftig, muss die 62-Jährige ihre Strafe verbüßen.

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