Nachwuchsmangel

Gelsenkirchener Schützenverein schafft das Königsschießen ab

Gerd Kazmierczak, amtierender Kronprinz und Festausschussvorsitzender der Gelsenkirchener Schützengilde 1965 e. V., und die Pressewartin Karin Kleppek im Vereinsheim im Keller der Gesamtschule Ückendorf in Gelsenkirchen.

Gerd Kazmierczak, amtierender Kronprinz und Festausschussvorsitzender der Gelsenkirchener Schützengilde 1965 e. V., und die Pressewartin Karin Kleppek im Vereinsheim im Keller der Gesamtschule Ückendorf in Gelsenkirchen.

Foto: Olaf Ziegler / Funke Foto Services GmbH

Ückendorf.  Erstmals wird es bei dem Verein Gelsenkirchener Schützengilde keinen traditionellen Schützenkönig geben. Der Grund ist fehlender Nachwuchs.

Seit 1965 besteht der Verein Gelsenkirchener Schützengilde. Seit 19 Jahren hat sich der Schützenverein im Kellerräumen der Gesamtschule Ückendorf niedergelassen. Seit diesem Jahr wird es erstmals kein Königsschießen mehr geben.

„Wir waren selbst alle schon König und die Jugend fehlt, die die Tradition weiterführen will“, erklärt Klaus Stoffel. Der 67-Jährige ist der erste Vorsitzende des Vereins und hatte selbst dreimal das Zepter in der Hand. Der amtierende Kronprinz und Festausschussvorsitzende Gerd Kazmierczak (70) trägt bereits im sechsten Jahr die Krone. In diesem Jahr werden die Insignien (Königskette und Krone) nach 54 Jahren erstmals eingeschlossen. „Das bleiben die so lange, bis sich neue, junge Königsanwärter melden“, so Stoffel, der seit 1997 sein Amt trägt.

Moderne Schießanlage

In dem Vereinsheim, einem ehemaligen Atomschutzkeller, reihen sich in einem urigen Regal eine Vielzahl an Pokalen aneinander, Vereinsfotos und Ehrenscheiben schmücken die Wände. Teils aus dem eigenen Wohnzimmer ausrangiert, teils selbstgebaut ist das Mobiliar in einem Aufenthaltsraum. Im Nebenraum befindet sich eine elektronische Schießanlage.

„Die Anlage ist in Gelsenkirchen mit einer zweiten in Buer einzigartig“, betont Kazmierczak stolz. Infrarot-Elektroden messen die Zielgenauigkeit der Schüsse. Bei einigen jungen Leuten würde der Schießsport zwar gut ankommen, aber das Traditionelle gehe verloren. Zeit und Geld müsste dafür investiert werden. Pressewartin Karin Kleppek: „Anders als früher ist der Verein heutzutage allerdings so sozial eingestellt, dass es sich jeder leisten kann, König zu werden.“ Jedoch bestehe die Pflicht, vorab mindestens zwei Jahre Vereinsmitglied zu sein.

Verstärkte Auflagen

13 Mannschaften gehören der Gelsenkirchener Schützengilde an, die sich aus drei bis fünf Personen zusammensetzen. Genutzt werden Luftpistolen, Kleinkalibergewehre und Sportpistolen. Im Vereinsheim selbst seien allerdings nur die Luftpistolen erlaubt. Traditionelle Veranstaltungen würden auch oftmals in ländlichen Gegenden stattfinden, da die Auflagen und Kontrollen sich in Gelsenkirchen enorm verstärkt hätten. „Wenn auf dem Land 100 Prozent kontrolliert wird, ob alles rechtens ist, kontrolliert man hier 300 Prozent“, so Stoffel.

Aber auch der Verein selbst, mit 80 Mitgliedern, befolgt Sicherheitsmaßnahmen. So befinden sich die Waffen hinter mehreren verschlossenen Türen in schweren Tresoren. Lediglich vier Personen haben Schlüssel, um diese öffnen zu können. Den Mitgliedern ist es bewusst, dass sich die Sichtweise vieler Menschen auf Schützenvereine gerade durch Amokläufe an Schulen geändert hat. Auch gäbe es immer wieder Anfragen für den großen Waffenschein, den Stoffel erst nach fünf Jahren Mitgliedschaft unterschreibt. Der Vereinsvorsitzende: „Für uns ist Schießen reiner Sport, bei dem es viel um Konzentration geht.“

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