Stadtentwicklung in Buer

Gelsenkirchen: Hotel-Pläne für Weiser-Kaufhaus vom Tisch

Das einstige Weiser-Kaufhaus in Gelsenkirchen-Buer ist völlig entkernt, derzeit wird es von Hausmeister Klaus Barthel (r., hier mit Makler Ralf Robert Hundt) gereinigt. Vom 2. bis 6. Oktober dient es als Ausstellungsfläche für eine Lichttechnik-Installation, Teil des Festivals „Goldstücke“.

Das einstige Weiser-Kaufhaus in Gelsenkirchen-Buer ist völlig entkernt, derzeit wird es von Hausmeister Klaus Barthel (r., hier mit Makler Ralf Robert Hundt) gereinigt. Vom 2. bis 6. Oktober dient es als Ausstellungsfläche für eine Lichttechnik-Installation, Teil des Festivals „Goldstücke“.

Foto: Olaf Ziegler / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen-Buer.  Die Familie Weiser hat die Hotel-Pläne für ihr Eck-Haus an der Hoch-/Horster Straße ad acta gelegt. Machbarkeitsstudie soll Nutzungen ausloten.

In das markante Weiser-Kaufhaus an der Ecke Hoch-/Horster Straße kommt Bewegung, und das buchstäblich: Es wird vom 2. bis 6. Oktober einer von zehn Schauplätzen des ersten Lichtspiele-Festivals „Goldstücke“. Erstmals seit der Schließung des Mode-Hauses Sinn im Frühjahr 2017 können Interessierte nun wieder jenes Gebäude betreten, das seit 1927 wie kein anderes den Eingang zur City Buers prägt. Diese Zeitung bekam schon mal vorab Gelegenheit dazu – Gespräch über die künftige Nutzung inklusive.

Fläche für die „Goldstücke“-Lichtspiele in Buer

Von wo aus früher die Rolltreppe in die oberen vier Etagen führte, klafft ein Loch im Boden. „Vorsicht“, warnt Tatjana Weiser, seit Anfang 2018 neben Hermann-Josef und Michael Weiser die dritte Geschäftsführerin der Weiser Immobilien Grundstücksgesellschaft, und streckt zur Sicherheit den linken Arm aus. Noch ist hier nichts abgesperrt, denn bis zum Start der Kunst-Aktion ist ja noch Zeit. „Bis zum Wochenende müssen wir mit der Grundreinigung durch sein, dann kommt der Künstler Max Sudhues“, erzählt die 47-Jährige im Plauderton und lächelt. „Er war sofort begeistert von der 786 Quadratmeter großen Fläche. Gut, dass wir sie bereits komplett entkernt haben.“

Geschäftsführerin verbindet Kindheitserinnerungen mit Kaufhaus Weiser

Durch die mit großformatigen Farbfotos verklebten Schaufenster fällt gedämpftes Licht herein und gibt den Blick frei auf noch verstaubte Beton-Böden und -Wände – und einen vor Jahrzehnten dekorativ verschlossenen Lichthof im Dach des fünfgeschossigen Gebäudes. „Das Ganze hat schon Flair“, begeistert sich Tatjana Weiser auch nach unzähligen Ortsterminen noch für das Haus, mit dem die gebürtige Kirchhellenerin Kindheitserinnerungen verbindet. „Als kleines Mädchen bin ich mit meiner Oma immer nach Buer gefahren, um mich bei Weiser neu einzukleiden.“

Konkrete Vorstellungen für die Nutzung

In Sachen Folgenutzung hat sie konkrete Vorstellungen. „Wer auch immer die Räume beziehen wird, soll Buer bereichern und die Kaufkraft stärken. Wir wollen uns auf keinen Fall den x-ten Billigtextiler oder Handyladen ins Haus holen“, betont die Ehefrau von Michael Weiser, die im Zuge einer Umstrukturierung innerhalb der Eigentümerfamilie Geschäftsführerin wurde. „Anfang 2018 haben wir uns von einem Stamm der Familie getrennt und deren Mitglieder ausgezahlt, so dass nun nur noch der in Buer ansässige Stamm von Karl und Josef Weiser Eigentümer der Immobilien ist. Und der will diese auch behalten.“

„Mieter soll Buer attraktiver machen“

Die ursprünglichen Pläne, das Eckhaus mit der denkmalgeschützten Fassade zu einem Hotel umzubauen, sind mittlerweile vom Tisch. „Weil wir keine statischen Unterlagen hatten, mussten wir eine Grundlagenermittlung vornehmen lassen. Dabei stellte sich heraus, dass das Gebäude beim Bau einer Tiefgarage um zwei bis drei Prozent absacken könnte. Deshalb haben wir das Vorhaben verworfen.“

Nun sei ein Architekt mit einer Machbarkeitsstudie beauftragt worden, mehrere Möglichkeiten für Folgenutzungen auszuloten. Welche genau das sein könnten, sei noch unklar. „Wir sind nach allen Seiten offen, solange der Mieter Buer attraktiver macht.“ Denkbar seien im Erdgeschoss sowohl Einzelhandel als auch Gastronomie, in den Obergeschossen auch Dienstleistungen oder Wohnen. „Vorstellbar ist auch eine großflächige Nutzung für den Einzelhandel. Es wiederholen zwar viele immer wieder, etwas Derartiges sei heute nicht mehr möglich. Aber wir wollen abwarten und schauen, was geht“, stellt Ralf Robert Hundt klar, der als Makler mit der Vermarktung der Immobilie betraut ist und die Verkaufsfläche „nicht unbedingt in kleinere Einheiten aufteilen“ will.

Dass in die oberen Etagen Studenten einziehen können, so wie es im anderen Weiser-Kaufhaus an der Hochstraße 7 vorgesehen ist, erscheint Tatjana Weiser derzeit eher unwahrscheinlich. „Eine Anfrage beim Akademischen Förderungswerk der Westfälischen Hochschule hat ergeben, dass dieses erst einmal keinen weiteren Bedarf sieht.“ Unter Druck setzen lassen mag sie sich freilich nicht, Qualität geht ihr vor Schnelligkeit. „Es soll am Ende das Richtige dabei herauskommen.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben