Volkstrauertag

Gedenken an die Opfer der Arbeit und weltweiter Ausbeutung

Volker Bruckmann.)vom Heimatbund Gelsenkirchen und Karlheinz Rabas von der Bergbausammlung Rotthausen legten auf dem katholischen Altstadtfriedhof den Kranz nieder.

Volker Bruckmann.)vom Heimatbund Gelsenkirchen und Karlheinz Rabas von der Bergbausammlung Rotthausen legten auf dem katholischen Altstadtfriedhof den Kranz nieder.

Foto: Ingo Otto/FFS

Gelsenkirchen.  Auf dem Altstadtfriedhof in Gelsenkirchen finden die Redner aktuelle Bezüge am Volkstrauertag. Menschenrechte und Armut stehen im Blick.

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Die Gedenkfeier des Heimatbundes Gelsenkirchen zum Volkstrauertag bot am Mahnmal auf dem katholischen Altstadtfriedhof Gelegenheit für einen Rückblick ins Jahr 1887. Doch stellten die Redner auch Bezüge zur Neuzeit her, die nachdenklich machten.

An die verunglückten Bergleute erinnert das Monument, gewidmet von der Hibernia-Shamrock Bergwerks-Gesellschaft. Nachdem das Denkmal auf dem evangelischen Friedhof gegenüber im 2. Weltkrieg zerstört wurde, übertrug man die Namen hierher, an 24 Kumpel beider Konfessionen erinnert es nun. Interessantes hatte im geschichtlichen Konsens Volker Bruckmann vom Heimatbund in den Archiven aus der Zeit Ende des 19. Jahrhundert als Werbung für die Arbeit im Ruhrgebiet entdeckt hatte.

Ursprung der Bergarbeiter-Siedlungen

Die rheinländischen Gegenden muteten danach an wie idyllische masurische Dörfer, „reizende neue Kolonien“ offerierte man den Fremdarbeitern, die zu Beginn der Industrialisierung auf den Gelsenkirchener Zechen gesucht wurden. „Wohnungen mit trockenem Keller zur Lagerung der Früchte und Kartoffeln“, und „Ställe für Schweine, Ziegen oder Hühner“, das fänden sie in Siedlungen wie Flöz Dickeband, die Miete im Monat vier Mark für ein Zimmer, wovon jeder Kostgänger eine Mark beisteuerte“, mit breiten Straßen, Kanalisation und elektrischem Licht und Versorgung durch den werkseigenen „Konsum“.

„Viele Denkmäler wie dieses erinnern uns an das Leid der Familien beim Tod des Versorgers“, schilderte Bruckmann, „in einer Zeit, als Arbeit länger und schwerer war und der Arbeitsschutz kaum vorhanden.“ Die zunächst „gute Nachricht“, die ihm beim Evangelischen Kirchentag ins Auge fiel, dass der Anteil der Kinderarbeit zwischen 1950 und 2012 von 28 auf zehn Prozent weltweit gesunken sei, stelle nur eine statistische Verbesserung dar, unbedingt bestehe weiter Handlungsbedarf.

Amnesty International: Verletzung von Menschenrechten

Das gelte auch für die Vernichtung des Regenwaldes zur Gewinnung von Palmöl etwa, „27 Millionen Hektar, mehr als die Größe Großbritanniens“, verbunden mit „systematischer Menschenrechtsverletzung und Ausbeutung“, wie dies Amnesty International anprangere.

Auch das Schicksal der Zwangsarbeiter, die bei dem größten Bombenangriff auf Gelsenkirchen am 6. November 1944 unter den insgesamt 518 Opfern waren, weil sie nicht in Schutzräume oder Bunker flüchten durften, rief Bruckmann eindringlich wach: „Auch das waren Opfer der Arbeit.“

Pfarrer Henning Disselhoff fand aktuelle Bezüge in den biblischen Gleichnissen von den Arbeitern im Weinberg und der Speisung der 5000: „Vieles hat sich kaum geändert, noch immer sehen wir Armut und regelrechte Sklavenarbeit, und müssen uns fragen: Wie können wir das ändern, wie können wir daraus lernen? Wie gehen wir bei einer Weltbevölkerung von bald acht Milliarden Menschen mit den Ressourcen um?“

Die Gedenkfeier endete mit einer Kranzniederlegung und dem Lied vom „Treuen Kameraden“ von Trompeter Walter Ollesch.

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