Galeriemeile

Galeriemeile öffnet in Gelsenkirchen – ohne die Kunststation

Die Galeriemeilen-Künstler vor ihrer neuen Dependence an der Bochumer Straße 109. Auf drei Etagen gibt es hier Kunst. Und Samstag um 14 Uhr die Eröffnung.

Die Galeriemeilen-Künstler vor ihrer neuen Dependence an der Bochumer Straße 109. Auf drei Etagen gibt es hier Kunst. Und Samstag um 14 Uhr die Eröffnung.

Foto: Christoph Wojtyczka

Gelsenkirchen-Ückendorf.   Am 4./5. Mai regiert mit der Galeriemeile in Gelsenkirchen-Ückendorf wieder die Kunst. Der Tod von Bernd Mauß wirft einen Schatten darauf.

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Ein trauriger Schatten fällt auf das kommende Wochenende, 4./5. Mai, an dem die Künstler der Galeriemeile die Türen zu ihren Ateliers öffnen. Bernd Mauß wird zum ersten Mal nicht mit seiner Frau Marion die Türen zum gemeinsamen Atelier auf der Kunststation Rheinelbe öffnen können. Der Bildhauser verstarb, wie erst jetzt bekannt wurde, am 25. April. dabei sein. Die Kunststation bleibt aus diesem Grund entgegen der Ankündigung in den Flyern geschlossen.

Eröffnet wird die Galeriemeile diesmal im gemeinsamen Ausstellungsort an der Bochumer Straße 109. Zehn Künstlerinnen und Künstler zeigen hier ihre Zeichnungen, Gemälde, Fotografien, Lichtobjekte und Installationen. Der Startschuss zu „Tür auf 2019“ fällt am Samstag, 4. Mai um 14 Uhr. Oberbürgermeister Frank Baranowski und der neue Vereinsvorsitzende Frank Helferich übernehmen die Eröffnung, „Boogie Man“ Thomas Nowak stimmt am Piano mit Rhythm’n Blues und Boogie Woogie ein.

Die Dependence als Kunstobjekt

Ein unscheinbarer Eingang neben dem Stadtteilbüro führt in ein schmales, gewundenes Wendel-Treppenhaus, aus dem drei Ausstellungsetagen erwachsen. Eine „Neue“ im Verein, Bärbel Frank, hat denn auch gleich dieses Treppenhaus genutzt, es mit einem „Red and Green Chaos“-Geflecht aus Fäden sinnfällig vernetzt. Ihr Schwerpunkt sind taktile Arbeiten; „Tako – Kunst zum Anfassen“ mit Holz, Watte und Seidenstrümpfen ist ihr Schwerpunkt.

Assoziationen zu menschlichen Gesichtern

Im ersten Raum im Erdgeschoss begrüßen kleinformatige Assoziationen menschlicher Gesichter den Besucher, eigens für diese Wand von Marion Mauß geschaffene kleine Gemälde. Ihr gegenüber die Zeichnungen von Bernd Mauß, Variationen über eine Figur, die er noch eigens für die Ausstellung gefertigt hatte.

Die Wohnung an der Bochumer Straße 109 selbst atmet noch den Charme des Unfertigen mit seinen abgewohnten Tapeten, der Kunst indes tut das keinen Abbruch. Ebenfalls im Erdgeschoss zeigt Roland Berger Fotografien mit übersehenem Sehenswertem aus der Nachbarschaft mit verblüffenden Effekten. Regina Klein lenkt in ihren Fotoarbeiten den Blick auf Details, blickt hinter die Dinge, sucht die schönen Aspekte. In der Ausstellung zeigt sie Eindrücke eines Spaziergangs zur Himmelsleiter.

Wunderbares „Licht im Schacht“ vom Neuzugang

Auch Idur Eckle hat die neuen Räume selbst zum Kunstobjekt erhoben: Für sein eindrucksvolles Poster setzte er ein Model ins Zentrum des auch grafisch reizvollen Wendeltreppenhauses. Simone Kamm, ein Neuzugang bei der Galeriemeile, nutzt Nischen im Raum, um ihre warmen Lichtobjekte zum Thema „Licht im Schacht“ zu präsentieren. Ihre aus Spargelschalen handgeschöpften Reliefs mit LED-Beleuchtung strahlen warm von innen und zeugen von Hochachtung vor Material und Thema. Marion Falkowski zeigt Panorama-Fotografie, zusammengesetzt aus bis zu 40 Einzelfotografien. In ihren Arbeiten fächert sie die Arena ebenso auf wie Brücken, verändert den Blick auf Räume und Architektur.

Vom Tanz ums schwarz-rot-goldene Kalb

Im Obergeschoss zeigt Frank Helferich den aktuellen Tanz ums schwarz-rot-goldene Kalb. Beim Kalb allerdings handelt es sich um eine Dose. Eine rote, eine blau-gelbe und eine schwarze Dose, liegend, leer; sie erinnern nicht zufällig an Parteien. Die Wand daneben gehört Gaby Rottes. Die Halfmannshof-Künstlerin zeigt leuchtende Fotografien auf gebürstetem Aluminium. Der Titel der Reihe, in der die Fotografin Licht und Schatten auslotet und so nahezu dreidimensionale Effekte erzeugt: „Mondlicht“.

Farbintensive Menschenbilder von den Eckles

René Sikkes, ebenfalls vom Halfmannshof, stellt in der neuen Dependence Teile seiner „Hybrid-Serie“ vor: fotografisch collagierte Fiktion, Fantasieblumen, mit Papier aufs Foto gesetzt. Roman Pilgrim beschränkt sich hier auf zwei Arbeiten aus seiner 2018er-Serie, in denen er einen Rückblick auf die von ihm in den letzten genutzten Techniken wirft. Ilsebill Eckle gibt hier eine Kostprobe ihrer farbintensiven „Menschenbilder“, großformatige Gemälde, die den Kontakt zum Betrachter herzustellen trachten.

14 Ausstellungsorte an zwei Tagen geöffnet

14 Ausstellungsorte zählt die Galeriemeile diesmal zwischen Halfmannshof und „ue12“. Die maximale Entfernung beträgt gangbare 2,7 Kilometer – gutes Schuhwerk kann dennoch nicht schaden. Wer bei den Eckles am „ue12“ (Ückendorfer Str. 12) startet, wird „In Farbe und bunt“ begrüßt. Dazu gibt es Samstag und Sonntag ab 16 Uhr einen Vortrag im Haus. Über die Spichernstraße, wo „Frau Zagorny malt“, über die Bergmannstraße 32 mit dem Eurasia Kulturverein und Roman Pilgrim, der über die Hintergründe seiner Berlin-Flucht aufklärt, geht es zur Hausnummer 37, ins Artdepot von Renate Brändlein, die Skulpturen aus Altmaterial zeigt.

Vom „Aufbäumen“ und „Eulenweisheiten“

An der Nr. 53 wartet der Bund Gelsenkirchener Künstler mit der Ausstellung „Aufbäumen“ von Christian Hardick und Monika Stolarczyk-Salehian und einer „Spontanen Lesung“ Samstag um 18 Uhr. Heinz Stein hat an der Bergmannstraße 65 das Thema „Eulen und Licht vertragen sich nicht“: mit Holzschnitten, Skulpturen und „Eulenweisheiten“ am Samstag, 16 Uhr, und Sonntag. 15 Uhr.

Heimat aus der Sicht von jungen Flüchtlingen

Über die neue Dependence an der Bochumer Str. 109 geht es weiter zu Christoph Lammert (Nr. 108) zu seinen „Verortungen“. Im Wissenschaftspark (Munscheidstr.) warten unter dem Titel „Eye_Land“ subjektive Deutschland-Bilder auf Besucher: den Blick auf die zweite Heimat bannten junge Geflüchtete aufs Fotopapier. Am Samstag um 16 Uhr gibt es hier ein Klavierkonzert mit einem koreanischen Pianisten (Sonntag, 11 Uhr auch im Eurasia Kulturverein, mit Vernissage). In der Alten Schmiede, Leithestraße 111b, zeigt Jo Scholar Arbeiten der letzten Jahre, bereits am Freitagabend, 20 Uhr, gibt es ein Preview: „Was bleibt“.

Am Halfmannshof geht es auch um die Bibel

Am Halfmannshof (Halfmannsweg 50 und 52) zeigt Heinz Szamida neue Arbeiten, Dietmar und Regina Klein laden zum Werkstatt-Besuch zum Thema „Die Altar-Bibel“ mit Filmdokumentation und Fotos.

>>>Die Stationen sind am Samstag von 15 bis 20 Uhr und am Sonntag von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt zu allem ist frei.

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