Aktionstag

Emmaus-Gemeinde Gelsenkirchen schließt die „Weltbaustelle“

Andreas nimmt einen Schluck aus dem 3D-Bild-Glas beim Pottpürree-Festival der Evangelischen Emmaus-Gemeinde.

Andreas nimmt einen Schluck aus dem 3D-Bild-Glas beim Pottpürree-Festival der Evangelischen Emmaus-Gemeinde.

Foto: Heinrich Jung / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen-Rotthausen.  Festival mit Weltmusik und Jugendkultur in der Evangelischen Kirche in Rotthausen setzt einen Schlusspunkt für die „Weltbaustelle Gelsenkirchen“.

Gratwanderung oder Spagat, kann Kunst das oder kann das weg? Und: Kann sie das in der Kirche? Ein zunächst rätselhaftes Kreidebild auf dem Pflaster, ein beatboxender Lautkünstler vor dem altehrwürdigen Altar machten neugierig. Es zeigt sich, dass in jedem Programmpunkt des „Pottpürree-Festivals“ an und in der Evangelischen Kirche an der Steeler Straße reichlich Energie, Engagement und vor allem Überraschendes stecken.

Mit Kunstwerken, Mitmachaktionen, Workshops und einer ungewöhnlichen Musik-Kombination macht die Weltbaustelle Gelsenkirchen hier auf 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung aufmerksam. Der Grundstein wurde in einem Projekt der Konfirmanden vor Jahren mit dem Verkauf von fair gehandelten Produkten gelegt. Längst werden die im Weltladen im Alten Turm der zentralen Altstadtkirche regelmäßig angeboten. Nach und nach wurde so aus dem ursprünglichen Weinfest das interkulturelle „Pottpüree“ mit Weltmusik und Jugendkultur. Das Finale der „Weltbaustelle Gelsenkirchen“ war es nebenbei auch, wenn auch fast sicher ist, dass auf der noch gearbeitet und angebaut wird.

Globale Fragen an den Einzelnen

Das Kreidebild stammt von Vanessa und Lydia Hitzfeld: Ein großes Glas auf dem Pflaster, dekoriert mit einer Limettenscheibe, die Eiswürfel in dem Longdrink schmelzen. Das Gediegene, Luxuriöse zwingt beim genaueren Hinsehen zum Spagat, denn da ist der Hinweis auf Erderwärmung und Vergeudung von Ressourcen plötzlich deutlich.

Judith Petersen von der Kampagne Eine-Welt-Netz hilft dem Betrachter bei der Deutung des Werkes. Und obwohl sie vorausschickt, dass sie seit dem Start am Nachmittag viel von ihrer Beredtheit eingebüßt hat, wird sie doch ganz schnell wieder warm und wortreich. Im engeren Sinn lädt die Kreidezeichnung ein, gibt einen Anstoß, eröffnet einen ungewöhnlichen Zugang. Denn die Besucher können und sollen sich hineinstellen in diese abstrakte, interaktive Welt und fotografieren lassen. Dabei drängen sich die Fragen auf, was die globalen Probleme mit jedem Einzelnen zu tun haben.

Start der Weltbaustelle auf der Szeniale in Ückendorf

Die „Weltbaustelle“ startete bei der „Szeniale“ in Ückendorf im Juli, und die Farbe hier in Rotthausen kann gut ein Jahr halten, erklärt die begeisterte Aktivistin.

Erst sind es seltsam anmutende Laute, die gleich nebenan aus dem Kirchenschiff locken. Chris Howard macht Appetit auf seinen Workshop im „Beatboxing“ und demonstriert unterhaltsam, was alles mit Mund, Lippen und Kehlkopf erzeugt und kombiniert werden kann. Mit seinem Mitmach-Beispiel „Putzekatze“ hat er die jugendlichen Gäste am Haken. Ohne die Vokale und reduziert auf „P-tz-k-tz“ könnte er sie sicher stundenlang unterhalten.

Ganz andere Klänge präsentiert dann Sarah MacDougall an der akustischen Gitarre in dem neugotischen Bau, der erst beim zweiten oder dritten Blick ahnen lässt, dass hier 1000 Menschen Platz finden. So viele werden es heute nicht, es ist Heimspieltag auf Schalke und die Fridays for Future-Aktionen ziehen sicherlich zusätzlich Besucherströme in die City.

Pfarrer Neuhaus bohrt für die Kultur in Rotthausen gern „dicke Bretter“

Aber nach den ersten glasklaren Klängen der Musikerin mit schwedisch-kanadischen Wurzeln mag man unterschreiben, dass sie dabei ist, sich in der Singer-Songwriter-Szene einen Namen zu machen. Diesmal ist sie sogar eher zufällig eingesprungen, war in der Nähe auf Tournee.

Pastor Rolf Neuhaus setzt sich mit seinem Team von insgesamt 25 Helfern heute wieder dafür ein, Kirche in der Öffentlichkeit und im Quartier bekannt zu machen und Kulturangebote zu etablieren. Dass er dabei in Rotthausen dicke Bretter bohren muss, spornt ihn eher noch an: „Mir macht Kreativität unheimlich Spaß.“

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