Vivawest-Marathon

Elias Sansar siegt beim Vivawest-Marathon in Gelsenkirchen

Die Hände zum Himmel: Locker auf die Piste geht’s Sonntag für über 9000 Aktive  beim 7. Vivawest-Marathon in Gelsenkirchen. Start und Ziel ist der Bereich am Musiktheater.

Die Hände zum Himmel: Locker auf die Piste geht’s Sonntag für über 9000 Aktive beim 7. Vivawest-Marathon in Gelsenkirchen. Start und Ziel ist der Bereich am Musiktheater.

Foto: Kai Kitschenberg / FFS

Gelsenkirchen.   9344 Aktive laufen beim 7. Vivawest-Marathon mit. Auf der Halbdistanz überrascht Anke Esser. Sie hängt in Gelsenkirchen locker die Männer ab.

Jan Fitschen „Kenia“, Europameister 2006 über 10.000 Meter, immer noch ambitionierter Langstreckler und gefragter Gesprächspartner, bringt es am Ziel-Einlauf auf den Punkt: „Dieser Marathon ist von der Strecke her nicht für die Bombenzeiten spitze, aber vom Erlebniswert her.“ Beifall und Ansporn gibt es auf den 42,195 Kilometern durchs Revier wohldosiert an Fanpoints. „Aber zwischendurch hat man seine Ruhe. Und dann kommt man auch durch Gegenden, die sind völlig grün – und man fragt sich: wohnt hier überhaupt ein Mensch?“

Nun, die Menschen sind am Start und Ziel am Musiktheater Sonntag nicht zu übersehen. Und auch nicht im Nordsternpark, der rund um die Vivawest-Zentrale wieder Fanmeile mit Musik und Unterhaltung, mit Spendenmatte und Verpflegungsstation ist. Hunderte verfolgen hinter den Banden das Geschehen beim 7. Vivawest-Marathon.

Anke Esser schlägt alle Männer

Elias Sansar beklatschen sie später als Marathon-Sieger. . Damit stand er nach 2016 und 2018 bereits zum dritten Mal ganz oben auf dem Treppchen und kann sich Rekord-Vivawest-Marathon-Sieger nennen. Nach 2:25:52 Stunden lief er unter dem Jubel der Zuschauer ins Ziel, sogar noch etwas schneller als bei seinen beiden vorherigen Siegen. Drei Kilometer vor dem Ziel hat er das Tempo angezogen und ist der Konkurrenz enteilt. „Die Taktik ist aufgegangen“, erklärt er nach einer kurzen Verschnaufpause. Und: „Die letzten Kilometer gehen auch, wenn man nicht mehr lebt.“

2:57:34 Stunden braucht Annika Vössing

Annika Vössing siegt mit großem Vorsprung bei den Frauen, läuft im Pulk mit etlichen anderen Aktiven ein und wird fast übersehen. 2:57:34 Stunden hat sie gebraucht und liegt nun ausgepowert auf dem Teppichboden im Zielbereich. Wetter und Strecke fordern Tribut. „Heute hat alles gepasst. Ich konnte mich fast von Anfang an die Spitze setzen und mein Rennen laufen“, erzählt Vössing.

Eine in Gelsenkirchen bislang einmalige Spitzenleistung zeigt Anke Esser aus Aachen im Halbmarathon. Sie läuft nach 1:16:30 Stunden über die Ziellinie und ist damit fast zwei Minuten schneller als der erste Halbmarathonläufer bei den Männern. Bei den Männern siegte Jones Asarg (1:18:23).

Eindrücke vom Vivawest-Marathon 2019

Rund 9000 Läufer sind beim 7. Vivawest-Marathon unterwegs. Die Strecke führt die Sportler durch Gelsenkirchen, Gladbeck, Bottrop und Essen.
Vivawest-Marathon 2019
Marathonstand von Hammer.de

Über 9000 Läufer sind Sonntag unterwegs, bei Schülerstaffeln, Zehn-Kilometer-Lauf, Halbmarathon, Marathon. Bei Bäcker Gatenbröcker bewerben sie an diesem Sport-Tag ihre Lauf-Riegel. Männer und Frauen mit kurzen Hosen, Funktionsshirts und mit Kleider-Aufbewahrungsbeuteln über er Schulter haben dafür keinen Blick. Sie streben früh vor 9 Uhr durch die City dem Startbereich entgegen. Allein 4000 Frauen und Männer werden beim Halbmarathon mitlaufen.

„Genießt das Feeling, genießt das Ruhrgebiet“, bekommen sie alle mit auf den Weg. Über 70 Jugendliche des elften Jahrgangs laufen für die Gesamtschule Berger Feld,verteilt auf zehn Schülerstaffeln. Mit lila Leibchen sind sie unterwegs – und werden vom „tollsten Lehrer überhaupt“ betreut, da sind sich die Jugendlichen einig. Lehrer Jan Letailleur bleibt allerdings nur die Zuschauerrolle. Er geht an Krücken. „Eine Verletzung“.

40 Mobil-Toiletten am Musiktheater

Vor den über 40 Mobil-Toiletten haben sich Schlangen gebildet. Viele suchen vor dem Start noch Marscherleichterung. Auch ein Studentenquintett aus Aachen steht an. Max, einer aus ihrer Gruppe, kommt aus Marl. Ihm sind sie dem Lockruf nach Gelsenkirchen gefolgt.

Musik wummert aus den Boxen, blau-weiße Konfettischnipsel verwehen. Hier werden noch mal Beine gedehnt und Muskeln geknetet, dort stärken sich die ersten früh mit Currywurst. Ein Stück weiter präsentiert „Hammer.de“ seine Fitnessgeräte. Das Interesse der frühen Gäste hält sich in Grenzen. Für Bewegung sorgen sie gleich selbst. Direkt am Start steht eine Süßigkeitenbude. Auf die Läufer warten nach dem Finish eher Bananen, Fleischwurststücke, Schokokuchen und Getränke.

Flüchtling aus Eritrea gewinnt WAZ-Lauf

Die St. Augustinus GmbH, einer der Unternehmenspartner des Marathons, ist gleich mit 100 Akteuren aus Krankenhäusern, Kitas oder Kinderheimen und einem üppigen Pavillonstützpunkt am Start – und hat einen Gewinner in ihren Reihen. Simon Goytom gewinnt den WAZ-Lauf über zehn Kilometer und hängt 1799 Konkurrenten ab. „Die Strecke war leicht“, findet er. Im Training läuft Simon „bis zu 20 Kilometer“. Der junge Mann mit den spindeldürren Beinen und der großen Ausdauer ist als Flüchtling aus Eritrea nach Gelsenkirchen gekommen. Beim Lauftreff des St. Marienhospitals Buer gehört er zu den Aktiven. Und nun zu den Siegern.

Staffel knackt nationalen Marathonrekord

Eine nationale Bestmarke wird Sonntag auch geknackt: der deutsche Marathonrekord von Arne Gabius (2:08:33 Stunden) wird geradezu pulverisiert. Auch wenn es dazu mehrerer Staffelläufer des AYYO Team Essen bedurfte. Auf der offiziellen und vom DLV vermessenen Marathonstrecke teilten sich insgesamt 14 Topläufer die 42,195 Kilometer von Gelsenkirchen über Essen, Bottrop und Gladbeck zurück ins Ziel nach Gelsenkirchen. Dabei legten die Läufer unterschiedliche Strecken zwischen einem und knapp drei Kilometern zurück. Ihre Gesamtzeit: 2:06:58 Stunden. Den Schlussspurt legte die schnellste Polizistin des Landes, Carina Fiereck hin.

>>> Zahlen und Fakten zum Lauf

100.000 Zuschauer wurden längs der Strecke erwartet.

Vier Städte durchliefen die Marathonis – Gelsenkirchen, Essen, Bottrop und Gelsenkirchen.

13 Verpflegungsstellen und sechs Fanpoints gab es längs der Strecke, die Einsatzort war für 550 Volontäre, 600 Sicherheitskräfte und 250 Sanitätskräfte.

Bereit gehalten wurden für die Sportler über 20.000 Schwämme, 20.000 Päckchen Traubenzucker, 16.000 Bananen, 7000 Müsliriegel, 2300 Äpfel, 5000 Liter Cola oder auch 250 Fleischwurstringe und 3700 Liter Elektrolyt-Getränke.

Nötig waren auch zur Absicherung 8000 Meter Gitter und 227,5 Tonnen Absperrmaterial.

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