Wettbewerb

Duisburger wird Stadtmeister im Gelsenkirchener Poetry Slam

Die Finalisten: Jasmin Sell, Tobias Reinartz, Carina Steinhoff , Pierre Adam und Gewinner Malte Küppers.

Die Finalisten: Jasmin Sell, Tobias Reinartz, Carina Steinhoff , Pierre Adam und Gewinner Malte Küppers.

Foto: Frank Oppitz / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen-Bulmke-Hüllen.  Krankheitsausfälle ließen die Gelsenkirchener Poetry Slam Meisterschaft zum Wettstreit von Auswärtigen werden. Der Gewinner kommt aus Duisburg.

Eine Erkältungswelle hatte der diesjährigen Stadtmeisterschaft im Poetry-Slam am Freitagabend einen kleinen Strich durch die Rechnung gemacht. Moderator Michael Meyer, Jugendarbeiter der evangelischen Kirche und Leiter der Slam-Szene Cafésatz in Beckhausen, musste in der Flora verkünden, dass sich der vorjährige Stadtmeister Emil Bosse und die beiden Kandidaten aus der Werkstatt in Buer krank gemeldet hatten.

„Poesieduell“ schickte somit Jasmin Sell aus Bochum in den „Ring“, die Sozialpädagogin war keine Unbekannte, hat lange im Spunk den dortigen Slam-Contest organisiert. Heute trat sie also als Konkurrentin der Kandidaten des Ückendorfer Jugendzentrums Malte Küppers aus Duisburg und Tobias Reinartz aus Dinslaken auf. Für Cafésatz starteten wie geplant Pierre Adam aus Gelsenkirchen und Carina Steinhoff aus Soest.

Kindheitserinnerungen in einem zerfledderten Heft

Sechs Vorentscheidungsrunden à sechs Teilnehmern an drei Orten, um unter den Siegern zwei Kandidaten für die Stadtmeisterschaft zu küren – eine ganze Menge Poesie für die Stadt Gelsenkirchen. Und doch zeigte der Abend im Kulturraum, dass längst eine Form von „Stand-Up-Comedy“ die Domäne der Slammer beherrscht. Lyrik, Alliterationen, gereimtes Wort, Musikalität der Sprache fand sich nur noch im Beitrag des Gelsenkirchener Pierre Adam wieder. Viele „bärtige Bären und Beeren“ und Kindheitserinnerungen in einem zerfledderten Heft.

Ein wunderschöner, poetischer Beitrag in der Endrunde: der Papierflieger. „Und auch wenn du unbeschrieben bliebst, gibt es jemand der dich heute noch bewundert, gibt es jemanden der dich schätzt, auch noch in einem weiteren Jahrhundert, denn keine Technik kann dich je ersetzen, kein Kind mit einem Lächeln wird dich je vergessen“. Das brachte Adam letztendlich den zweiten Platz. Der Sieg war ihm vielleicht verwehrt, weil seine Vorträge noch geprägt sind von Aufregung, bescheidenem Auftreten, kleine Verhaspler hier und dort. „Ich habe erst vor acht Monaten mit dem Schreiben und Vortragen von eigenen Texten angefangen“, sagte der 31-jährige Resser. Die Szene kann sich auf seine kommenden Jahre freuen.

Engagierte Texte, aber einfach gestrickte Witze

Ganz anders der Sieger des Abends. Malte Küppers trat von Beginn an souverän auf die Bühne. Die Texte des Sozialarbeiters beschäftigen sich löblich engagiert mit Vorurteilen und Ausgrenzung, mit Tod und Krankheit. Allein, häufig zielte es ab auf einfach gestrickte Witze und Schenkelklopfer, Küppers war laut, lachte über den eigenen Humor, das zog mit. Er bekam die meisten Stimmen. Der drittplatzierte Tobias Reinartz nahm mit ähnlich starker Bühnenpräsenz sich selbst auf den Arm, seine 1,95 Meter-Größe, die Komplikationen der Kleiderfindung, erzählte humoristisch über deutschen Weihnachtswahn, der mit einer Axt ein tödliches Ende fand.

Die Damen des Abends kamen nicht in die Finalrunde, obwohl sie qualitativ den Herren in nichts nachstanden. Sell überzeugte mit ihrem positiven Statement zur fülligen Figur und Steinhoff ließ das Publikum an ihrem Leben als Kindergärtnerin teilhaben, an manchen Stellen zu überzogen das Geschrei der kleinen Racker. Poetry-Slam ist auch Momententscheidung. „Respect the Poets“ war aber das Zauberwort des Abends, jeder Teilnehmer wurde durch ordentliches Klatschen belohnt.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben