Glaubensregeln

Darum isst der Chef von Mr. Chicken kein Schwein

Omar Ayar (Mr.-Chicken-Betriebsleiter am Hauptbahnhof, 3.v.r.) und Erhan Baz (Mr.-Chicken-Geschäftsführer, 2.v.r) schauen sich in der Küche des Restaurants an der Dessauerstraße die Herstellung von „Halal Fried Chicken“ an.

Omar Ayar (Mr.-Chicken-Betriebsleiter am Hauptbahnhof, 3.v.r.) und Erhan Baz (Mr.-Chicken-Geschäftsführer, 2.v.r) schauen sich in der Küche des Restaurants an der Dessauerstraße die Herstellung von „Halal Fried Chicken“ an.

Foto: Michael Korte / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.   Alle Dönerbuden in Gelsenkirchen bereiten ihr Essen halalgerecht zu. Was das heißt? Sie richten sich beim Kochen nach dem muslimischen Glauben.

Schmackhaftes Essen zu genießen, ist sicher nicht vom Glauben abhängig. Familien aus unterschiedlichen Kulturen in Gelsenkirchen lassen dennoch längst nicht alles auftischen, was in den Regalen der Supermärkte zum Kaufen lockt. Das Schweinesteak, das in vielen Küchen in der Pfanne brutzelt, ist beispielsweise für Muslime und Juden tabu. Nur „Halal“ (arabisch: erlaubt) zubereitete Kost ist für Muslime erlaubt.

Freitags kein Fleisch

Für Mitglieder der jüdischen Gemeinde muss das Essen „koscher“ (erlaubt) zubereitet sein. Wer es sich in christlichen Familien leisten konnte, der verzichtete auch in schlechteren Zeiten nur ungern auf den Schweinebraten. Dabei erinnern sich nur noch die Großeltern an längst überholte Traditionen. Damals verzichteten gläubige Familien freitags auf Fleisch und ließen stattdessen Fisch in der Pfanne schmoren. Wie international und auf unterschiedliche Glaubensrichtungen basiert die Küche geworden ist, ist heute in vielen Kiosken und Gaststätten zu sehen.

Alkohol und Rauschmittel sind verboten

So können sich Muslime auch in der kleinsten Dönerbude darauf verlassen, Halalgerecht versorgt zu werden. Erhan Baz, Geschäftsführer der Kette Mr. Chicken GmbH, glaubt, dass Muslime die Glaubensregeln unterschiedlich streng auslegen. Der Verzehr von Schweinefleisch ist für alle tabu, aber auch Schalen- und Kriechtiere dürfen Muslime nicht verzehren. Alkohol und andere Rauschmittel fallen ebenfalls unter den Begriff „haram“ , eine Verbotsbezeichnung, die aus dem Arabischen stammt. Klarer Apfelsaft ist ein Beispiel dafür, wie weit der Glaube in die Zusammensetzung von Lebensmitteln eingreift. „Der Verzehr ist verboten“, sagt Erhan Baz, „wenn für das Filtern Schweinegelatine verwendet wird.“

Glänzende Brötchen kommen nicht auf den Teller

Auch bei der Zusammensetzung von Aromastoffen heißt es „haram“, wenn für die Konservierung Alkohol verwendet worden ist. Um die Oberfläche von Brötchen glänzender aussehen zu lassen, werden sie mitunter mit einem Schmalzaufstrich verschönert. Das knusprige Frühstücksbrötchen wäre für Muslime tabu, wenn Schweinefett für den optischen Glanz gesorgt hätte. Der 49-Jährige ist überzeugt, dass sich nicht nur Muslime, sondern mittlerweile viele Verbraucher immer mehr dafür interessieren, wie Tiere aufgewachsen sind, woher sie stammen und wie sie ernährt worden sind. Erhan Baz: „In naher Zukunft werden Konsumenten sicherlich auf dem Smartphone nachverfolgen können, was die Tiere gegessen und wo sie gelebt haben.“

Tier muss vorher ausbluten

Die ganz strengen Muslime achteten beim Verzehr sogar darauf, ob ein Glaubensbruder das Tier geschlachtet habe. Generell gelte für alle Moslems, sagt der Geschäftsmann, dass das Schaf, Rind oder das Hähnchen als „reines“ Fleisch verzehrt werden müsse, das Tier also vorher ausbluten musste. Dabei ist eine vorherige Betäubung der Tiere, die nicht zum Tod führt, auch nach muslimischer Regel erlaubt. Nicht immer sind alle Regeln eindeutig definiert. Erhan Baz: „Es gibt keine einheitliche Rechtssprechung, das macht es für Betriebe schwer, genau zu erkennen, was halalgerecht hergestellt und weiterverarbeitet worden ist.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben