Saisonauftakt

Bundesliga-Start: Das sagen Gelsenkirchener Kneipenwirte

Mirko Schätze in der Kneipe "Mythos Görsmeier". Er blickt vorsichtig-optimistisch in die Zukunft.

Mirko Schätze in der Kneipe "Mythos Görsmeier". Er blickt vorsichtig-optimistisch in die Zukunft.

Foto: Jörg Schimmel / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen  Die Bundesliga startet wieder. Geht es mit den Fußballübertragungen nun für Gelsenkirchener Kneipenwirte bergauf? Ein Stimmungsbild.

Mit dem Auftaktspiel von Schalke 04 gegen Bayern startet die Bundesliga am Freitag - ohne Zuschauer im Münchener Stadion. Füllen sich dafür die in der Corona-Zeit reichlich angeschlagenen Kneipen wieder? Gelsenkirchener Wirte prognostizieren Unterschiedliches.

Ulf Timmermann steht seit 16 Jahren hinter dem Tresen der Friesenstube in der Gelsenkirchener Altstadt. „Wir haben keine großen Erwartungen an den ersten Bundesligaspieltag“, sagt der 70-Jährige. „Leider zeigen die Öffentlich-Rechtlichen ja das Spiel, deswegen werden es wohl die meisten zu Hause gucken.“ Generell blickt Timmermann skeptisch auf den : „Man muss jetzt erstmal schauen, was von der Lust auf Fußball noch übrig geblieben ist.“

Auch ohne Fußballübertragungen nähere man sich in der Friesenstube allerdings an Vor-Corona-Besucherzahlen an. „Im Moment haben wir etwa 20 bis 30 Prozent weniger Besucher“, sagt der Wirt. „Viele Stammkunden kommen aber gerne wieder zu uns, weil sie sagen: 'Wir finden es gut, wie sehr ihr hier auf die Hygienevorschriften achtet'.“ Sorgen bereiteten ihm dennoch die Herbst- und Wintermonate.

Armin No. 8: „Für Sky kommt heutzutage keiner mehr in die Kneipe“

Eher pessimistisch ist Anke Brennecke, Inhaberin des „Armin No. 8“. 60 Prozent weniger Gäste als normal habe sie im Moment, sagt die 51-Jährige. Dafür macht sie vor allem die Corona-Regeln verantwortlich, die ein geselliges Beisammensein unmöglich machten: „Die Leute wollen singen, tanzen, am Tresen sitzen. Viele sagen: 'Wieso soll ich in die Kneipe, um mich an den Tisch oder vor eine Plastikfolie zu setzen'?“

Daran könnten auch Fußballübertragungen nichts ändern. „Für Sky kommt heutzutage keiner mehr in die Kneipe“, sagt Brennecke. Die meisten Fußballfans hätten den Bezahlsender mittlerweile zu Hause abonniert. Bei Spielen mit nur 20 Prozent besetzten Zuschauerplätzen werde wohl auch keine rechte Stimmung aufkommen. Die Wirtin fordert: „So langsam müssen wir wieder zur Normalität zurück. Sonst sehe ich schwarz.“ Von der Politik fühlt sie sich alleine gelassen: „Es heißt immer, wir seien nicht systemrelevant. Aber für die Menschen, die sonst nur wenige soziale Kontakte haben, sind Kneipen wichtig.“

Mythos Görsmeier: "Wenn Schalke gut spielt, kommen die Leute auch wieder"

Etwas positiver blickt Mirko Schütze vom „Mythos Görsmeier“ in die Zukunft. Auch er hat aktuell Umsatzeinbußen von 40 bis 50 Prozent. Aber: „Ich habe für das Spiel gegen Bayern schon viele Reservierungen.“ Er wisse nicht, ob der Laden am Ende voll oder halb voll sein werde – in jedem Fall aber nicht leer. „Die Leute haben Bock auf Fußball“, so der 55-Jährige. Bei Sky-Übertragungen habe er stets mindestens 20 bis 30 Gäste. Das größte Problem aus seiner Sicht: „Schalke spielt im Moment so schlecht, dass sich die Leute fragen: ‘Warum soll ich mich in die Kneipe setzen, um mir das anzugucken?’ Wenn Schalke gut spielt, kommen die Leute auch wieder.“

Ronny Marcinkowski, Inhaber des Schalke-Vereinslokals „Bosch“, machen vor allem die Abstandsregeln zu schaffen. „Zu den Fußball-Übertragungen erwarte ich mehr Gäste als sonst", berichtet er. Am Freitag sei er sogar schon ausgebucht. Allerdings kann er nicht so viele Leute ins Lokal lassen wie sonst: Statt 150 gibt es im Bosch aktuell nur 60 Plätze.

Bosch: "Die Stammgäste kommen auch, wenn kein Fußball läuft“

Wahre Schalke-Fans, so Marcinkowskis Erfahrung, kämen auch bei Geisterspielen und schlechten Spielgebnissen in die Kneipe. „Die fachsimpeln oder ärgern sich gemeinsam“, sagt der Wirt. Und: „Die Stammgäste kommen auch, wenn kein Fußball läuft.“ Dennoch habe er im Moment 50 bis 60 Prozent weniger Gäste. Doch es gebe auch viele, die helfen, sagt Marcinkowski: „Ich führe eine Traditionskneipe, ich kann nicht aufgeben. Es kommen auch wieder bessere Zeiten.“

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