Arbeiterwohlfahrt

Awo-Gründerin Juchacz wollte die soziale Not lindern

Gegen Rassismus und Populismus setzten Kindergartenkinder 2018 ein Zeichen – ganz bewusst vor dem Awo-Seniorenzentrum am Marie-Juchacz-Weg in Gelsenkirchen-Horst. Die Awo engagiert sich für Menschen in Krisensituationen unabhängig von ihrer Herkunft.

Gegen Rassismus und Populismus setzten Kindergartenkinder 2018 ein Zeichen – ganz bewusst vor dem Awo-Seniorenzentrum am Marie-Juchacz-Weg in Gelsenkirchen-Horst. Die Awo engagiert sich für Menschen in Krisensituationen unabhängig von ihrer Herkunft.

Foto: Heinrich Jung / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  Als die Sozialdemokratin 1919 die Awo gründete, hatte sie Bedürftige im Blick. Auch heute ist der Einsatz unabhängig von Parteien und Religion.

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Als Marie Juchacz (1879-1956) am 13. Dezember 1919 die Awo als „Hauptausschuss für Arbeiterwohlfahrt in der SPD“ gründete mit dem Ziel, Not zu lindern und ihr vorzubeugen, wusste sie sehr genau, was sie tat: Die gelernte Schneiderin, Sozialdemokratin und Frauenrechtlerin war alleinerziehende Mutter von zwei Kindern und kannte soziale Not aus ihrem eigenen Umfeld nur zu gut.

Die Awo forderte soziale Rechtsansprüche ein, gründete aber auch selbst Nähstuben, Mittagstische, Werkstätten und Beratungsstellen. Finanziert wurde dies etwa über eine eigene Lotterie und den Verkauf von Arbeiterwohlfahrtsmarken.

1923 gründeten sich Awo-Anlaufstellen in Buer, Horst und Gelsenkirchen

In Buer, Horst und Gelsenkirchen – damals noch eigenständige Städte – wurde im Sommer 1923 mit dem Aufbau der Awo begonnen. Dabei entstand auch eine Beratungsstelle mit einer Fürsorgerin. Erste hauptamtliche Mitarbeiterin wurde Margarethe Zingler.

Der Verband entwickelte sich rasch: 1931 etwa engagierten sich in der gesamten Weimarer Republik bereits 135.000 Ehrenamtliche in der Kindererholung und im Kinderschutz, in der Altenbetreuung und Jugendhilfe, in Notstandsküchen und Werkstätten für Behinderte und Erwerbslose sowie in Selbsthilfe-Nähstuben. Dabei galt das heute noch aktuelle Prinzip, Menschen unabhängig von Herkunft und Konfession zu helfen.

Margarethe Zingler

1933 bis 1944 wurde die Awo verboten, die Hilfe für Notleidende und Verfolgte des Naziregimes aber bis 1936 teilweise in der Illegalität fortgesetzt. 1946 begann in Gelsenkirchen der Wiederaufbau der Awo: Margarethe Zingler, SPD-Stadtverordnete des ersten wieder demokratisch gewählten Rats, übernahm den Vorsitz und die Geschäftsführung der Awo und wurde nach ihrem Rücktritt aus Altersgründen in den 1960er Jahren zur Ehrenvorsitzenden gewählt. Sie wurde auch Namensgeberin des Hauptmarkts in der Gelsenkirchener City (1986).

1949 kehrte auch Marie Juchacz aus der Emigration in den USA zurück. Sie hatte dafür gesorgt, dass die Awo bei der Care-Paketaktion der Amerikaner einbezogen wurde und wurde Ehrenvorsitzende der Awo.

2001 wurde der Awo-Unterbezirk Gelsenkirchen/Bottrop gegründet, seit 2007 mit dem Awo-Bezirk Westliches Westfalen auch Träger des Demenz-Servicezentrums für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte. Im selben Jahr entstand auch die Awo-Stiftung Gelsenkichen mit dem Ziel, dauerhaft Bildung und Lebensfreude zu fördern, etwa durch kreative Aktionen für Kinder, Familien, Senioren und behinderte Menschen. Heute arbeiten rund 550 Mitarbeiter in verschiedenen Bereichen und sozialen Einrichtungen der Awo. Es gibt 24 offene Ganztagsschulen, acht Kitas, die Familienbildung, Beratungsstellen und viele arbeitsmarktpolitische Projekte und Initiativen.

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