Prozess

Attacken und Rüpeleien: Ex-Student muss in die Psychiatrie

Ein Mann ballt am Donnerstag, 03.11.2017 in Bochum die Faust. Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Ein Mann ballt am Donnerstag, 03.11.2017 in Bochum die Faust. Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Essen/Gelsenkirchen  Ein Ex-Philosophiestudent aus Gelsenkirchen ist durch Attacken auf seine Mutter aufgefallen. Vorfall im Supermarkt gilt als seine heftigste Tag.

"Sie legen dann Revision ein, Herr Scharrmann." Mit dieser knappen Anweisung an seinen Verteidiger verließ der 51-jährige Gelsenkirchener am Freitag den Essener Gerichtssaal. Sichtlich unzufrieden zeigte er sich mit der Entscheidung der XVII. Strafkammer, ihn für nicht absehbare Zeit in der geschlossenen Psychiatrie unterzubringen.

Aber daran führte aus Sicht der fünf Richter kein Weg vorbei. Noch während der Verhandlung hatte der Beschuldigte, der früher Philosophie studiert hatte, gezeigt, wie wenig er sich kontrollieren kann. Während des Plädoyers seines Verteidigers Timo Scharrmann stand er mehrfach auf, wechselte den Platz im Saal und unterbrach den Anwalt. Dabei hatte dieser sich für ihn eingesetzt und die Psychiatrie als unverhältnismäßig angesichts der Taten eingestuft.

"Gravierendste Tat" blieb Attacke an der Supermarkt-Kasse

Mehrere Vorfälle seit 2016 hatte die Antragsschrift der Staatsanwaltschaft aufgelistet. Da ging es vor allem um Aktionen gegen die eigene Mutter, aber auch um Rüpeleien gegen Angestellte in Supermärkten.

Weil der 51-Jährige aus dem Stadtteil Horst auch immer wieder in die Urteilsbegründung hinein sprach, fasste Richterin Gabriele Jürgensen sich relativ kurz. So blieb als "gravierendste Tat" nur noch die Attacke an der Kasse eines Supermarktes, denn die Mutter hatte in ihrer Aussage manches relativiert oder konnte sich nicht mehr erinnern.

Kassiererin beschimpft

An der Kasse hatte er allerdings sehr aggressiv reagiert, als die Kassiererin nicht schnell genug auf seinen 25-Cent-Bon reagierte. Er beschimpfte sie als "türkische Schlampe" und bespuckte eine zur Hilfe eilende Kollegin. Nach ihr schlug er auch, sie wich aber aus.

Gute Heilungsaussichten hat der Beschuldigte nicht mehr. Schon Anfang der 90er Jahre war die paranoide Schizophrenie bei ihm festgestellt worden. Medikamente, die er bekam, setzte er eigenmächtig ab. So verfestigte sich die Krankheit.

Hilfe versprach die Richterin nur beim Transport zurück in die Psychiatrie. Sie hatte sich bei der JVA um eine schnelle Fahrt bemüht. Beim letzten Mal hatte der 51-Jährige lange in seiner Zelle warten müssen und war ausgerastet.

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