Kraftwerkschließung

Scholvener Rigips-Werk muss künftig auf neue Quellen setzen

Blick auf Scholven. Hier soll sich in den nächsten Jahren einiges industriell verändern – unter anderem soll das Uniper-Kraftwerk vom Netz gehen. Das hätte auch Auswirkungen auf die Rigips GmbH.

Blick auf Scholven. Hier soll sich in den nächsten Jahren einiges industriell verändern – unter anderem soll das Uniper-Kraftwerk vom Netz gehen. Das hätte auch Auswirkungen auf die Rigips GmbH.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Gelsenkirchen-Scholven.  Wenn das Uniper-Kraftwerk in Gelsenkirchen den Betrieb einstellt, wird Rigips nicht mehr mit Gips versorgt. Das Unternehmen setzt auf Recycling.

Am Industriestandort Scholven tut sich einiges: BP will in den nächsten Jahren Milliarden in die Raffinerien investieren, dazu werden unter anderem die Dampfversorgung und das Stromnetz modernisiert. Parallel möchte Uniper die Kohleverstromung in den beiden verbliebenen Kraftwerksblöcken beenden und eine neue Ära einläuten – mit dem Neubau eines Gaskraftwerkes. Doch was passiert mit dem Rigips-Standort, in dem aktuell noch 100 Menschen arbeiten, wenn bei Uniper kein Gips mehr anfällt für den Trockenbau?

1990 wurde das Gipsplattenwerk in Scholven in Betrieb genommen, als erstes Werk, das zu 100 Prozent auf REA-Basis Gips produziert. Also einen Gips, der aus den Abgasen von Rauchgas-Entschwefelungs-Anlagen gewonnen, der aus dem Uniper-Kraftwerk geliefert wird.

Drei verschiedene Herkunftsarten

Auf das drohende Aus des Kohlekraftwerks auf dem Nachbargrundstück habe man sich eingestellt, erläutert Michel Wenger, Unternehmenssprecher der Saint-Gobain-Gruppe, zu der auch Rigips gehört. „Rigips verwendet in seinen deutschen Platten-Werken inzwischen Gips aus drei verschiedenen Herkunftsarten: REA-Gips aus der Kohleverstromung, Naturgips aus Lagerstätten und Recycling-Gips. Diese werden jeweils von mehreren Lieferquellen bereitgestellt. Dadurch sichern wir die Versorgung unserer Standorte“, so Wenger.

Gerade beim Recycling-Gips sehe man „viel Potential“. Hier sei aber die öffentliche Hand auch gefordert, um „bestehende Regelungen zur Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit konsequent in die Praxis umzusetzen“. Rigips habe bereits durch die Investition in eine moderne Aufgabestation für Recycling-Gips in Scholven die Voraussetzungen geschaffen.

Recycling-Anteil liegt bei 5,4 Prozent

„Die recycelten Mengen sind zur Zeit noch überschaubar“, sagt Oliver Wittke, Gelsenkirchens CDU-Abgeordneter im Berliner Bundestag und parlamentarischer Staatssekretär im Wirtschafts- und Energieministerium. Vor zwei Jahren lag der Recycling-Anteil nach offiziellen Schätzungen bei 5,4 Prozent.

„Grundsätzlich können wir sagen, dass es noch erhebliches Steigerungspotenzial gibt, da aktuell der Großteil der Gips-Wertstoffe aus Neubau und Rückbau auf Deponien landet und dem Wertstoffkreislauf entzogen wird. Damit wird gleichzeitig knapper Deponieraum blockiert und ein hochwertiger Rohstoff vernichtet. Das sollte sich unbedingt ändern“, fordert Wenger.

Naturgips soll die Versorgung sichern

Zudem setzt Wenger in Zukunft bei der Versorgung der Gipsindustrie insbesondere auf Naturgips. „Hierzu müssen Vorkommnisse neu oder erneut erschlossen werden“, sagt er. Einfach wird das nicht. Denn in Thüringen haben sich zwischenzeitlich bereits die Gegner des Tagebaus formiert. Den Protest versteht Wenger nicht. „Der Abbau erfolgt bereits seit vielen Jahrzehnten umweltverträglich und schafft beim Tagebau häufig sogar eine deutliche höhere Biodiversität als zuvor vorhanden“.

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