Medizin

Nach Gehirnoperation in Gelsenkirchen kann Maya wieder sehen

Maya (2) drohte vollständig zu erblinden, heute kann sie schon Vieles erkennen und spielen, während Mutter Yvonne Straus mit Dr. Lutz Schreiber die künftige Behandlung bespricht.

Maya (2) drohte vollständig zu erblinden, heute kann sie schon Vieles erkennen und spielen, während Mutter Yvonne Straus mit Dr. Lutz Schreiber die künftige Behandlung bespricht.

Foto: Thomas Gödde / FFS

Buer/Moers.  Dr. Lutz Schreiber arbeitet als Kinderneurochirurg am Bergmannsheil Gelsenkirchen. Für Patienten wie Maya (2) ist er Tag und Nacht erreichbar.

Maya ist noch nicht einmal drei Jahre alt, hat aber schon fünf Operationen hinter sich. Neurochirurgische Operationen, die man sich als Eltern nicht einmal vorstellen mag. Ihre Mutter, Yvonne Straus, aber hatte keine Wahl, und heute ist sie guter Hoffnung auf ein gutes Leben mit Maya. Es war in der 32. Schwangerschaftswoche, als ihr Gynäkologe eine Gehirnblutung bei ihrem Baby feststellte. „Ich war eine übervorsichtige Schwangere, habe auf alles verzichtet, was dem Baby schaden könnte“, erinnert sich Yvonne Straus. Erst nach der 30. Woche hatte sie aufgeatmet, weil die damals 33-Jährige glaubte, die potenziell gefährliche Zeit überstanden zu haben. Die Ursache für die Gehirnblutung ist bis heute unklar. Fest stand aber, dass Maya eine besondere Behandlung brauchen würde. Weil durch die Blutung das Gehirngewebe vernarbt, Verklebungen im Gehirn drohen, die Auffaltung behindert wird.

Kaum Kinderneurochirurgen in ganz NRW

Dr. Lutz Schreiber, als spezialisierter Neurochirurg an der Kinderklinik am Bergmannsheil, einer von nur einer handvoll Experten auf dem Gebiet im ganzen Land, hoffte anfangs, sich auf einen kleineren Eingriff beschränken zu können, musste aber schließlich doch einen sogenannten Shunt legen. Das ist ein Schlauch, der von der Schädeldecke unter der Haut durch den Hals bis zur Bauchhöhle geführt wird, um Liqour (das Gehirn umgebende Flüssigkeit) abzuleiten und den Druck im Gehirn zu mindern. Ein Eingriff, auf den Lutz Schreiber vor allem die Eltern gut vorbereitet. Und für deren Rückfragen er rund um die Uhr erreichbar ist. „Ich bin für die Eltern immer über Handy erreichbar. Man kann solche komplexen Operationen auch nicht in einem Gespräch erklären. Dazu braucht es mehrere Sitzungen. Wenn die Eltern unsicher sind, ist das schlecht für die Operation. Ich behandele immer die ganze Familie“, versichert Schreiber. Und Yvonne Straus kann das nur bestätigen. „Es gab eine Situation, in der ich unsicher war, weil es meiner Tochter nicht gut ging. Als ich Dr. Schreiber das erste Mal auf dem Handy anrief, sagte man mir, er stehe im OP, ich solle kurz warten. Da wollte ich schon wieder auflegen. Er ist trotzdem ans Telefon gekommen.“ Die Operation sei quasi beendet gewesen und als er den Namen der Anruferin hörte, die kurz vor der OP ihrer Tochter stand, habe er gewusst, dass es dringend war, erklärt Schreiber.

„Es gibt aber auch Situationen, wo das einzig Sinnvolle ist, sofort in die nächste Klinik mit einer Neurochirurgie zu fahren, statt zu mir zu reisen. Ich kenne Maya noch aus meiner Zeit in der Duisburger Klinik, heute arbeite ich im Bergmannsheil Buer und an der Kinderklinik Datteln. Mayas Familie lebt in Moers, da kann eine Anreise von 45 Minuten zu lang sein, da zählen Minuten“, erklärt Schreiber. Wie bei dem Hirnkrampf, der eine Stunde anhielt, und in dessen Folge Maya nun Medikamente gegen epileptische Anfälle nehmen muss. Alarmstufe Rot herrscht bei Maya aber auch, wenn sie sich übergeben muss, weil das mit den Shunt zusammenhängen kann – aber nicht muss.

Deutlicher Entwicklungsschub seit der letzten Operation und Reha

Trotz Einschränkungen sind Arzt und Familie glücklich über Mayas gute Entwicklung. Anfangs fürchtete man eine völlige Erblindung, heute kann Maya vieles erkennen. Sie liebt es, in Büchern zu blättern, kann mit einer Gehhilfe einige Schritte tun, spielen, kann wunderbar nachmachen, wie ein Löwe brüllt. Maya ist ein sehr freundliches, zugewandtes Kind, Mutter Yvonne wirkt bei allen Sorgen fröhlich. Beide kommen gerade aus einer längeren Rehabilitation, die beiden gut getan hat und für die Dr. Schreiber sich eingesetzt hatte. Eine ganzheitliche Behandlung ist für ihn zentral, er begleitet die Familien seiner kleinen Patienten bis zu deren 18. Lebensjahr.

Im Herbst will Yvonne Straus wieder beginnen zu arbeiten, in Teilzeit. Maya hat einen Platz in einer integrativen Kita bekommen. Da sie sich auch in der Reha mit anderen Kindern wohlgefühlt hat, ist sie zuversichtlich, dass das gut funktioniert.

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